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Der Regler des Hebebocks.

Bahn in Frankfurt

Die Flotte muss funktionieren

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Die Mitarbeiter der S-Bahn-Werkstatt im Frankfurter Gallusviertel sorgen dafür, dass immer genügend Züge einsatzbereit sind. 177 von 191 Fahrzeugen müssen jeden Tag bereitstehen.

Mobilität ist dann am besten, wenn man am wenigsten darüber nachdenken muss. Die halbe Million Menschen, die täglich mit der S-Bahn nach Frankfurt fahren, wollen vor allem eins: ohne Probleme von A nach B kommen.

Manchmal erschweren Oberleitungsschäden, Weichenausfälle oder Stellwerksschwierigkeiten dieses Ziel. Dafür können die Mitarbeiter der S-Bahn-Werkstatt aber nichts. Im Gegenteil: Im Frankfurter Gallusviertel arbeiten sie daran, dass S-Bahnen und Regionalzüge jeden Tag nach Plan fahren können.

Von den 191 S-Bahnen, die die Deutsche Bahn auf den neun Frankfurter Linien einsetzt, müssten jederzeit 177 Fahrzeuge einsatzbereit sein, sagt der stellvertretende Werkstattleiter Nail El Hasan. Die übrigen 14 bildeten die Reserve. Für die Reparaturen stehen in der Werkstatt 14 Gleise bereit. Gerade wuchtet eine Hebebühne einen Regionalzug in die Höhe. Bei dem Fahrzeug müssen die Achsen getauscht werden. „Wir schaffen es, einen kompletten Zug in fünf Tagen durchzuachsen“, sagt El Hasan.

Grundsätzlich seien die Mitarbeiter - darunter viele Elektriker und Schlosser, aber auch Spezialisten für Funk und Klimatechnik - für die routinemäßigen Wartungsarbeiten zuständig. So fahre eine S-Bahn alle 11 000 Kilometer beziehungsweise nach 45 Einsatztagen zur Kontrolle in die Werkstatt. Dort würden die Züge etwa auf Risse geprüft, die Räder vermessen, Bremssand nachgefüllt, Graffiti entfernt. „Was man nicht messen kann, kann man nicht beurteilten“, sagt El Hasan.

Einen schweren Unfallschaden – wenn bei einem Gewitter ein Baum auf einen Zug stürzt oder ein Reh von einem Zug gerammt wird – könnten die Mitarbeiter nicht beheben. Der beschädigte Zug müsse dann auf einer eigens bestellten Trasse in die Fahrzeuginstandhaltung der Deutschen Bahn nach Krefeld gebracht werden. Doch alle kleineren Reparaturen nähmen die Mitarbeiter in der Werkstatt vor.

Was geht am häufigsten kaputt? „Die Türen“, sagt El Hasan. Jedes Mal, wenn ein Fahrgast versuche, in letzter Sekunde in die Bahn einzusteigen, und die Hand in die sich schließende Tür halte, entstehe eine Fehlermeldung. „Die nehmen wir ernst.“ Er sei aber froh, dass die Türen nicht so rabiat zugingen wie bei der Metro in Paris. Wer dort seine Hand in die schließende Tür halte, bekomme sie eingequetscht.

In der S-Bahn-Werkstatt drohen dafür andere Gefahren. Über den Köpfen der Mitarbeiter blinkt eine Lichterkette rot. „Wie eine Weihnachtsbeleuchtung“, sagt eine Bahnsprecherin. In den Oberleitungen fließen 15 Kilovolt Strom - tödlich für jeden, der dagegen stößt. „Wir achten sehr auf die Sicherheit“, beteuert Nail El Hasan. So müsse jeder, der die Treppe hinauf zur Oberleitung steige, vorher einen Schlüssel ziehen, der die Stromversorgung abschalte. Ohne Schlüssel dürfe niemand hinauf zum Dach der Waggons.

Für die 125 Mitarbeiter der Werkstatt startet die erste Schicht morgens um 7 Uhr. Dann treffen sie sich am „Shopfloor“, einem Stand in der Werkstatt, um die Aufgaben des Tages zu besprechen. „Hier beginnt unser täglicher Dialog“, erklärt El Hasan. Der Instandhaltungsleiter teilt die Gruppen ein, sagt, was ansteht. Ein Monitor zeigt an, was bis wann zu erledigen ist.

Pro Tag würden auf diese Weise 20 bis 30 Züge überprüft und wieder auf die Strecke gebracht – und das an 365 Tagen im Jahr, wie El Hasan betont. Die Nachtschicht sei bis morgens um fünf Uhr im Einsatz, damit zur Berufsspitze ausreichend Züge zur Verfügung stünden.

Abholen können die Lokführer die überprüften Züge auf dem Gleisvorfeld - es befindet sich parallel zur Adam-Riese-Straße neben dem städtischen Grünflächenamt. Dann fahren die Züge über eine Weiche auf die Strecke - und ab in den Berufsverkehr.

Auch an neueren Techniken ist die Werkstattleitung interessiert. Das Gebäude hat eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, es gibt stromsparende LED-Beleuchtung und es wird mit Fernwärme geheizt. Jedes Jahr werden so laut El Hasan 100 000 Euro an Stromkosten gespart. „Wir bekommen auch einen Cobot“, sagt er und klingt sehr zufrieden: Demnächst fährt ein kleiner Roboter durch die Werkstatt, der Werkzeug transportieren und mechanische Arbeiten ausführen kann.

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