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Spurensuche nach der Schießerei am Friedrich-Stoltze-Platz im Mai.
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Spurensuche nach der Schießerei am Friedrich-Stoltze-Platz im Mai.

Tod eines Hells-Angels-Bosses

Rocker-Kampf um Macht und Geld

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Seit Jahren gibt es Auseinandersetzungen zwischen Hells Angels aus Frankfurt und Gießen. Ob der Gießener Rocker-Chef aber Opfer des Frankfurter Charters geworden ist, ist bisher nur Theorie.

Die Überschrift war in den vergangenen Jahren oft zu lesen – nicht nur in den Boulevardmedien: „Rockerkrieg eskaliert“. Zunächst eskalierte der Rockerkrieg, als vor dem Katana-Club im Frankfurter Bankenviertel Schüsse fielen und fünf Hells Angels aus Mittelhessen schwere Verletzungen erlitten. Dann eskalierte der Rockerkrieg, als zwei Männer quer über den Friedrich-Stoltze-Platz schossen und zwei Rocker in einem Geländewagen trafen. Und nun wurde der Präsident der Gießener Hells Angels, Clubhaus der Rocker aufgefunden. Ist der Rockerkrieg also vollends eskaliert? Für diese Bewertung ist es zu früh. Noch haben Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt keine Hinweise auf ein Motiv. Sprich: Dass Mucuk sterben musste, weil Frankfurter und Gießener Hells Angels eine Feindschaft verbindet, ist möglich, aber eben nur eine Theorie. Experten der Rockerszene halten es zwar für denkbar, dass die Täter den beiden seit 2011 verbotenen Frankfurter Chartern angehören. Doch zumindest die Wahl des Tatorts spricht nicht dafür. Dass Frankfurter sich ins Clubhaus der Gießener nach Wettenberg wagen, sozusagen in die Höhle des Löwen, um den dortigen Präsidenten zu erschießen, mutet seltsam an.

Eher hätte man erwarten können, dass sich eine Schießerei wie die am 2. Juli 2014 wiederholt. Schon damals war es schieres Glück, dass Mucuk überlebte. Gemeinsam mit Gießener Mitstreitern war er in den Katana-Club gekommen – nicht gerade in friedlicher Absicht, wie das Gericht später feststellte.

Die Frankfurter Hells Angels eröffneten das Feuer auf ihre Kontrahenten, die anschließend zur Behandlung in die Uniklinik fuhren. Nach diesem Tag, so heißt es in der Szene, herrschte unter den Rockern nicht nur Rivalität, sondern eine offene Feindschaft – obwohl doch Mucuk wie auch seine Frankfurter Kontrahenten um Walter Burkard (bekannt unter dem Namen „Schnitzel Walter“) allesamt den Hells Angels angehörten und nicht etwa den Bandidos, mit denen die Höllenengel über Jahre einen schweren Bandenkrieg geführt hatten.

Im Kern geht es im Konflikt zwischen Frankfurter und Gießenern auch nicht um Stolz, Ehre und andere Rockerwerte, sondern schlicht um Geld. Die Hells Angels verdienen gut in Frankfurt – vor allem im Rotlichtviertel, wo es etwa darum geht, wer vor welchem Club die Türsteher stellt. Dieses Geschäft wurde über Jahre vom Charter Westend beherrscht, der wichtigeren der beiden Frankfurter Gruppen. „Schnitzel Walter“ konnte sich entspannt zurücklehnen und stieg auch in der bundesweiten Hierarchie der Hells Angels rasant auf. So wurde er sogar als Nachfolger des zwischenzeitlich inhaftierten Deutschlandchefs, Frank Hanebuth, gehandelt.

Polizei und Justiz ratlos

Hanebuth ist jedoch wieder frei, und Walter Burkard hat andere Probleme. Die Mittelhessen, eher junge Rocker mit türkischen Wurzeln, fingen an, ihm auf der Nase herumzutanzen.

In der Szene galten die Gießener als die „jungen Wilden“, was verniedlichend klingt. Der Gruppe um Mucuk ging es nicht darum, frischen Wind in die Hells Angels zu bringen, sondern bei den Geschäften der Frankfurter Rocker mitzuverdienen. Das konnte Burkard nicht gefallen, zumal die Gießener sogar ein eigenes Charter gründeten, um ihren Machtanspruch zu untermauern.

So gab es über die Jahre hinweg immer wieder kleinere und größere Auseinandersetzungen, wobei nicht abschließend geklärt ist, welche Rolle die Schießerei am Friedrich-Stoltze-Platz im Mai dieses Jahres dabei spielt. Zumindest einer der beiden mutmaßlichen Täter, der einige Tage nach den Schüssen in Rumänien festgenommen wurde, zählt zu den Gründern des Charters Westend. Nach seinem Komplizen wird weiterhin gefahndet.

Die beiden Opfer, von denen eines schwer und eines leicht verletzt wurde, sind türkischstämmige Rocker. Einer der beiden Männer soll Medienberichten zufolge zuvor einem führenden Frankfurter Hells Angel die Nase gebrochen haben. Daraufhin sei er für „vogelfrei“ erklärt worden.

Abgeschlossen sind die Ermittlungen in dem Fall aber noch längst nicht. Wie überhaupt vieles im Rockermilieu rund um Frankfurt Polizei und Justiz ratlos zurücklässt. Etwa das Treffen von 50 türkischen Rockern, die Mitte Juni an der Eissporthalle von der Polizei gestellt wurden. Womöglich wollten sie auf 30 kurdische Rocker loszugehen, die sich zur selben Zeit just an jenem Stoltze-Platz versammelt hatten, an dem wenige Wochen zuvor die Schüsse gefallen waren.

Geführt werden die Ermittlungen in der Regel vom Landeskriminalamt. Dessen Präsidentin, Sabine Thurau, sagte unlängst im FR-Interview: „Wir haben zunehmend neue Gruppierungen, die sehr gewaltbereit sind und untereinander rivalisieren.“

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