Ferienstimmung kam hier vor 2000 Jahren nicht auf. Peter Jülich
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Ferienstimmung kam hier vor 2000 Jahren nicht auf. 

Saalburg

Im Römerkastell Saalburg weiß man, wie der antike Sommer aussah

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
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Eine Führung beschäftigt sich mit der römischen Badekultur. Viel Zeit blieb für solche Späße aber nicht.

Der Sommer war hart, Ferienstimmung kam keine auf in der Antike, im Gegenteil. „Es wurde gearbeitet, gearbeitet und noch mal gearbeitet“, fasst es Carsten Amrhein, Direktor des Römerkastells Saalburg, zusammen. Wenn es warm und lange hell war, mussten Felder beackert und Ziegel hergestellt werden. „Und wenn die römischen Soldaten in den Krieg zogen, dann geschah das ebenfalls im Sommer.“ Auch die Kinder hatten wenig Spaß in der heißen Jahreszeit. Sobald sie alt genug waren, mussten sie auf dem Feld, im Hof und in der Küche helfen. „Alles, was zu tun war, erledigten die Menschen damals in diesen Monaten.“

Wie sie das anstellten und was dabei herauskam, können die Menschen heute in dem Archäologischen Park auf dem Saalburgpass im Taunus bestaunen, wo römische Truppen Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus ein Kohortenkastell errichteten. Unter Kaiser Wilhelm II. wurde die Anlage wieder aufgebaut und bietet seitdem ein anschauliches Bild vom Alltag und Leben am Limes.

Aktuell läuft die Sonderausstellung „Hammer! Handwerken wie Kelten und Römer“, die Ende Juni eröffnet hat. Mit großformatigen Zeichnungen im Comicstil, vielen Filmen und Elementen zum Ausprobieren richtet sich die Ausstellung vor allem an ein junges Publikum. „Doch sie ist auch etwas für Männer, die jetzt ständig in den Baumarkt rennen“, sagt Amrhein. Faszinierend sei, dass viele unserer Werkzeuge und Handwerkstechniken schon in der Antike entwickelt worden seien. „Ein Hobel sah damals schon genauso aus wie heute.“ Schmuckstück der Schau ist die einzige Hobelbank, die nach Angaben des promovierten Archäologen aus der Antike erhalten ist. Sie sei auf dem Saalburg-Gelände in einem alten Brunnen gefunden worden. Wie die Hobelbank stammen die meisten Exponate und Materialien aus den Magazinen des Museums. Andere sind ausgeliehen, etwa von der „Keltenwelt am Glauberg“.

Wegen Corona sei in diesem Jahr natürlich „alles anders“, sagt der Direktor. Zwar sei die Saalburg wieder täglich geöffnet, doch es gelte in den Räumen wie auf dem Außengelände ein entsprechendes Hygienekonzept. Führungen gibt es derzeit nur selten und eingeschränkt für maximal 15 Teilnehmer. Zum Beispiel am Samstag, 18. Juli, zum Thema „Römische Badekultur“. Baden diente in der Antike zwar nicht nur der Reinigung, sondern auch dem Wohlbefinden, war aber ebenfalls kein Sommervergnügen, auch nicht in der restaurierten Anlage vor dem Kastelltor der Saalburg. „Wenn die Römer schwimmen wollten, sprangen sie in einen Fluss“, sagt Amrhein. „In den Main vielleicht oder in die Nidda.“

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