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Ein Bild der Verwüstung gibt es nach der Sprengung eines Geldautomaten in Erlensee. 5vision media/dpa
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Ein Bild der Verwüstung gibt es nach der Sprengung eines Geldautomaten in Erlensee. 5vision media/dpa

Kriminalität

Rücksichtslose Panzerknacker in Erlensee

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Die Sprengung eines Geldautomaten in Erlensee stört die Nachtruhe und richtet einen hohen Schaden an. Täter immer professioneller. Bereits 50 Sprengung in Hessen in diesem Jahr.

Die Detonation war so gewaltig, dass einige Menschen in der Nachbarschaft fast aus dem Bett fielen. Gegen 2 Uhr am Mittwochmorgen stört eine Explosion die Nachtruhe in Erlensee. Etliche Menschen werden wach, einige von ihnen wählen den Notruf. Teils aus Ahnungslosigkeit und Sorge, teils um mitzuteilen, dass zwei junge Männer herumwehende Geldscheine einstecken und mit einem dunklen Fahrzeug, mutmaßlich einem Audi, auf die Autobahn 66 Richtung Fulda geflüchtet sind. „Es muss schon eine gewaltige Explosion gewesen sein“, fasst Thomas Leipold vom Polizeipräsidium Südosthessen den Vorfall zusammen.

Den durch die Detonation entstandenen Schaden schätzt die Polizei auf mehr als 100 000 Euro. Beschädigt wurde nicht nur der Geldautomat selbst, auf den es die Täter abgesehen hatten, sondern auch der Pavillon, in dem der Geldautomat stand, sieben Autos, und die Fensterscheibe eines benachbarten Altenheims. Die Druckwelle muss laut Leipold so stark gewesen sein, dass sogar ein Fahnenmast abknickte und ein Zaun kaputtging.

Die Tat in Erlensee ist bereits die 50. Sprengung eines Geldautomaten in Hessen in diesem Jahr. Die Sprengung in Erlensee war erfolgreich, auch wenn die Höhe der Beute noch nicht feststeht. Doch die Täter wollten offenbar auf Nummer sicher gehen.

Die Tat ist auch Ausdruck einer generellen Entwicklung: Die Täter gehen immer professioneller und rücksichtsloser vor, wie auch Georg Ungefuk von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt betont: „Wir sprechen hier nicht mehr vom Hobbybastler, sondern von organisierter Kriminalität.“ Damit sind Banden gemeint, die nicht nur Geldautomaten sprengen, sondern ihren Lebensunterhalt auch noch mit anderen Delikten wie etwa Rauschgifthandel verdienen. Und zum Sprengen nicht auf ein Gasgemisch vertrauen, sondern festen Sprengstoff verwenden.

Die Entwicklung kann das Landeskriminalamt auch mit Zahlen belegen: Von den 50 Sprengungen in diesem Jahr waren 24 erfolgreich und damit so viele wie nie zuvor. Zwar gab es 2019 insgesamt 53 Sprengungen. Von denen waren aus Sicht der Täter aber nur 15 erfolgreich.

In allen Fällen sei die Beute der Täter sehr hoch gewesen. Der professionelle Aufwand für die Banden lohnt sich also. Sie mieten teilweise im Vorfeld Wohnungen an, um nach der Tat untertauchen zu können, oder klauen für die Flucht zuvor hochmotorige Autos.

Bei den Banden werden zwei Gruppierungen unterschieden: eine Tätergruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet, von der aktuell sieben Mitglieder in Untersuchungshaft sitzen, und eine Tätergruppe aus den Niederlanden, die insgesamt noch professioneller vorgeht und sich womöglich darüber freut, dass in Deutschland noch immer so stark auf Bargeld gesetzt wird. Die Sprengungen sind übrigens kein hessisches Phänomen: In Nordrhein-Westfalen gibt es noch deutlich mehr Fälle.

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