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Die meisten Radfahrer bleiben auf dem Bürgersteig, statt auf die Straße zu schwenken.

Rheinstraße in Darmstadt

Riskanter Verkehrsversuch

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Die Stadt Darmstadt verlegt testweise Fahrstreifen und Radweg auf der Rheinstraße. Für Radfahrer könnte das gefährlich werden.

Es ist ein gefährlicher Versuch, der dieser Tage auf der Rheinstraße, einer der verkehrsreichsten Straßen Darmstadts, begonnen hat: Der Abschnitt, bevor es unter dem Luisenplatz in den Citytunnel geht, ist seit jeher zu schmal für die bisher bestehenden zwei Fahrstreifen. Jetzt fällt zwar abschnittsweise einer weg, dafür werden Radfahrer gezwungen, dorthin auszuweichen: Der Radweg, der bislang ab Neckarstraße auf dem Bürgersteig verlief, wurde gesperrt. Radler müssen zwischen parkenden Autos und fließendem Verkehr fahren, anfangs mit, später ohne Markierung, bis sie über eine Rampe zurück auf den Radweg auf dem Bürgersteig geleitet werden.

„Ich bin entsetzt. Das ist unverantwortlich“, sagte Thomas Grän, der Vorsitzende des Radclubs ADFC Darmstadt-Dieburg, der FR. „Hier werden Radfahrer unnötig in Gefahr gebracht.“ Sein Verband erwäge Schritte, um den Versuch zu stoppen.

Auch David Grünewald, Kreisvorstandsmitglied des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), hält es für „nicht nachvollziehbar“, warum die Führung für Radfahrer auf der Fahrbahn unterbrochen wird. „Hier müsste es mindestens eine durchgezogene Linie geben.“ Zur versuchsweisen Neuordnung gehört außerdem eine Verlegung der Fahrspuren an der Kreuzung Neckarstraße: Der linke Geradeausfahrstreifen ist weggefallen, hierfür wurde auf dem linken Fahrstreifen eine Sperrfläche markiert und mit Leitschwelle und Leitbake abgetrennt. „Für Radfahrer hat sich nicht viel geändert“, befindet Grünewald.

Laut Verkehrsdezernentin Barbara Boczek (Grüne) will die Stadt „die Radführung in diesem Abschnitt und im Kreuzungsbereich mit der Neckarstraße optimieren und im Zufahrtsbereich der Kreuzung für mehr Sicherheit im Verkehrsablauf sorgen“. Das Verkehrsaufkommen solle dadurch gesenkt und auf Hindenburgstraße/Hügelstraße verlagert werden. Ein Passant bezeichnete die Neuordnung als „völlig daneben“. „Lebensgefährlich“, urteilte ein vorbeikommender Radfahrer.

Dass der ADFC im Vorfeld nicht über den Verkehrsversuch informiert wurde, der laut Stadt bis zu den Sommerferien dauern soll, ist symptomatisch: „Seit Ende des Runden Tisches Radverkehr 2015 werden wir von der Stadt nicht mehr über Veränderungen, die den Radverkehr betreffen, informiert“, beklagt Thomas Grän. Der seit einem Jahr bestehende Nachfolge-Runde-Tisch Nahmobilität diene nicht mehr dazu, mögliche Konflikte zwischen den beteiligten Verkehrsgruppen zu vermeiden. Das habe Dezernentin Boczek klargestellt. Es gehe nur noch darum, Rahmenrichtlinien zu klären, nicht um konkrete Projekte. „Darüber ist der ADFC sehr verärgert“, sagte Grän.

Auch andere Projekte, etwa die Streckenführung des Radschnellwegs von Darmstadt nach Frankfurt, fänden ohne Einbeziehung der Radfahrer statt, moniert Grän. Der Vorstand des ADFC wolle deshalb künftig auf eine Teilnahme am Runden Tisch verzichten. Ende April gebe es zu deisem Thema ein Treffen mit der Verkehrsdezernentin.

Von der Unzufriedenheit der Bevölkerung zeuge der Radentscheid, ein Bürgerbegehren für die Verbesserung des Fuß- und Radverkehrs. Hier sieht Grän den radfahrenden Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) in der Pflicht: „Er ist ein Symbol und sollte sich überlegen, wie er zum Führer dieser Bewegung wird.“ Die Bürger wollten Ergebnisse sehen. Stattdessen sei das Radwegenetz in schlechtem Zustand, wie der jüngste Fahrradklimaindex zeige.

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