KO_Laubabwurf1_171120
+
Die Platanen vor ihrem Grundstück werfen Gerlinde Kunkel zu viel Laub ab.

Rödermark

Ärger über zu viel Laub von städtischen Bäumen

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
    schließen

Eine Bürgerin will der Stadt Rödermark den Arbeitsaufwand auf ihrem Grundstück in Rechnung stellen, weil die städtischen Bäume zu viel Laub und Samen abwerfen.

Gerlinde Kunkel aus Rödermark ärgert sich über das viele Laub, das derzeit auf ihr großes Grundstück fällt. Ihrer Aussage nach stammt es von drei 15 Meter hohen Platanen und einem Ahorn, die jenseits ihrer Grundstücksmauer auf einem städtischen Grünstreifen am Breidertring stehen. Die Rentnerin hat der Stadt deshalb eine Rechnung aufgemacht, was es sie kosten würde, das Laub der Platanen und die Samen des Ahorns auf ihrem Grundstück zu beseitigen. Auch die Dachrinnenreinigung hat sie in ihrer Kostenrechnung berücksichtigt.

Akribisch hat die 72-Jährige in einem Schreiben an Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) den Mehraufwand aufgelistet, der ihr auf ihrem 850 Quadratmeter großen Grundstück durch Laub- und Samenabwurf der vier stattlichen städtischen Bäume entsteht. Aufgrund ihres Alters und ihrer Gesundheit könne sie diese Mehrarbeit nicht mehr leisten. Kunkel setzt 105 Stunden für die Beseitigung und den Abtransport des Laubs der drei Platanen an, 140 Stunden für das Entfernen der Ahornsamen nach jedem Wind sowie zehn Stunden für das Entfernen des verrotteten Laubs auf ihrer Grundstücksmauer. So kommt sie für sich auf 255 Stunden Mehrarbeit. Das mache bei einem Stundensatz von 30 Euro insgesamt 7650 Euro. Da ihrer Meinung nach auch die Dachrinnen wegen der Ahornsamen gereinigt werden müssen, kalkuliert sie weitere 2000 Euro für ein Gerüst auf der Vorder- und Hinterseite ihres Hauses. Macht summa summarum knapp 10 000 Euro.

Gesetzliche Grundlage

Die Laubrente ist ein jährlicher Geldbetrag, den derjenige erhalten kann, der einen unzumutbar hohen Aufwand für die Beseitigung des Laubs von einem Nachbargrundstück hat. Grundsätzlich ist das Entfernen von Laub aber zumutbar. Als Teil der ortsüblichen Bepflanzung müsse Laub von Bäumen des Nachbargrundstücks generell hingenommen werden, heißt es bei den „Streitlotsen“ im Internet. In Rödermark gibt es übrigens eine Straßenreinigungssatzung, die besagt, dass Bürger samstags die Gehwege vor ihrem Anwesen kehren müssen – bei Plätzen sogar noch einen vier Meter breiten Streifen.

Kunkel bezieht sich in ihrem Brief an den Bürgermeister auf die Laubrente als gesetzliche Grundlage, die greife, wenn ein stark erhöhter Reinigungsaufwand vonnöten ist. Der Eigentümer des Grundstücks, von dem das Laub stammt, sei demnach verpflichtet, dem betroffenen Nachbarn eine jährliche Entschädigung zukommen zu lassen. Sie könne eine Musterklage in Erwägung ziehen, schreibt sie, wolle es „aber eigentlich nicht so weit kommen lassen“. Trotzdem droht sie, die Kosten für die Dachrinnenreinigung mit Gerüst und ihren Mehraufwand an Gartenpflege von Mitte November bis Ende Januar in Rechnung zu stellen, falls der Ahorn in diesem Jahr nicht mehr beschnitten werde. Sie bittet auch darum, schriftlich zu verankern, dass die drei Platanen und der dahinterstehende Ahorn jährlich bis spätestens Mitte September zurückschnitten werden „und nicht wie in der Vergangenheit erst Ende November“. Und sie behauptet, die drei Platanen hielten den Mindestabstand zu ihrem Grundstück nicht ein.

Nach Rücksprache mit der Fachabteilung widerspricht der städtische Pressesprecher Heiko Friedrich dieser Behauptung. Der übliche Mindestabstand werde eingehalten, sagt er. „Für eine Kommune gelten nicht die gleichen Abstände wie für Private.“ Weder im Nachbarrechtsgesetz noch in der Bauordnung gebe es entsprechende Vorschriften.

Die Bäume würden in Rödermark alle zwei Jahre zurückgeschnitten. Eine Fachfirma habe an die drei Platanen bereits im September Hand angelegt, an den Ahorn – übrigens einer von 250 Ahornbäumen am Breidertring – allerdings noch nicht. Es sei deswegen aber keine Gefahr im Verzug. „Wir haben Frau Kunkel in den vergangenen Jahren nicht im Stich gelassen“, sagt der Bürgermeister und spricht von einem „regen Schriftverkehr“ der Fachabteilung mit ihr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare