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Verkehr

Mit der RMV-App nach Köln

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Verkehrsverbünde wollen ein bundesweites Netz für Handytickets knüpfen. Die erste Maschen sind fertig.

Eine Tageskarte für Köln, ein Einzelticket von Bonn nach Gummersbach: Fahrscheine wie diese sind ab sofort auch mit der App der Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) zu erwerben. Es ist der nächste Schritt zu einer bundesweiten digitalen Lösung, die die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs vereinfachen soll. Am Ende soll es möglich sein, mit der vertrauten heimischen App sämtliche Angebote aller Verkehrsverbünde in Deutschland zu nutzen – vom Ticketkaufen über die Fahrplanauskunft bis zum Leihen eines Autos, Fahrrads oder E-Scooters. Ein Datum dafür gibt es noch nicht.

„Ipsi“ heißt das bundesweite Projekt, zu dem am Montag RMV und Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) in Frankfurt den Startschuss gaben. Sie seien die Vorreiter, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. Schon in den nächsten Monaten würden weitere Verbünde hinzukommen. „Von A wie Aachen bis zum Zweckverband Westerwald und München.“ Die Vernetzung der diversen Handyticket-Systeme trügen den veränderten Bedürfnissen an Mobilität Rechnung, sagt Stefanie Haaks, Vorsitzende des KVB-Vorstands: „Kundinnen und Kunden wollen Tickets von A nach B, egal welches Verkehrsmittel, welcher Verbund und welcher Anbieter. Genau das bieten wir jetzt.“

Der Markt ist stark umkämpft. Immer mehr neue Mobilitätsleister drängten hinein, sagt Ringat. Plattformökonomen, Autohersteller, Energieversorger, Amazon, Google - alle wollten etwas ab vom Kuchen. „Wir haben das Know-how, wir können es am besten.“ Die Verbünde hätten langjährige Erfahrung mit Digitalisierung, garantierten Datensicherheit und böten mit Ipsi eine App, die der Kunde gewohnt sei. Auch bestehe nicht die Gefahr, dass der Anbieter nach einer gewissen Zeit Provision fordert.

35 Millionen Fahrgäste

Im Rhein-Main-Gebiet boomt der öffentliche Nahverkehr. Noch nie war der Zuwachs so stark wie im vergangenen Jahr: Insgesamt 35 Millionen Fahrgäste verzeichnete die Statistik. Die Gesamtzahl stieg auf knapp 800 Millionen. Ringat erklärt sich das mit attraktiven Angeboten wie Schülerticket, Landesticket oder den Jobtickets. Der S-Bahn-Verkehr wurde ausgebaut, es gibt den Nachtbetrieb am Wochenende, die Schnellbuslinien. Für das nächste Jahr rechnet er wieder mit steigenden Fahrgastzahlen. Denn wer 65 Jahre oder älter ist, kann dann mit einem Seniorenticket für 365 Euro jährlich in ganz Hessen mit Bussen und Bahnen fahren. Für den RMV bedeute dies, die Zukunftspläne nochmals zu überarbeiten. Mehr Fahrgäste als prognostiziert, erforderten in der Konsequenz noch größere Anstrengungen, die Kunden komfortabel und zuverlässig zum Ziel zu bringen. Auch in Köln sind immer mehr Leute mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Mit knapp 283 Millionen Fahrgästen im Jahr verzeichnete die KVB ein Plus von 0,6 Prozent, sagt Haaks. Leicht rückläufig sind hingegen die Zahlen beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg, zu dem die Kölner gehören und dessen digitale Angebote sie organisieren. Der Verbund zählte 610 Millionen Kunden im vergangenen Jahr.

Nach Ansicht der Kölner Managerin und Ringat läuft die Zeit der Fahrkarten-Automaten ab. Stammkunden hätten ihre Zeitkarten. Gelegenheitsnutzer die Möglichkeit des Handytickets, das durch Ipsi noch attraktiver wird. Der RMV generiert mittlerweile zehn Prozent seiner Einnahmen aus dem Geschäft mit den digitalen Fahrscheinen.

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