Vom Nutzen der Marktmacht

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Erstes Programm von Pro Arte unter neuer Leitung

Man muss schon sehr genau hinschauen, möchte man am neuen Saison-Programm der Frankfurter Konzertdirektion Pro Arte erkennen, dass ein neues Team für die Inhalte sorgt. Die jetzt vorgestellte Saison 2009 / 2010 mit drei Abonnementreihen und 22 Konzerten in der Alten Oper steht jedenfalls in der Pro-Arte-Tradition: Der neue Geschäftsführer Michael Herrmann und - maßgeblich für die Programmgestaltung zuständig - Evelyn Meining haben für diese erste eigene Spielzeit große Namen des Klassikmarktes im Angebot mit Werken, die jedermann kennt und mag.

So wird das Orchestre National de France mit seinem Ehrendirigenten Kurt Masur erwartet, die Staatskapelle Dresden und ihr Chef Fabio Luisi, das Gewandhausorchester Leipzig unter Riccardo Chailly und das Pittsburgh Symphony Orchestra unter Manfred Honeck. Einen Hinweis auf Veränderungen gab Herrmann selbst: Die dritte Abo-Reihe "Große Interpreten" wird statt Kammerorchestern Ensembles und vor allem Pianisten vorstellen. In der im Herbst startenden Saison sind mit Maurizio Pollini, Grigory Sokolov, Hélène Grimaud und Arcadi Volodos vier Tasten-Hochkaräter vertreten in diesem Abonnement.

Ob Enoch zu Guttenberg, Philippe Herreweghe (der Beethovens Neunte im Gepäck haben wird), Ivor Bolton oder Emanuel Ax: Viele Pro-Arte-Künstler müssen sich nicht ans neue Veranstalter-Team gewöhnen, man kennt sich ja quasi von nebenan. Herrmann ist schließlich nicht nur seit 2008 Geschäftsführer der Frankfurter Konzertdirektion, er ist auch Gründer und Intendant des Rheingau Musik Festivals. Und dort trat ohnehin schon alles auf, was Rang und Namen und Zugkraft hat.

Auch langfristig sollen Pro Arte in Frankfurt und das Sommerfestival im Rheingau getrennte Unternehmen bleiben, bestätigte Herrmann. Synergien nutzen und Reibungsverluste vermeiden, darum ging es beim Einstieg bei Pro Arte. Man kann sich schon vorstellen, wie sehr die Marktmacht gegenüber Künstleragenturen und Orchestermanagern steigt, wenn man gleichzeitig für das größte privatwirtschaftliche Musikfestival und für den hochpreisigsten Konzertanbieter einer Metropole einkauft.

Wenn dabei auch manchmal die Gagen vielleicht etwas günstiger ausfallen: Die sündhaft teuersten Projekte, etwa Konzerte mit den Wiener Philharmonikern oder den aus New York, sind dem Anbieter Pro Arte ohne zusätzliche Geldquellen nicht möglich. So denkt Herrmann schon länger darüber nach, wie er die beim Rheingau Musik Festival bewährte Sponsoringpolitik auch auf Frankfurt übertragen könnte. Das aber gestalte sich schwierig, sagte Herrmann.

Wer sich für Pro-Arte-Konzerte interessiert und die bekannte Rufnummer wählt, wird demnächst in den Rheingau umgeleitet werden. Das Büro von Pro Arte wird im Sommer ins Hauptquartier des Rheingau-Festivals nach Oestrich verlegt. Aber auch das werden die Konzertgänger nicht merken. Von der Frankfurter Konzertdirektion bleibt nur ein Postkasten in der Stadt, und natürlich die Konzerte selbst.

Das Programm kann angefordert werden unter der Rufnummer 0 69 / 9 71 24 00,

www.proarte-frankfurt.de

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