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Seit Weihnachten ist Bürgermeister Roland Kern schon damit beschäftigt, seine Aktenberge zu sortieren.

Rödermark

Rödermark: Bürgermeister Roland Kern packt die Kisten

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Nach 14 Jahren scheidet Bürgermeister Roland Kern am 30. Juni aus dem Amt – und will wieder als Anwalt arbeiten.

Er sei im Abschiedsstress, sagt Rödermarks Bürgermeister Roland Kern (Andere Liste/Grüne). Das Amtszimmer im Rathaus Ober-Roden will für seinen Nachfolger ausgeräumt werden – eine Arbeit, die dem 71-Jährigen nicht gerade leicht von der Hand geht. Schließlich hat sich in mehr als 14 Jahren als Stadtoberhaupt einiges in den Schränken angesammelt. Wenn man dann wie er jedes Blatt nochmals einzeln in die Hand nimmt und so Ereignisse in Gedanken Revue passieren lässt, ist es mit ein paar Tagen für das Kistenpacken nicht getan. Schon seit Weihnachten versuche er, klar Schiff zu machen, sagt Kern; über Pfingsten sei er sogar „rund um die Uhr“ zum Ausräumen im Rathaus gewesen.

„Das ist alles ganz schön stressig, ich bin sehr, sehr angespannt“, sagt der studierte Jurist, der am 30. Juni offiziell aus dem Bürgermeisteramt ausscheidet. Das liegt nicht nur an den Aufräumarbeiten, sondern auch an den vielen Terminen, die sich gerade gewaltig ballen. „Vor der Sommerpause meinen die Leute jedes Jahr, danach besteht die Welt nicht mehr.“ Ein bisschen liegt es aber auch an ihm selbst. „Ich will alles perfekt machen. Das macht mir das Leben schwer“, lautet seine Selbsterkenntnis. Fehler ärgern ihn schlichtweg. Deshalb habe er auch immer zu sich selbst gesagt: „Gut, dass du das machst und nicht jemand anders.“

Roland Kern war in seiner Amtszeit ein Arbeitstier

Dass Kern in seiner Amtszeit ein „Arbeitstier“ war, beweist sein Urlaubskalender: Es gab kein einziges Jahr, in dem er seinen Urlaub voll ausschöpfte. Auch für „die Zeit danach“ sei noch nichts geplant. Jetzt reisen? „Ich will mal nach Hause reisen“, sagt er. Vielleicht gehe es im September mit dem Enkel auf einen Bauernhof im Odenwald. „Ich sehne mich nach Langeweile.“

Auch wenn er behauptet, schwer ausgepowert zu sein, weil das Regieren über all die Jahre nicht einfach war – das politische Agieren ging dem studierten Juristen leicht von der Hand. Die breite Mehrheit von AL/Grünen und CDU in der Stadtverordnetenversammlung war da sicher hilfreich. Und: „Das Amt lag mir irgendwie.“ Da kam nämlich seine größte Stärke zum Tragen: Kern konnte sich in andere Positionen hineindenken, konnte mit widerstreitenden Akteuren so reden, dass man auch in schwierigen Angelegenheiten zu Ergebnissen kam.

Es habe Sinn gemacht, erst jetzt in den Ruhestand zu gehen und 25 Monate an seine zweite Amtszeit anzuhängen, sagt er rückblickend. So konnte er noch einige Projekte abschließen, die ihm am Herzen lagen. „Gerade in den vergangenen zwei Jahren konnte ich noch Ernte einfahren“, sagt er, und nennt beispielsweise das Wohnprojekt Odenwaldstraße. Außerdem: „Ich weiß nicht, ob die Koalition aus AL/Grünen und CDU heute noch bestehen würde, wenn nicht ich, sondern Carsten Helfmann vor zwei Jahren gewählt worden wäre. Das stand damals doch sehr auf der Kippe.“ Der CDU-Bewerber aus der Nachbargemeinde Eppertshausen war Kern im Frühjahr 2017 in einem Wahlkrimi nur knapp unterlegen.

Rödermärker haben Roland Kern viel zu verdanken

Die Rödermärker haben Kern in seinen 14 Jahren an der Spitze vieles zu verdanken – angefangen vom Franziskushaus mit Demenz-WG über die Weidenkirche, die Renaturierung der Rodau und den Wochenmarkt bis hin zu den Quartiers- und Stadtteilgruppen. „Als ich eine Aufstellung gemacht habe, war ich selbst überrascht, wie lang die Liste ist“, sagt er. Trotzdem sieht er seine Leistung nicht unkritisch: Er hätte gerne schnellere Ergebnisse bei der Verkehrsentlastung von Urberach erzielt, sagt er. Auch der Radweg nach Messel und Darmstadt blieb für ihn eine Wunschvorstellung.

Er werde jetzt „mal zehn Jahre Pause machen von allen politischen Ämtern“, sagt er lachend, werde aber weiter aktiver Bürger bleiben – etwa im Nachbarschaftsrat Park am Entenweiher.

Vielleicht sieht man ihn ja bald vor Gericht wieder. Am 1. Juli lebt seine Anwaltschaft wieder auf, die während seiner Bürgermeisterzeit nur geruht hat. „Meine Robe ist noch da, die habe ich nicht in die Altkleidersammlung gegeben“, sagt er. „Ich will nicht ausschließen, dass ich das eine oder andere Mandat übernehme.“

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