Ex-Vorsitzender

SPD Hessen: Schäfer-Gümbels Abschied

  • schließen

Der scheidende  Chef ruft die SPD zur Solidarität auf. Wenn Sozialdemokraten das Steigerlied anstimmten, gehe es nicht um ein Plädoyer für Kohleenergie, sondern um eine kulturelle Frage.

Am Ende stockte Thorsten Schäfer-Gümbel die Stimme. Mit den Worten „Es war mir eine Ehre, Euer Vorsitzender sein zu dürfen“ verabschiedete sich der 50-jährige Politiker von der Parteispitze. Fast elf Jahre lang hatte der Mann mit dem Kürzel TSG die hessische SPD angeführt. Er sei derjenige, der „die Partei wieder aus dem Tal geholt hat“, sagte Hans Eichel zur Würdigung. „Du wärst ein sehr guter hessischer Ministerpräsident geworden.“

Acht Jahre lang, von 1991 bis 1999, hatte Eichel das Land regiert. Dieses Ziel hat Schäfer-Gümbel in drei Anläufen verfehlt. Bei der Landtagswahl 2018 holte er mit 19,8 Prozent und Platz drei hinter CDU und Grünen das schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der SPD in Hessen. Zwar hätten Fehler der Bundes-SPD den Wahlkampf erschwert, aber trotzdem gehe dieses Ergebnis „am Ende mit mir nach Hause“, räumte Schäfer-Gümbel ein.

Er hatte sich im September aus der Politik verabschiedet, sein Landtagsmandat niedergelegt und den Fraktionsvorsitz an Nancy Faeser übergeben. Bis zum Dezember amtiert Schäfer-Gümbel formal noch als kommissarischer Bundesvorsitzender der SPD. Er ist in dieser Funktion aber nicht mehr aktiv, seit er zum 1. Oktober seinen Posten als Arbeitsdirektor der Entwicklungshilfeorganisation GIZ angetreten hat.

In Baunatal berichtete Schäfer-Gümbel, dass er bereits unmittelbar nach der Landtagswahl entschieden habe, dass er seine Funktionen aufgeben würde. Am Montag nach der Wahl habe er die damalige Bundesvorsitzende Andrea Nahles informiert, tags darauf Generalsekretärin Faeser und den Parlamentarischen Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Günter Rudolph.

Zum Abschied gab TSG seiner Partei einen Aufruf zur Solidarität in der Gesellschaft mit. Wenn Sozialdemokraten das Steigerlied anstimmten, gehe es nicht um ein Plädoyer für Kohleenergie, sondern um eine kulturelle Frage. Das Prinzip der Kumpel laute: „Im Stollen ist es zu eng für Ellenbogen.“ Das sei ein Motto auch für die Partei, appellierte Schäfer-Gümbel. „Auch im 21. Jahrhundert ist das das richtige Motiv, um eine Gesellschaft beieinanderzuhalten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare