Regionaltangente West

RTW-Pläne sorgen für Jubel und Widerstand

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
    schließen

Die Trassenführung der Regionaltangente West löst unterschiedliche Reaktionen aus: Renitenz in Neu-Isenburg, Jubel in Langen und Dreieich.

Die Wünsche zur Trassenführung der Regionaltangente West (RTW) sind im Kreis Offenbach groß: Langen kämpft dafür, an die geplante Schienenverbindung angeschlossen zu werden und hat deshalb eine Nutzungs- und Kostenuntersuchung in Auftrag gegeben, in Dreieich plädiert man am Bahnhof Buchschlag für einen Mittel- statt eines Außenbahnsteigs. Beide Wünsche könnten grundsätzlich erfüllt werden, teilt der Kreis Offenbach jetzt in einer Pressemitteilung mit. Derweil formiert sich in Neu-Isenburg der Widerstand gegen die RTW-Strecke, die mitten durch die Stadt laufen soll.

Der Kreis Offenbach und die Stadt Neu-Isenburg, beide Gesellschafter der Planungsgesellschaft zur Regionaltangente West (RTW GmbH), haben mit den betroffenen Kommunen Dreieich, Langen und Rödermark die nächsten Schritte beim RTW-Planungsabschnitt Süd 1 festgelegt. Dieser Abschnitt umfasst die Strecke von Kelsterbach über Neu-Isenburg (Bahnhof) bis nach Dreieich-Buchschlag.

Die Verlängerung der RTW bis Langen sei grundsätzlich nicht ausgeschlossen, sagte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU), sie sei aber derzeit nicht Gegenstand der Planung. Wenn die von der Stadt in Auftrag gegebene Nutzen- und Kostenuntersuchung positiv ausfalle, sollte die RTW GmbH ein ergänzendes Planverfahren betreiben.

Die Tangente soll durch das Unterführungsbauwerk in Neu-Isenburg auf die Ostseite der Schienentrasse bis zum Bahnhof Buchschlag geführt werden. Dort ist sowohl ein Außenbahnsteig als auch ein Mittelbahnsteig auf technische Machbarkeit und Kosten hin zu untersuchen. Die Trassenführung auf der Ostseite hatte die Stadt Dreieich gefordert, den Mittelbahnsteig zusätzlich noch Rödermark, Dieburg, Münster und Eppertshausen als Anrainerkommunen der Dreieichbahn. Sie erhoffen sich, dass die RTW eines Tages bis Dieburg weitergeführt wird. Deshalb sollen sie nun eine eigene Studie anfertigen lassen, die dann der RTW GmbH zur Verfügung gestellt wird.

In Neu-Isenburg dagegen werden die Gegner der RTW derzeit lauter. Zum einen hat  eine Gruppe „Wir für den Erhalt von Natur und Tier“ auf der Plattform change.org eine Petition „Stopp der RTW“ gestartet, die bisher 182 Unterstützer gefunden hat.

Zum anderen haben sich 15 Gegner rund um Jürgen Czernio organisiert und gehen mit ihren Argumenten gegen die Verlängerung der RTW ins Neubaugebiet Birkengewann jetzt an die Öffentlichkeit. „Unser Kern besteht seit über einem Jahr“, sagt Czernio. Da man im Rathaus „resistent“ sei gegen jegliche Gegenargumente, sollten nun Flyer gedruckt werden, die in Kürze in den Briefkästen der Bürger landen. Außerdem will die Gruppe eine eigene Website erstellen.

„Die Stadt stellt nur die vermeintlichen Vorteile der RTW heraus“, ärgert sich Czernio. Dabei gibt es seiner Meinung nach erhebliche Nachteile: Der Verkehr werde zusammenbrechen, denn die RTW-Züge sollen Vorrang in den Straßen bekommen, die Straßen würden durch den Bahnkörper extrem eingeengt, an der Stadt blieben die Kosten für den Bau eines Parkhauses hängen, das noch zusätzlichen Verkehr in die Stadt hineinziehe.

Mit den Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr, die für die Verlängerung der RTW herangezogen werden, ist Czernio nicht einverstanden. „Heute Morgen saß in der Schnellbuslinie X17 ein Fahrgast, tagsüber sind die Busse oft komplett leer.“ Die Passagierzahlen könnten mit den vorhandenen Bussen problemlos bewältigt werden. „Wenn nicht, kann man Shuttlebusse dazunehmen.“ Die Stadt plane am Bedarf vorbei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare