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Saalburgpreis für Stefan Ruppert

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Preisträger Stefan Ruppert (2.v. r.) und Förderpreisträger Johannes Martin Müller (r.) tragen sich ins "Goldene Buch" ein. Schneider
Preisträger Stefan Ruppert (2.v. r.) und Förderpreisträger Johannes Martin Müller (r.) tragen sich ins "Goldene Buch" ein. Schneider © Alexander Schneider

HOCHTAUNUS Auszeichnung für Verdienste um die Erforschung der Lokal- und Regionalgeschichte

Der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise und der sich zuspitzende Konflikt zwischen China und den USA - klarer ließ sich die Verpflichtung, unsere gesellschaftlichen Werte in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu verteidigen, kaum formulieren, gerade in einem Landkreis wie dem Hochtaunuskreis mit all seinen vielen, auch kulturellen Privilegien, hier leben zu dürfen: Es waren mahnende, aber auch dankbare Worte, die Stefan Ruppert am Freitagabend im Garten der Hans-Thoma-Schule in Oberursel an die Vertreter aus Politik, Kultur und Wissenschaft, darunter auch Bundesbildungs- und Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP), richtete.

Kurz zuvor war Ruppert von Landrat Ulrich Krebs (CDU) und dem Vorsitzenden des Kreistags, Renzo Sechi (FW), zum 30. Träger des 1991 erstmals verliehenen "Saalburgpreises für Geschichts- und Heimatpflege", der höchsten Auszeichnung, die der Hochtaunuskreis für kulturelle Leistungen zu vergeben hat, ausgerufen worden. Im Rahmen des betont legeren Festaktes wurde auch der Förderpreis zum Saalburgpreis vergeben. Er ging an Johannes Martin Müller (lesen Sie dazu die Box).

Mit dem Saalburgpreis werde das wissenschaftliche Wirken des 51-jährigen Ruppert auf dem Gebiet einer aktiven, reflektierten lokalen und regionalen Kulturpolitik gewürdigt, sagte Landrat Krebs.

"Außerordentlicher Glücksfall für den Kreis"

Ruppert, der als FDP-Politiker bis zu seinem Wechsel in die Wirtschaft auch politisch Spuren im Landkreis hinterlassen habe, sei mit seiner "Kompetenz als Wissenschaftler mit weitem Horizont" in kultureller, aber auch politischer Hinsicht ein "außerordentlicher Glücksfall für den Hochtaunuskreis", der die Kulturpolitik aktiv und maßgeblich begleitet und geprägt habe. Im Bereich der freiwilligen Leistungen des Kreises, zu denen die Kultur gehöre, habe Ruppert in besonderem Maße dazu beigetragen, dass "Pflicht und Freiwilligkeit" bei der Kulturpflege keiner Hierarchisierung unterworfen werde, sondern als eigenständiges Profil aktiv gestaltet werden könne.

Als Laudator konnte der langjährige Präsident der Goethe-Universität, Professor Rudolf Steinberg, gewonnen werden. Er würdigte Ruppert als Wissenschaftler auf dem Gebiet der Jurisprudenz, Politologie und Geschichte. Für seine am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte erarbeitete Dissertation zum Thema "Kirchenrecht und Kulturkampf" sei er mit der Otto-Hahn-Medaille ausgezeichnet worden.

Als Wissenschaftler habe Ruppert nicht nur im Feld der allgemeinen Rechtsgeschichte, sondern auch im Bereich der für das Kreisgebiet einschlägigen Regional- und Landesgeschichte grundlegend wichtige Publikationen vorgelegt, etwa über die Kirchenordnung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau oder über die Neuordnung im Verhältnis von Kirche und Staat nach der preußischen Annexion des Taunus 1866. In Ausübung seiner politischen Arbeit auf lokaler und regionaler Ebene, zuletzt auch als Bundestagsabgeordneter, habe sich Ruppert in besonderer Weise für Kultur, Kunst und Wissenschaft eingesetzt und das kulturelle Leben im Hochtaunuskreis damit nachhaltig mitgestaltet.

FÖRDERPREIS

Johannes Martin Müller ist mit dem Förderpreis des Saalburgpreises ausgezeichnet worden. Königsteins Stadtarchivarin Alexandra König hielt die Laudatio.

Für seine Masterarbeit "Villen und Landhäuser im Vordertaunus", die inzwischen als Buch erschienen ist, erhielt er viel Lob. Die meist noch im Originalzustand erhaltenen, eleganten Villen mit ihren Parks und vielen Nebengebäuden entstanden in spätwilhelminischer Zeit, positionierten in ihrer herausgehobenen großbürgerlichen Ausprägung die Städte am Südhang des Taunus schon damals als Teil der urbanen Region mit ihren Banken und Industriebetrieben.

Müller beantworte mit seiner Arbeit und seinem prächtig illustrierten Buch viele Fragen über das gesellschaftliche Leben in diesen Villen und Landhäusern, so König. Die Arbeit zeichne sich durch Akribie und den Ansatz aus, die Kulturlandschaft und ihre Prägung durch den Villenbau des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Ganzes zu analysieren.

Der Autor beschrieb seine Arbeit als "erstes geschichtliches Nachschlagewerk" über die urbane Ausprägung der Region des Vordertaunus um das Ende des 19. und den Anfang des 20. Jahrhunderts herum. Er plane, seine Promotion diesem Themenkreis zu widmen. as

Nach der Gründung der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung für Kunst und Kultur im Hochtaunuskreis war Ruppert von 2009 bis 2016 deren erster Kuratoriumsvorsitzender. Zudem begleitete er von 2008 bis 2017 das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Förderkreises Kreisarchiv. Er habe mit seiner Expertise und seinem Netzwerk wichtige Impulse gesetzt, so Steinberg. Mit seiner Arbeit als Mitglied des Kulturausschusses im Kulturfonds Frankfurt RheinMain von 2008 bis 2013 habe Ruppert überdies die Interessen des Hochtaunuskreises an der Entwicklung der Region im Ganzen vertreten.

In seiner Dankadresse nannte Ruppert das eine innere Haltung erfordernde bürgerschaftliche Engagement das "Lebenselixier einer freiheitlich geprägten Gesellschaft". Eine aktive Bürgergesellschaft, der er sich dank familiärer Prägung zeitlebens verbunden fühle, brauche, gerade in der "Rushhour des Lebens", die Kultur, sagte Ruppert und bekannte, dass ihn leider die Sorge, diese Werte könnten verloren gehen, umtreibe. Dabei könne man sie nicht genug würdigen und die von ihnen ausgehenden Privilegien nicht genug wertschätzen.

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