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Luis Kriszeleit präsentiert eine vom Borkenkäfer befallene Baumrinde.

Borkenkäfer in Oberursel

Mit der Säge gegen den Borkenkäfer

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Mehr als 1500 Fichten müssen gefällt werden. Die Trockenheit hat die Bäume geschwächt nd die Borkenkäferpopulation enorm ansteigen lassen.

Den Fichten an der Stierstädter Heide geht es nicht gut. Die Nadeln in den Kronen haben sich bei einigen Bäumen braun verfärbt, die Rinde an manchen Stämmen ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. „Das war der Specht“, sagt Luis Kriszeleit, kommissarischer Förster im Oberurseler Stadtwald. Wobei ihm der Specht an sich keine großen Sorgen bereitet. Ganz im Gegenteil zu dessen Lieblingsnahrung, dem Borkenkäfer, den die Vögel unter der Rinde herauspicken.

Wie in vielen anderen Wäldern der Republik hat die Trockenheit des vergangenen Jahres die Bäume geschwächt und die Borkenkäferpopulation enorm ansteigen lassen. Wobei in Oberursel vor allem die Arten Kupferstecher und Buchdrucker ihr Unwesen treiben. Sie hätten bereits „erhebliche Schäden im gesamten Stadtwald“ angerichtet, konstatiert der Leiter des Eigenbetriebs Bau & Service (BSO), Michael Maag. Betroffen ist in erster Linie die Fichte. Wegen der Trockenheit habe sie kein Harz bilden können, um sich gegen den Schädling zu wehren, erläuterte Luis Kriszeleit am Montag bei einem Rundgang mit Journalisten.

Aus Sicherheitsgründen und um eine weitere Ausbreitung der Borkenkäfer zu verhindern, müssten in den kommenden Wochen 1500 bis 2000 Fichten gefällt werden, teilten Kriszeleit und Maag mit. Dafür würden auch verschiedene Waldwege zeitweise gesperrt.

An einigen Stellen werde es einen „erheblichen Einschlag“ geben, kündigt Maag an. So sollen an der Emmighaushütte etwa 600 Fichten fallen, an der Stierstädter Heide immerhin noch mehr als 150. Insgesamt gebe es vier „Hotspots“, sagt Luis Kriszeleit. Die beiden weiteren befinden sich am Schulwald und westlich von Oberstedten. Auch entlang von Straßen und Wegen werde man zahlreiche kranke Fichten „entnehmen“ müssen, sagte Michael Maag – schon um zu verhindern, dass Autofahrer und Spaziergänger von herabfallenden Ästen verletzt werden.

Wenn Bäume gefällt werden, sei das für viele Menschen „ein sehr emotionales Thema“, weiß der BSO-Chef. Aber auch aus wirtschaftlichen Gründen hätte er gern auf den Einschlag verzichtet. Das große Angebot habe den Preis für Fichtenholz enorm gedrückt. Statt der üblichen 95 Euro für den Festmeter sei der Preis auf 40 Euro abgesackt. Durch eine Kooperation mit der Nachbarstadt Bad Homburg werde man aber wohl etwas mehr erzielen können, so Maag.

Wichtig sei, dass die Bäume möglichst bald gefällt würden. Denn zur Zeit seien die Borkenkäfer noch inaktiv. „Sie überwintern in den befallenen Bäumen oder im Boden“, erklärt Luis Kriszeleit. Wenn die Temperaturen ansteigen, schwärmen die Männchen aus und suchen sich neue Bäume. In der Regel gehe das im April los. Wenn sich dann noch Weibchen auf den frisch befallenen Bäumen einfinden, entstehe dort eine neue Käfergeneration. Jedes Weibchen lege 100 bis 150 Eier, erklärt der Forstingenieur. Und genau diesem Szenario wolle man vorbeugen. „Wir wollen den nächsten Ausflug der Käfer verhindern.“

Auf den Flächen, die nun abgeholzt werden, sollen auch in Zukunft wieder Bäume wachsen. „Aber auf keinen Fall mehr Fichten“, kündigt Kriszeleit an. Aktive Nachpflanzungen sind erst einmal nicht geplant. Man wolle „übernehmen, was die Natur uns gibt“. Ziel sei ein Mischwald. An der Stierstädter Heide sind jetzt schon ein paar Lärchen angewachsen. Aber auch junge Eiben, Birken, Buchen und Douglasien sind bereits zu sehen.

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