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Der Altenburgskopf im Vogelsberg.

Natur

Ausflugstipp:  Alteburgskopf im Vogelsberg

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Der Alteburgskopf im Vogelsberg ist eine beeindruckende Felsformation.

Mitten in Europas größter Vulkanregion, dem Vogelsberg, verbirgt sich im dichten Laubwald südlich des mittelhessischen Schotten eine beeindruckende Felsformation. Auf Landkarten wird die moosbewachsenen Basaltanhäufung „Alte Burg“ genannt, doch die Schottener sagen zu dem versteckten Relikt aus vergangener Zeit nur „Alteburgskopf“.

Was heute ein Geotop und Naturdenkmal in 360 Metern Höhe ist, war Schätzungen zufolge eine Befestigungsanlage in vorchristlicher Zeit. Dafür sprechen ein noch erkennbarer Ringwall und die abgeflachte Kuppe, womit die einst unbewaldete Anhöhe ein idealer Ort zur Verteidigung gewesen sein mag.

Laut Andreas Thiedmann, Bezirksarchäologe in Marburg, ist eine genaue Datierung der Anlage nicht möglich. Denn Ausgrabungen von 1953 brachten keine Funde zutage, womit aber zumindest eine Nutzung in der jüngeren vorrömischen Eisenzeit auszuschließen sei. Vermutlich wurde am Alteburgskopf daher schon in der Bronzezeit Zuflucht gesucht – also vor rund 4000 Jahren.

Überliefert ist, dass sich um 1900 die Schottener gerne zu großen Sonnwendfeiern an diesem exponierten Platz trafen. Ein in den Felsen errichtetes Fachwerkhäuschen war bis in die 1950er Jahre Anlaufstelle für ausgelassene Feste zum 1. Mai. Den wohl dazu benutzen Bierkeller fand man erst vor wenigen Jahren zwischen den Felsen, als ein Bergwachtmitarbeiter nach seltenen Pflanzen suchte. Mittlerweile ist die „Höhle“ mit einer Basaltplatte verschlossen. Dass der vier Meter hohe Raum schon in Urzeiten bestand, bestätigte sich nicht, nachdem eine Petroleumlampe darin gefunden worden war. 

Infotafel über Sage

Eine Informationstafel am heute hier vorbeiführenden Wanderweg hält auch eine Sage fest, die sich um den Alteburgskopf entspannt: Sie handelt von der „weißen Frau“, eine typische Gestalt in volkstümlichen Vogelsberger Erzählungen. In manchen Regionen wird sie als Frau Holle oder Ilse bezeichnet. Möglicherweise geht sie zurück auf die Hauptgöttin der Wanan, Freya, oder auf die Frigga, die Frau des germanischen Göttervaters Odin. Auch Parallelen zur Beherrscherin der Unterwelt, Hel, oder zu Jagd- und Waldgöttin Artemis, beide aus der griechischen Mythologie, sind möglich. Eine weitere Geschichte besagt, dass der Reichtum Frankfurts sich auf einen Schatz begründet, der mithilfe von Erdspiegeln und Wünschelruten aus dem Berg unter dem Alteburgskopf geborgen wurde.

Während die volkstümlichen Sagen um den historischen Ort in verschiedene Richtungen führen, belegt die Geologie eindeutig, dass es sich um die Abbruchkante eines Lavastroms handelt. Durch Verwitterung bildete sich eine Blockhalde aus großen Felsen. Wie hoch der Alteburgskopf einmal gewesen sein mag und aus welchem der vielen Schlote die Lava ausgeflossen sein könnte, lässt sich jedoch nicht mehr genau feststellen.

Heute bietet er seltenen Farnen, Moosen und Flechten einen Lebensraum. Der dunkelgraue und fein-mittelkörnige Alkalibasalt enthält zahlreiche Einsprengsel von Erdmantelgestein, häufig Plagioklas und Erz, dafür selten Klinopyroxene. Geotop wie Waldbestand sind heute geschützt, doch der Alteburgskopf ist frei zugänglich. Schon seit vielen, vielen Jahrtausenden.

Der Alteburgskopf liegt an der B 276 zwischen Schotten und Gedern an der früheren Linken Niddastraße. Infos unter www.geopark-vogelspark.de.

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