Sicherheit

Risiken beim Hessentag

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Olaf Danner muss zur Sicherheit der Besucher in Bad Vilbel Rettungswege einplanen ebenso wie Zufahrtssperren.

Wer an die Sicherheit bei Großveranstaltungen denkt, hat vielleicht Terroranschläge im Kopf. Doch es geht auch um medizinische Notfälle, Fluchtwege oder Zu- und Abfahrten von Feuerwehr und Notarzt. All das will genau geplant sein, schon gar bei einer solch großen Veranstaltung wie dem Hessentag im Juni. Die Stadt Bad Vilbel hat dafür einen externen Sicherheitsexperten engagiert. Mit großen Besucherströmen kennen sich Olaf Danner und seine Firma, die Pool Group, aus. Er hat das Sicherheitskonzept des Canstatter Wasen erarbeitet, neben dem Oktoberfest das größte Fest in Süddeutschland. Ebenso das für die Feiern zu den Tagen der Deutschen Einheit 2015 in Frankfurt, in Mainz 2017 und zuvor in seiner Heimatstadt Stuttgart. 1,2 Millionen Besucher seien damals dort gewesen, sagt Danner.

Nun also führen Danners regelmäßige Fahrten in die Hessentagsstadt 2020. „Ich bin das aber nicht allein“, wehrt der 55-Jährige den Gedanken ab, hier sei ein Solist am Werk. Vielmehr werde das Konzept zusammen mit der Stadt, den Vereinen, der Landesregierung, der Bundeswehr, Firmen, der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und auch mit Anwohnern geplant.

Da gibt es viel zu koordinieren. „Wir tragen natürlich bestimmte Parameter der Sicherheit mit uns im Kopf herum“, sagt der Experte, der seit Januar 2019 in Diensten der Stadt steht. Es gehe beispielsweise um Flucht- und Rettungswege. Was passiert, wenn ein medizinischer Notfall eintritt, also einer der Hessentagsbesucher einen Herzinfarkt erleidet oder schwer stürzt? „Dann müssen wir die Flucht- und Rettungswege so organisieren, dass die Hilfeleistung innerhalb der gesetzlichen Frist möglich ist“, sagt Danner.

Dabei ist es keinesfalls so, dass der Experte alles selbst erarbeitet. Vielmehr erhält er von der Stadt einen Plan, wie sie sich die Flucht- und Rettungswege vorstellt und gibt dann dazu seine Bedenken zu Protokoll. „Ist es eventuell sinnvoll, das Festzelt um 90 Grad zu drehen?“ fragt er in den Arbeitskreis, der alle 14 Tage im Rathaus tagt.

„Es gibt zurzeit viele Gesprächsrunden“, sagt Danner. Einmal pro Woche sei er in Bad Vilbel, um Gespräche zu führen, aber auch, um sich selbst ein Bild von den Örtlichkeiten zu machen. Als Sicherheitsexperte findet er es beispielsweise sinnvoll, dass die Hessentagsarena „nicht im Stadtkern, sondern etwas außerhalb aufgebaut wird“. Dort könne man Unfallhilfestellen einrichten. „Wir haben gemeinsam überlegt, wo wir einen entsprechenden Container sinnvoll platzieren können.“

Beraterfirma

Olaf Danner ist bei der Firma Pool Group angestellt. Die Firma gehört nach eigenen Angaben zu den führenden Event-Production-Companies in Europa in den Bereichen Veranstaltungsproduktion, Event-Fachplanung und technischen Support.

Die Firma besteht seit mittlerweile 40 Jahren und hat über 30 000 Veranstaltungen aller Größenordnungen, nicht nur in Deutschland, realisiert. Die Pool-Group wurde 1978 gegründet. Mittlerweile beschäftigt sie 150 Mitarbeiter an vier Standorten. 

Seine Aufgabe sei es eigentlich, die Risiken dessen abzuschätzen, was Stadt, Vereine und Verbände organisieren. Danner nennt ein weiteres Beispiel: die Verwendung von Flüssiggas an den Imbissständen. „Wir überlegen, ob wir nicht an vielen Ständen lieber mit Strom arbeiten. Aber dafür müssen die Voraussetzungen gegeben sein.“

Zum Sicherheitskonzept gehörten auch Fragen wie die, wo Rollstuhlfahrer barrierefrei fahren und Menschen mit Rollator und Krücken ohne Gefahr die Veranstaltungen und Stände erreichen könnten. Aber ebenso gehört die Durchnummerierung der Stände dazu. Angesichts der Größe des Hessentags habe man die gesamte Veranstaltungsfläche in Sektoren eingeteilt und für jeden Sektor Pläne erstellt.

Man versuche auch, den Publikumsandrang zu berechnen, etwa bei den Veranstaltungen in der Hessentagsarena. Bei den Überlegungen spiele auch der Wochentag eine Rolle. „An einem Montag ist weniger los als an Feiertagen und Wochenenden.“

Letztlich gehe es natürlich auch um die Verhinderung von Terroranschlägen. „Ohne Betonbarriere wird es sicher nicht gehen, sie sind ja derzeit Stand der Sicherheit“, sagt Olaf Danner. Derzeit seien aber noch Überlegungen über Zufahrtssperren im Gange.

Zur Sicherheit gehören zudem mögliche Taschenkontrollen an den Einlässen. Mit dem Kauf einer Eintrittskarte unterwerfe sich der Besucher bestimmten Bedingungen hinsichtlich der Größe der Taschen.

Eigentlich, sagt der Experte, gebe es ja nicht das eine Sicherheitskonzept. Vielmehr griffen mehrere Konzepte ineinander, denn es gebe etwa ein Sanitätskonzept, ein Verkehrskonzept oder eines für die Kommunikation, sagt Danner.

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