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Rote Knöpfe und tönende Bäume

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Von: Meike Kolodziejczyk

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Dieser Wasserschildkröte können die Allerkleinsten im Stück „Am Meeresgrund“ des französischen Collectif begegnen. Céline Lecomte
Dieser Wasserschildkröte können die Allerkleinsten im Stück „Am Meeresgrund“ des französischen Collectif begegnen. Céline Lecomte © Céline Lecomte

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause kehrt das Kinder- und Jugend-Theaterfestival „Starke Stücke“ zurück auf die Bühnen der Region – diemal mit einem Tanzschwerpunkt

Sie alle sind froh und glücklich, „dass das Festival endlich wieder auf die Bühne kommt“: Das vierköpfige Leitungsteam der „Starken Stücke“ kann es gar nicht oft genug betonen, als es am Donnerstag das Programm der 28. Ausgabe vorstellt – das allerdings noch via Onlinekonferenz. „Die vergangenen zwei Jahre waren nicht einfach“, sagt Nadja Blickle.

Als Mitte März 2020 Corona den ersten Lockdown erforderte, musste das seit 1994 veranstaltete „Internationale Theaterfestival für junges Publikum Rhein-Main“ kurz vor knapp abgesagt werden, 2021 gab es eine rein digitale Version sowie eine kleine Open-Air-Ausgabe im Sommer. Nach dieser Zeit müsse es „jetzt erst recht“ wieder Kunst und Kultur für Kinder und Jugendliche geben. Und das wird es. Fast zwei Wochen lang, vom 17. bis 28. März, trabt das unverkennbare Maskottchen der „Starken Stücke“, das pinke Nashorn, wieder durch die Region, von Friedberg bis Darmstadt, von Hofheim bis Aschaffenburg. 123 Vorstellungen an 29 Spielorten in 16 Städten stehen auf dem Programm, aus neun Ländern kommen die Stücke. Zum Beispiel „Vies de Paier“ („Papierleben“), des französischen Kollektivs „La bande passante“, das anhand eines auf dem Flohmarkt entdeckten Fotoalbums den Prozess zeigt, „der die Vergangenheit zur Erinnerung macht“.

Das Festival

„Starke Stücke – 28. Internationales Theaterfestival für junges Publikum“ zeigt vom 17. bis 28. März mehr als 100 Vorstellungen an fast 30 Spielorten in der Region, vom Tanz-, Objekt- und Erzähltheater bis hin zu akrobatischen Stücken und Klanginstallationen.

Weil gelockerte Corona-Regeln heute, 4. März, in Kraft treten und in vielen Theatern fortan 3G gilt, sollten Tickets jeweils beim Veranstaltungsort gekauft werden, auch wegen der unterschiedlichen Platzkapazitäten. Neu auf der Festival-Homepage sind Buttons, die direkt dorthin verlinken. myk

www.starke-stuecke.net

Oder „Ein Wald voller Klänge“, ebenfalls aus Frankreich: Zwei Musiker entführen ihr Publikum in einen Wald, in dem sich jeder Baum in ein Instrument verwandelt. Das Projekt stehe für die Entwicklung, die sich während der Pandemie verstärkt habe und „Theater raus aus den Häusern in den öffentlichen Raum verlagert hat“, sagt Susanne Freiling vom Theaterhaus Frankfurt.

21 Inszenierungen sind eingeladen, „dazu kommen sechs Heimspiele, also Produktionen hier aus der Gegend“, sagt Projektleiterin Marina Andrée. Es seien wieder Stücke für alle Altersgruppen dabei, „für die Allerkleinsten, die Ein- bis Zweijährigen“, sogar sechs an der Zahl. Für dieses Alter eigne sich gerade Tanztheater, weil da „eine sehr universelle Sprache“ genutzt werde, in „Impulz“ des belgischen Theaters „De Spiegel“, eine Installation mit Musik und roten Knöpfen, in der schon Einjährige mitwirken können – so sie wollen.

Überhaupt hätten die „Starken Stücke“ in diesem Jahr einen „Tanzschwerpunkt, was in der Planung gar nicht so beabsichtigt war“, sagt Detlef Köhler, künstlerischer Berater und Festivalleiter. Selbige habe sich ohnehin etwas anders gestaltet als gewohnt. Um Stücke auszuwählen, sei das Team wegen Corona wenig unterwegs gewesen, „Live-Sichtungen haben sich in Grenzen gehalten“. Dass trotzdem eine „riesige Entdeckungsreise durch Europa und sämtliche Genres“ entstehen konnte, sei der Kontinuität und den Kontakten zu verdanken, sagt Köhler. „Unser Anspruch ist es, Kunst für Kinder zu machen.“

In diesem Jahr nimmt das Frankfurter Zoogesellschaftshaus eine zentrale Rolle ein und wird fast durchgängig bespielt, unter anderem vom norwegischen Panta-Rei-Danseteater. Dessen Performance „Moving Solos“ nutzt die Architektur des Gebäudes und bringt die Gäste zu einem interaktiven Finale zusammen. Was es definitiv nicht geben wird, sind hybride oder komplett digitale Angebote. „Wir haben uns ganz bewusst entschieden“, spricht Marina Andrée für das gesamte Team, „nur live und in Farbe und in echt vor Ort zu sein“.

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