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Mit schwerem Gerät wird das Auto aufgeschnitten.

Weiterstadt

Die Panik muss echt wirken

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Bei der Katastrophenübung des Landkreises Darmstadt-Dieburg machen über 150 Retter mit.

Kurz nach 8 Uhr wird mit einem Gabelstapler das Unfallauto aufgestellt, gegen 8.45 Uhr kommt der Linienbus mit den Darstellern. Denn auf der Arheilger Straße nahe des Umspannwerks haben am Samstag rund 150 Rettungskräfte aus dem Landkreis den Ernstfall geprobt.

„Zweimal im Jahr gibt es Großübungen für die Einsatzkräfte“, sagt Marcus Bauer, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Darmstadt-Dieburg. Rund sechs Stunden soll die Übung für die Weiterstädter Feuerwehr, das Rote Kreuz und die Johanniter dauern. Das Szenario: Eine Linienbusfahrerin wurde von zwei Betrunkenen abgelenkt und fuhr mit dem vollbesetzten Bus in ein entgegenkommendes Fahrzeug. Beide Insassen des Pkw sind eingeklemmt, mehrere Fahrgäste teils schwer verletzt. Da alle Krankenhäuser der Region überfüllt sind, müssen vor Ort Behandlungszelte errichtet werden.

Kurz bevor die Übung startet, gibt Katharina Hessler, die sich um die knapp 40 Darsteller kümmert, letzte Anweisungen. „Du schreist los, sobald sie dich anfassen“, schärft sie einer Teilnehmerin ein. Die Darsteller stammen von Feuerwehren der Region, sie sollen sich möglichst realitätsnah verhalten. Manche panisch, andere widerspenstig. Nur so entstehe genug Stress bei den Rettern, um unter annähernd realistischen Bedingungen zu üben, sagt Hessler.

Als der erste Einsatzwagen sich nähert, geht es los: Einige Darsteller schreien los, andere flüchten aus dem Bus und irren orientierungslos durch die Gegend. Ein wahres Durcheinander, auf das die beiden Feuerwehrleute treffen. „Auch wenn es herzlos ausschauen mag, sie müssen an den Verletzten vorbei und sich erst einmal einen Überblick über die Lage verschaffen“, sagt Bauer. Einsatzleiter Tom Gärtner koordiniert die Rettung: Stromkabel für hydraulische Schere und Spreizer werden verlegt, die Verletzten nach der Schwere ihrer Verletzung eingeteilt.

Während das Auto aufgeschnitten wird, um die zwei eingeklemmten Personen zu befreien, kümmern sich weitere Feuerwehrleute um ein entflohenes Opfer. Die soll eine Autistin darstellen, die sich in dem Trubel in ein Spargelfeld geflüchtet hat und kaum ansprechbar ist. Ein anderer Darsteller „kollabiert“ wie abgesprochen kurz nach seiner Rettung aus dem Auto und liegt mit Krämpfen auf dem Boden. Dass knapp hundert Meter entfernt von dem Unfallszenario schon Zelte auf der Straße aufgebaut werden, fällt kaum auf. In diesen sollen die Darsteller „behandelt“ werden.

„Dazu gehört auch, dass sie teils entkleidet werden, um nach Verletzungen zu suchen“, sagt Hessler. Sie selbst hat auch eine geschminkte Verletzung – aber unter ihrer Kleidung verborgen. Nur wenn genau gesucht wird, können die Retter herausfinden, weshalb sie einen Kollaps simuliert.

Ein wichtiger Punkt der Übung sei die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Dienste, sagt der stellvertretende Kreisbrandinspektor Matthias Maurer-Hardt. Mit dem Ergebnis der Übung zeigt sich auch Kreisbrandinspektor Heiko Schecker zufrieden, vertieft werden solle aber in den nächsten Wochen noch die Patientenübergabe.

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