Kam in der Krise, geht in der Krise: Udo Münch.
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Kam in der Krise, geht in der Krise: Udo Münch.

Udo Münch

Rücktritt von Hessens Polizeichef Münch: Ein jovialer Polizist

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Als Landespolizeipräsident veränderte Udo Münch die Führungskultur der hessischen Polizei - doch jetzt muss er gehen. Von Innenminister Beuth gibt es anerkennende Worte.

Er kam in einer Krise der hessischen Polizei, und er geht wegen einer Krise der hessischen Polizei. Udo Münch, der im Oktober 64 Jahre alt wird, hat im Zuge der Affäre um rechtsextreme Bedrohungen und illegale Datenabfragen von Polizeirechnern seinen Posten als Landespolizeipräsident eingebüßt.

Zum Verhängnis wurde ihm das Versäumnis, den Innenminister über die heikle Datenabfrage im Fall der Bedrohung von Linken-Fraktionschefin Janine Wissler nicht informiert zu haben. Der umgängliche Münch war oft an der Seite von Minister Peter Beuth (CDU) zu sehen, der gerne auf die Expertise seines Spitzenpolizisten zurückgriff – während das Verhältnis des Ministers zur Chefin des Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, immer distanziert blieb.

Eingesetzt worden war der politische Beamte aber noch von Beuths Vorgänger Boris Rhein (CDU). Der hatte den früheren Landespolizeipräsidenten Norbert Nedela im Jahr 2010 rausgeworfen, nachdem sich Berichte über Mobbing, geheime Personalakten und ein unerträgliches Arbeitsklima bei der hessischen Polizei gehäuft hatten.

Münch, ein jovialer Typ mit einem unverkennbar hessischen Zungenschlag, sollte nach dem autoritär durchgreifenden Nedela für eine neue „Führungskultur“ in der Polizei sorgen, wie der frühere Innenminster Rhein sagte. Tatsächlich ist Münch in dieser Hinsicht einiges gelungen, wie zu hören ist.

Zugleich hatte Münch fachlich vieles aufzubereiten, nicht zuletzt die Verdachtsfälle von rechtsextremen Bestrebungen in der Behörde. Im Auftrag des Ministers nahm sich der politische Beamte die Fälle mehrere Jahre rückwirkend vor, ließ 70 Verdachtsfälle überprüfen und kam zu dem Schluss, dass es kein rechtsextremes Netzwerk in der hessischen Polizei gebe. Diese Einschätzung teilte der Innenminister bis zur vergangenen Woche – dann erklärte er erstmals, dass er ein solches Netzwerk nicht ausschließen könne.

Münch hat das polizeiliche Handwerkszeug von der Pike auf gelernt. Er begann vor 45 Jahren bei der hessischen Bereitschaftspolizei, diente an der hessischen Polizeischule, an der Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden und im Präsidium für Technik, wo er als kommissarischer Vizepräsident tätig war.

Gut vier Jahre lang war Münch Inspekteur der hessischen Polizei, bevor er zum Landespolizeipräsidenten berufen wurde. Nun endet seine polizeiliche Karriere vorzeitig.

Beuth blieb nichts anderes übrig, als auf Münch zu verzichten. Doch in seinen Worten machte er deutlich, dass er große Stücke auf den langjährigen Weggefährten hält. „Udo Münch ist Schutzmann mit Leib und Seele und hat sich in den vergangenen zehn Jahren als erster Polizist Hessens große Verdienste erworben“, sagte Beuth. Hessen verliere damit „einen redlichen und verbindlichen Mann an einer herausragenden Stelle, der immer zu seinem Wort stand“.

Münch übernehme übernehme damit „als oberster Polizist Verantwortung für Versäumnisse, die er nicht alleine zu vertreten hat“, formulierte der Minister – und nicht wenige werden das als Spitze gegen Thurau und das LKA verstanden haben.

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