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Die Container am Wilhelmsplatz waren überfüllt.
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Die Container am Wilhelmsplatz waren überfüllt.

Neu-Isenburg

Rotes Kreuz wird der Altkleiderberge in Neu-Isenburg nicht mehr Herr

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Wegen ständiger Überfüllung werden nun zwei Altkleidercontainer abgezogen. Die Hilfsorganisation hat das Problem aber nicht nur in Neu-Isenburg, sondern kreisweit.

Mehrmals in der Woche das gleiche Bild am Wilhelmsplatz in Neu-Isenburg: Die beiden Altkleidercontainer des Roten Kreuzes quellen über, Kleidung und zum Teil auch Müll verteilt sich rundherum. Vor einer Woche blieb der Hilfsorganisation nichts anderes übrig, als die Stahlbehälter dort abzuziehen. Das Problem ist aber kein alleiniges Neu-Isenburger Problem: Beim Offenbacher Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gehen fast täglich Beschwerden über „übergelaufene“ Altkleidercontainer ein. „Zum Teil sogar mit Fotos“, so Patric Dietzel, Teamleiter Soziale Dienste beim DRK-Kreisverband.

Normalerweise lässt der DRK-Kreisverband die Altkleidercontainer einmal pro Woche von der Firma Knebel Textilrecycling aus Attendorf im Sauerland abfahren. Die Gefäße haben eine Telemetrie eingebaut, die meldet, wenn sie voll sind. Den Standort Wilhelmsplatz habe das Unternehmen sogar zwei- bis dreimal pro Woche angefahren, sagt Jonas Eisenhauer, kommissarischer Bereitschaftsleiter beim DRK-Ortsverein Neu-Isenburg. Trotzdem reichte das nicht. Sein Erklärungsversuch: „Die Leute wissen, dass wir sammeln und unseren Standort um die Ecke haben. Außerdem stehen die Container hier am offensichtlichsten.“ Viele Bürger wollten auch ihre ausgediente Winterkleidung los werden.

Altkleidersammlung in Zahlen

Zehn Standorte mit elf Altkleidercontainern hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Neu-Isenburg. Jetzt sind es noch neun Container.

Neben dem DRK sammeln auch die Malteser und ein privater Dienstleister in der Stadt.

Zwei Kubikmeter fasst ein Container. Das Altkleideraufkommen lag beim DRK-Ortsverein Neu-Isenburg im März bei 3,2 Tonnen, im April bei 2,32 und im Mai bei 3,91 Tonnen.

Für das Kilo gab es bisher laut DRK-Kreisverband 14 Cent von den Verwertern, seit Januar sind die Preise wegen des Überangebots auf fünf bis sechs Cent abgerutscht. ann

Die Säcke mit den Gebrauchtklamotten sind vor oder neben dem überfüllten Container gelandet, wurden teilweise geöffnet und verschandelten das Stadtbild. Nach dem Anruf erboster Bürger beim Ordnungsamt kam hin und wieder auch der Müllwagen des Dienstleistungsbetriebs und ließ die verdreckte und durchnässte Kleidung in den normalen Hausmüll wandern. So gingen dem Roten Kreuz Einnahmen verloren.

Der Ortsverein führt aktuell Gespräche mit dem Discounter Lidl, ob die zwei abgezogenen Container auf dem dortigen Parkplatz aufgestellt werden können.

Kleidung in Containern größtenteils nicht verwertbar

„Gesammelte Kleidung wird in verwertbar und nicht verwertbar sortiert“, erklärt Patric Dietzel. Gutes wandert in die Kleiderläden und wird dort von Ehrenamtlichen als Secondhandware verkauft, oder sie geht in die Kleiderkammern, wo sich Menschen mit Sozialschein kostenlos mit Kleidung eindecken können. Fünf Prozent werden in zentralen Katastrophenschutzlagern bereitgehalten. Was nicht verwertbar ist, wird geschreddert und zu Autositzbezügen, Fußmatten und Putzlappen verarbeitet, aber auch zu Papier recycelt. Produkte mit niedriger Qualität – Gisela Prellwitz, Pressesprecherin des DRK-Landesverbands, nennt das „Fast fashion“ – werden ebenfalls zur Weiterverwertung verkauft. „Was in die Container eingeworfen wird, ist zu 80 bis 90 Prozent nicht mehr verwertbar“, sagt Dietzel. Das Geld aus dem Recycling geht an die Ortsvereine des DRK, die damit finanziert werden. Die Einnahmen aus den Kleiderläden fließen in soziale Projekte und in die Miete.

Die Situation sei für das Rote Kreuz in den vergangenen Monaten schwierig gewesen, sagt Gisela Prellwitz. „In der Pandemie haben viele Menschen ihre Kleiderschränke ausgeräumt.“ Gleichzeitig seien die DRK-Kleiderläden im Lockdown geschlossen worden, weil viele Mitarbeiter zur Risikogruppe gehörten. Erst seit drei Wochen sind sie wieder geöffnet. Die Altkleidercontainer mussten öfter geleert werden, andere Anbieter hätten ihre Container wegen des hohen Aufkommens sogar zugesperrt. Zum Teil mussten die Altkleidermengen in größeren Lagerräumen untergebracht werden.

Nicht nur die Altkleidercontainer des DRK am Wilhelmsplatz in Neu-Isenburg sind in den vergangenen Monaten ständig übergelaufen.

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