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Schäden durch zu viel heiße Luft

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So soll der barocke Konzertsaal einmal wieder aussehen. Archiv
So soll der barocke Konzertsaal einmal wieder aussehen. Archiv © Kur- und Kongress GmbH

Schlosskirche und Orgel sollen für 250 000 Euro saniert werden / 2024 soll es losgehen

bad homburg - Wo sonst die Klangpracht von Bach oder Liszt die Apsis erfüllt, ist die profane Melodie derzeit das sonore Brummen des Heizlüfters. Die Heizung der Schlosskirche ist so veraltet, dass man sie Tage vorher hätte anheizen müssen. Also wurde sie gar nicht erst aktiviert und das zwar geräusch-, aber wenig klangvolle Elektrogerät aufgestellt.

Zweifellos, daraus macht Kirsten Worms auch keinen Hehl, die Sanierungsbedürftigkeit der Schlosskirche ist ohren- und augenfällig. 33 Jahre nach der großen Sanierung hat der Zahn der Zeit tiefe Spuren in dem flachtonnengewölbten Saalbau mit risalit-artig vorspringendem Chorgeviert hinterlassen. „Man muss sich nur mal umschauen, dann stechen die Schäden unmittelbar ins Auge“, sagt Worms, die Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG).

Nils Wetter aus der Bauabteilung der SG zählt die verschiedenen Baustellen der 1697 von Landgraf Friedrich II. im Zuge des Schloss-Neubaus errichteten Kirche auf: Insbesondere sei die Steuerung der Heizungsanlage des barocken Saals in die Jahre gekommen und bedürfe einer technischen Modernisierung.

„Gerade das Holzwerk mit den Malereien ist sehr temperaturabhängig“, erklärt Wetter. Eine niedrige Grundtemperatur im Raum müsse aufrechterhalten werden. Wenn die hölzernen Einbauten zu stark aufgeheizt werden, reißt das Holz. Nach der Sanierung soll bei Veranstaltungen daher nur noch kurzzeitig die Luft erwärmt werden - und eben nicht mehr das Holzwerk. Dazu bedarf es jedoch eines ausgeklügelten Steuerungssystems.

Doch nicht nur die Heizung soll erneuert werden. „Der Innenraum mit seinen hölzernen Einbauten und Vertäfelungen muss restauratorisch überarbeitet werden“, sagt Wetter. Im Holzwerk zeigen sich tiefe Risse, und die Farbe blättert an vielen Stellen ab.

Zu guter Letzt schlägt auch das Herz der Schlosskirche nicht mehr im Takt: die Bürgy-Orgel mit ihren 38 Registern, drei Manualen und Pedal, die etliche Klangvariationen bis zum majestätischen Tutti-Klang erlauben. „Die Pfeifen müssen gereinigt, manche wohl auch ersetzt werden“, bilanziert Karl-Heinz Krug, Vorsitzender des Kuratoriums Bad Homburger Schloss. Die 1989 zuletzt sanierte Orgel soll aber mit all ihren Besonderheiten erhalten werden, so Krug, etwa das Echo-Werk. Dessen Windladen und Pfeifen stehen im unteren Teil der Orgel verdeckt, so dass die Töne Umwege nehmen müssen und wie ein Echo klingen.

Bürgerschaftliches Engagement ist gefragt

Einerseits handelt es sich um die älteste Orgel Bad Homburgs, andererseits um eine der jüngsten. Dem in den Jahren 1782 bis 1787 vom Orgelbaumeister Johann Conrad Bürgy entworfenen Pfeifeninstrument war nur ein kurzes Leben beschieden, es vertrug die seinerzeit feuchte Schlosskirche nicht. Bereits nach 90 Jahren lohnte sich keine weitere Investition in das Instrument, so dass man 1878 eine Behelfsorgel anschaffte. 30 Jahre später wurde die Erlöserkirche eingeweiht, woraufhin die Gottesdienste in der Schlosskirche eingestellt wurden. Von der alten Bürgy-Orgel waren da nur noch das Orgelgebläse, das Gehäuse und die Prospekt-Pfeifen erhalten geblieben. 1917 wurden aus den Zinnpfeifen Kanonen. Dank der Initiative Bad Homburger Bürger und der Orgelbaufirma „Förster & Nicolaus“ konnte 1989 das historisch bedeutsame Instrument wieder nach den originalen Plänen rekonstruiert werden. 500 000 Mark an Spenden kamen damals zusammen.

Nun ist wieder bürgerschaftliches Engagement gefragt, um das Mammut-Projekt der zweiten Sanierung zu stemmen. Auf 250 000 Euro taxiert SG-Chefin Worms die Kosten, allein mit 100 000 Euro dürfte der Erhalt der Orgel zu Buche schlagen. Die Hälfte trägt das Land. Der Rest muss wieder aus Spenden finanziert werden. Wenn alles nach Plan läuft, könne die Sanierung 2024 begonnen und, hofft Krug, noch im selben Jahr beendet werden. Als Start findet am 2. Dezember ein Benefizkonzert mit Burkard Schliessmann statt.

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