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Wenn die Autos nicht so neu wären, und die Autobahn nicht so breit, könnte das glatt ein Foto von früher sein.

Schadstoffwerte

Schadstoffwerte in Hessen: Weniger Verkehr, bessere Luft

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    Florian Leclerc
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Das Landesamt misst geringere Schadstoffwerte in Hessen, doch das dürfte auch an der Polarluft liegen.

Die Menschen fahren in diesen Tagen weniger Auto. Das macht die Luft besser. Die Schadstoffemissionen sinken. Das hat das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie der Frankfurter Rundschau am Freitag auf Anfrage mitgeteilt.

„Die stark reduzierten Emissionen werden sich zweifellos positiv auf die Schadstoffkonzentrationen auswirken“, sagte Stefan Jacobi, zuständig für das Dezernat für Luftreinhaltung und Immissionen. Im Moment sei es aber noch zu früh für eine endgültige Bewertung. Denn in der vorigen Woche habe es auch einen Wetterwechsel gegeben.

Derzeit richtet sich der Blick vor allem auf die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2). Die Grenzwerte wurden in vielen hessischen Städten in den vergangenen Jahren permanent überschritten, was in Darmstadt bereits zur Sperrung von zwei großen Straßen für ältere Diesel und Benziner geführt hat.

Seit die Corona-Beschränkungen verhängt wurden, Geschäfte schließen mussten und Beschäftigte ins Homeoffice wechselten, sei der Verkehr an den beiden Darmstädter Straßen um 40 bis 50 Prozent zurückgegangen, berichtete Jacobi.

Verbesserung in Frankfurt

Bei den NO2-Konzentrationen zeige sich seit 19. März ein „sehr stark ausgeprägter Rückgang“. An den ersten drei Werktagen dieser Woche beobachtete das Landesamt durchschnittliche Tagesmesswerte zwischen 17,9 und 21,8 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Eine Woche zuvor waren zwischen 42,0 und 45,5 Mikrogramm gemessen worden.

Auch an der Friedberger Landstraße in Frankfurt ließ sich diese Entwicklung beobachten. Hier lag die NO2-Belastung in den Werktagen nach Inkrafttreten der Corona-Einschnitte bei 27,7 bis 32,7 Mikrogramm nach 54,6 bis 62,3 in der Woche davor.

Das Landesamt fände es aber „unseriös“, die positive Entwicklung „alleine dem Verkehrsrückgang zuzuschreiben“. Just am 20. März, dem Freitag vor einer Woche, habe der Einfluss eines ausgeprägten Hochdruckgebiets begonnen, das frische Polarluft zugeführt habe. „Ein nicht unerheblicher Teil des Rückgangs der Konzentrationen dürfte auch diesem Umstand geschuldet sein“, urteilt Jacobi. Es bleibe abzuwarten, ob sich die geringeren Emissionen durch die Corona-Krise so stark auswirkten, dass der Grenzwert für das Jahresmittel in den betroffenen Städten eingehalten werden könne.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte vor Gericht Fahrverbote für mehrere Städte wegen permanenter Überschreitung der Grenzwerte erstritten. So war in Mainz vom 1. Juli an ein Fahrverbot für Diesel bis Euronorm 5 und für Benziner bis Euronorm 2 auf der Rheinachse vorgesehen. Angesichts der Corona-Krise verständigten sich Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) und die DUH nach Angaben beider Seiten darauf, das Fahrverbot bis 1. Oktober zu verschieben.

Für Frankfurt bleibt es dabei, dass ein neuer Luftreinhalteplan bis Ende des Jahres erstellt werden muss. Das teilte das hessische Umweltministerium auf Anfrage der FR mit. Landesregierung und die Stadt Frankfurt hätten sich auf diesen Zeitplan bei einem Gespräch in diesem Monat geeinigt, sagte eine Sprecherin von Ministerin Priska Hinz (Grüne). Ziel sei es, „die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen und gleichzeitig Fahrverbote so weit wie möglich zu verhindern“.

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