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Die Zahl der Fahrgäste ist zurückgegangen.

RMV

Weniger Pendler, mehr Ausflügler

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Der Verbund stellt sich auf veränderte Anforderungen nach Corona ein. Die Hilfen von Bund und Land sichern Kontinuität trotz Einbrüchen bei den Fahrgastzahlen.

Öffentlicher Nahverkehr ist ein Teil der Daseinsvorsorge. die Verkehrswende eine wichtige Waffe im Kampf gegen den Klimawandel. Das, sagt Knut Ringat, der Chef des Rhein-Main-Verkehrverbunds (RMV), habe die Politik glücklicherweise erkannt. Der Krankenpfleger, die Ärztin, die Polizistin müssten ja auch während des Lockdowns zur Arbeit kommen. „Der ÖPNV ist systemrelevant.“ Aus diesem Grund halte der RMV sein Angebot zu 100 Prozent aufrecht – trotz eines Fahrgastschwunds von aktuell 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das erleichtert auch das Distanzhalten. Möglich sei dies nur dank der großzügigen finanziellen Unterstützung durch Bund und Land.

Der RMV werde angesichts der Mindereinnahmen zwar sparen müssen, räumt Ringat ein. Doch die teils auf Jahrzehnte angelegten Zukunftsprojekte würden ungebremst weiter verfolgt: „Es wird keine Einschränkungen am Kunden geben“, verspricht der Geschäftsführer am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz im Videoformat. Sein Team stelle sich allerdings auf geänderte Bedürfnisse ein, auf die es die Angebote anzupassen gelte.

Ein Beispiel ist der im August eingeführte Prepaid-Rabatt. Eine Alternative für Kund:innen, die nicht mehr jeden Tag pendeln müssen. Rund 9600 Menschen nutzen ihn, fast die Hälfte der 107 000 Fahrten fand in Frankfurt statt. „Das zeigt, dass die Zielgruppe getroffen wurde“, bilanziert Ringat. Auch die neue digitale Auslastungsprognose kommt gut an. Sie wird weiter optimiert, damit Kund:innen noch detaillierter vorab erfragen können, ob ihre Bahn oder ihr Bus voll ist und welche Alternativen es gibt.

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Die Kaufleute in der Hofheimer Unternehmenszentrale sind vorsichtig. Nach ihren Berechnungen werden sich die Auswirkungen der Pandemie noch über Jahre in den Bilanzen niederschlagen. Ihre Prognose: In den nächsten drei Jahren werden rund 80 Prozent weniger Fahrgäste Bus und Bahn nutzen als im Jahr 2019. Denn Dienstleistungsbranchen wie Banken oder Versicherungen werden künftig mehr digitale Konferenzen nutzen. Umgekehrt geht Ringat von einem „großen Nachholbedarf“ in dem Moment aus, wenn Kinos, Theater oder die Fußballstadien wieder öffnen. Wer zu Hause arbeite, werde den öffentlichen Nahverkehr dann halt mehr in der Freizeit nutzen. „Da wird es Verschiebungen geben.“

An Einzel- und Tagesfahrkarten verdient der RMV am meisten. Weil coronabedingt die Gelegenheiten zu Ausflügen oder Shoppingtouren fehlen, sind dort Einbrüche besonders groß. Insgesamt sanken die Ticketeinnahmen im vergangenen Jahr um ein Viertel auf rund 250 Millionen Euro – vor allem wegen der geringeren Zahl an Gelegenheitsfahrer:innen. Lediglich fünf Prozent entfielen auf Jahreskarten, weitere 28 Prozent auf Monatskarten. Große Überraschung: Covid-19 konnte nicht die Erfolgsgeschichte der Jobtickets bremsen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Neuverträge um 24 Prozent, lediglich zehn Verträge wurden gekündigt. Hinzu kommen die Pauschalangebote für Schüler:innen, Studierende und für Senior:innen, die unter Corona litten. Immerhin: 51 000 Menschen über 65 Jahre haben das neue Flatrate-Ticket.

Für 2030 peilt der RMV nach wie vor eine Fahrgaststeigerung von 30 Prozent an. Das funktioniert nur mit guten Qualität – Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und attraktiven Angeboten. Digitale Innovationen und eine Verbesserung der Infrastruktur sollen dafür sorgen. Dazu gehört die neue App, die im Sommer kommt und die Kombinationen mit anderen Verkehrsträgern auch außerhalb des RMV-Gebiets ermöglichen soll.

Das Projekt emissionsfreier On-Demand-Verkehr in zehn ausgewählten Regionen ist ein weiterer Schritt in Richtung mehr Flexibilität. Tempo aufnehmen wird es mit Beginn des autonomen Fahrens, an dessen Entwicklung der RMV ebenfalls arbeitet. Auf dem Gelände der Frankfurter VGF findet demnächst der erste Versuch ohne menschliche Begleitung statt. Danach folgt der erste Test auf öffentlichen Straßen – in Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis.

Um mehr Verkehr anzubieten, müssen weitere Kapazitäten geschaffen werden. Der Ausbau des Homburger Damms am Frankfurter Hauptbahnhof wird in diesem Jahr fertig. Wenn im zweiten Quartal die Machbarkeitsstudie für den Frankfurter Fernbahntunnel vorliegt, soll die Studie für die Regionaltangente Süd in Auftrag gehen – ein weiterer Schritt in Richtung Schienenring rund um Frankfurt.

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