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Rolf Geyer hat jüngst das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Steinbach

Einsatz über den Wolken

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Rolf Geyer ist Mitbegründer des Vereins „Luftfahrt ohne Grenzen“ und hat für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Das Ehrenamt ist für Rolf Geyer fast ein Fulltime-Job. „Ich bin ein Rentner mit Terminkalender“, sagt der 81-Jährige und lacht. 30 bis 40 Stunden habe er pro Woche fest für seine diversen unentgeltlichen Aktivitäten verplant, rechnet er vor – ob für das Rote Kreuz, die Evangelische St. Georgsgemeinde in seinem Wohnort Steinbach oder die Hilfsorganisation „Luftfahrt ohne Grenzen“ (LOG), die Geyer 2003 mitgegründet hat.

Auf sie konzentriert sich der Großteil seines Engagements. An drei Wochentagen sei er mindestens im Büro in der Cargo-City Süd am Frankfurter Flughafen. „Manchmal auch an vier.“ Rolf Geyer kümmert sich dabei vorwiegend um die Finanzen des Vereins, der weltweit Hilfe nach Natur- und humanitären Katastrophen leistet, sich aber auch um den Transport medizinischer Notfälle nach Deutschland kümmert.

„Wir sind eine Nischenorganisation, die sehr schnell reagieren kann“, sagt Geyer. Einen eigenen Flieger hat „Luftfahrt ohne Grenzen“ zwar nicht. Dafür aber beste Kontakte zu den am Frankfurter Airport ansässigen Fluggesellschaften. So sei es auch möglich, „einen guten Preis“ für die Transporte auszuhandeln, sagt Rolf Geyer. Nach dem Tsunami in Südostasien 2004 habe eine Fluggesellschaft die Hilfsgüter sogar kostenlos mitgenommen, genauso wie während einer Cholera-Epidemie in Haiti.

In jüngster Zeit hat sich die Organisation unter anderem um Hurrikan-Opfer in Puerto Rico und Kinder im nordirakischen Mossul gekümmert. Um zu garantieren, dass die Transporte auch da ankommen, wo sie hinsollen, sei immer ein Mitglied von „Luftfahrt ohne Grenzen“ mit an Bord. Er selbst halte sich dabei allerdings zurück, räumt Rolf Geyer ein. Früher sei er viel geflogen, doch nach einer kritischen Erfahrung bleibe er inzwischen lieber am Boden.

Der Verein „Luftfahrt ohne Grenzen“ist 2003 auf Initiative des Journalisten Frank Franke entstanden. Franke ist bis heute Präsident und bildet mit Vize-Präsidentin Marie-Luise Thüne den geschäftsführenden Vorstand

Der Vereinleistet Hilfe nach Natur- und humanitären Katastrophen – ob für Kinder in Mossul oder verfolgte Rohingya in Bangladesh. Außerdem sorgt der Verein für den Transport von Menschen mit medizinischen Notfälle aus aller Welt nach Deutschland.

www.luftfahrtohnegrenzen.de

Aber auch dort gibt es reichlich zu tun. Immerhin habe die Organisation in den 15 Jahren ihres Bestehens Hilfsgüter im Wert von mehr als 100 Millionen Euro von Frankfurt aus in Krisengebiete geflogen, rechnet Geyer vor. Man habe immer darauf geachtet, die Verwaltungskosten so gering wie möglich zu halten. Auf lediglich zehn bis 15 Prozent taxiert Geyer deren Anteil am Spendenvolumen. Was nur möglich sei, weil bis auf einen Angestellten alle anderen Helfer ehrenamtlich tätig seien.

So packt auch der 81-Jährige immer noch mit an, wenn es gilt, Hilfsgüter zu sortieren und zu verladen. Wobei ein Großteil aus Sachspenden namhafter deutscher Unternehmen besteht – von Medizin über Kindernahrung bis hin zu Sportartikeln. „Wir haben uns einen guten Ruf in der deutschen Wirtschaft erarbeitet“, sagt Rolf Geyer, der in seinem Berufsleben Filialleiter bei der Frankfurter Sparkasse war.

Wichtig sei auch die enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen vor Ort wie dem Roten Kreuz oder dem Roten Halbmond. Mit ihnen kläre man vorab, was am dringendsten benötigt werde, sagt Geyer. Und sie sorgten wiederum dafür, dass die Hilfsgüter möglichst rasch zu den Menschen in Not kommen. „Sonst steht das Zeug am Ende sinnlos am Flughafen herum.“

Für sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement ist Rolf Geyer jüngst mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden. Dabei lobte ihn Steinbachs Erster Stadtrat Lars Knobloch (FDP) als „Leuchtturm unserer Stadtgesellschaft“, und der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), hob hervor, dass Geyer „immer mit großer Bescheidenheit im Hintergrund“ agiert habe.

Vor zwei Jahren war Rolf Geyer bereits mit der silbernen Ehrennadel der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie der Verdienstmedaille der Stadt Steinbach ausgezeichnet worden. Ans Aufhören denkt Rolf Geyer aber noch lange nicht. „Mir macht es Freude, Menschen zu helfen, denen es schlechter geht“, beschreibt er seine Motivation. Solange die Gesundheit mitspiele, werde er sein Engagement fortsetzen.

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