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Am Bad Homburger Bahnhof begegnen sich derzeit S5 und Taunusbahn.

Hochtaunus

In der S-Bahn über den Taunuskamm

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Die Taunusbahn-Strecke zwischen Friedrichsdorf und Usingen soll bis Ende 2022 elektrifiziert werden. Nicht alle Bürger glauben, dass das eine gute Idee ist.

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits in gut drei Jahren sollen Fahrgäste der S-Bahn-Linie 5 aus der Frankfurter Innenstadt ohne Umsteigen über den Taunuskamm bis zum Bahnhof nach Usingen gelangen können. Dazu muss die 18 Kilometer lange Teilstrecke der Taunusbahn zwischen den Bahnhöfen in Friedrichsdorf und Usingen auf Stromversorgung umgestellt werden.

Bislang hat aber noch nicht einmal das nötige Planfeststellungsverfahren begonnen. Man wolle die Unterlagen demnächst beim Regierungspräsidium in Darmstadt einreichen, teilte der Geschäftsführer des federführenden Verkehrsverbandes Hochtaunus (VHT), Frank Denfeld, nun bei einer Bürgerversammlung mit. „Wir rechnen mit dem Abschluss des Verfahrens bis Herbst 2021.“

Derzeit werden von der Taunusbahn an Werktagen 11 000 Passagiere befördert. Damit sei die Kapazität der aktuell eingesetzten Dieselzüge ausgereizt, konstatierte Thomas Busch vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). „In der Hauptverkehrszeit geht nicht mehr.“

Taunusbahn Derzeit endet die elektrifizierte Strecke der S5 in Friedrichsdorf. Wer weiter in den Taunus möchte, muss auf die Taunusbahn umsteigen, die mit Dieselzügen bis Brandoberndorf fährt.

1998übernahm der Verkehrsverband Hochtaunus die Taunusbahn, nachdem ihre Stilllegung gedroht hatte. Die Zahl der Fahrgäste lag zu Beginn bei 1500. Sie hat sich inzwischen auf 11000 erhöht. twe

Durch den S-Bahn-Ausbau könnten künftig zwischen Frankfurt und Usingen pro Tag 18 000 Menschen transportiert werden, kündigte Frank Denfeld an. Dafür soll die S 5 ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 im Halbstundentakt in den Taunus fahren. In der Hauptverkehrszeit sollen darüber hinaus weiterhin durchgehende Züge zwischen Brandoberndorf und dem Frankfurter Hauptbahnhof verkehren. Insgesamt könne man so die Kapazität während des Berufsverkehrs um 90 Prozent erhöhen. „Das ist schon ordentlich“, findet Thomas Busch.

Parallel zur Elektrifizierung sollen die bislang mit Diesel angetriebenen Taunusbahn-Züge auf Wasserstoffbetrieb umgestellt werden. „Das ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, betont Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs (CDU), der den Ausbau des Bahnbetriebs zum zentralen Thema seiner laufenden Amtszeit gemacht hat. „Der direkte Anschluss an das S-Bahn-Netz wird der Attraktivität des Usinger Landes einen enormen Schub verleihen“, ist Krebs überzeugt. „Als Wohn- und Arbeitsort rückt es noch näher an Frankfurt heran.“

Bis es so weit ist, sind aber noch umfangreiche Bauarbeiten nötig. So müssten entlang der Strecke alle 35 bis 60 Meter Oberleitungsmasten installiert werden, erklärte Frank Bongards von der Ingenieurgesellschaft Schüßler-Plan. Zwischen den Bahnhöfen Saalburg/Lochmühle und Wehrheim ist ein zweigleisiger Ausbau der Strecke vorgesehen, damit die Züge aneinander vorbei fahren können. Und auch der Bahnhof in Usingen muss umgebaut werden, er soll unter anderem eine mächtige Überführung erhalten.

Einige Besucher der Bürgerversammlung in der überfüllten Limesschule in Wehrheim befürchteten zusätzlichen Lärm. Andere sorgten sich um den Wald entlang der Bahntrasse. Wie viele Bäume für den Bau der Oberleitungen gefällt werden müssten, wollte eine Frau wissen. Das könne man nicht exakt quantifizieren, sagte Dorit Thurm von der Planungsgesellschaft Natur & Umwelt, die eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellt. Aus Sicherheitsgründen seien zehn Meter Abstand zwischen Wald und Gleis nötig.

Einige Bürger äußerten aber auch grundsätzliche Bedenken zum Ausbau der S-Bahn. Derzeit funktioniere die Taunusbahn zumindest bis Bad Homburg zuverlässig. Dagegen herrsche im Frankfurter S-Bahn-Tunnel regelmäßig Chaos, meinte einer. Ein anderer bezweifelte die Kostenkalkulation von 59 Millionen Euro. Davon entfielen nach derzeitiger Berechnung auf den VHT 19 Millionen Euro, sagte Geschäftsführer Denfeld. Den Rest erwartet er über Fördermittel vom Land.

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