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Rund 30 Tonnen schwer und voll strahlendem Atommüll: ein Castor-Behälter.

Atomkraft

Ringen um den Atommüll-Transport nach Hessen

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Wegen der Corona-Pandemie soll die Einlagerung von sechs Castoren in Biblis abgesagt werden. Das fordern längst nicht nur Atomkraftgegner.

Eigentlich sollte er schon Anfang April rollen. Dann wurde er wegen der Corona-Pandemie verschoben. Nun aber soll der Zug mit sechs Castor-Behältern aus der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield im Laufe der nächsten Woche aus Norddeutschland quer durch die Republik nach Biblis fahren. Dort sollen die Castoren mit hochradioaktivem Atommüll eingelagert werden. Doch dagegen gibt es Protest.

Nicht nur Aktive für Umweltschutz und gegen Atomkraft machen gegen den Transport mobil. Auch die niedersächsische Landesregierung hält das Vorhaben aktuell für nicht durchführbar. So hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gebeten, „dass der Transport und die damit einhergehenden Einsatzmaßnahmen erneut verschoben werden“. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ hat das Innenministerium in Hannover bestätigt.

Der Transport

Um den 1. November herum soll das Schiff mit sechs Castor-Behältern aus England kommend im niedersächsischen Nordenham anlegen. Mit dem Zug werden die Behälter mit dem strahlenden Atommüll dann voraussichtlich über Bremen, Hannover, Göttingen, Fulda, Frankfurt und Darmstadt ins südhessische Biblis gebracht. Dort sollen sie um den 4. November herum ankommen.

„Wir kritisieren vor allem, dass in einem Zwischenlager wie im stillgelegten Atomkraftwerk Biblis keine Möglichkeit besteht, einen defekten Castor-Behälter zu reparieren“, erläutert Herbert Würth, einer der Sprecher:innen des Aktionsbündnisses „Castor stoppen“. Zudem sei absehbar, dass die Behälter mit dem strahlenden Müll länger in den Lagern verbleiben müssten als ursprünglich vorgesehen, weil es dafür auf unabsehbare Zeit kein Endlager gebe.

Das breit aufgestellte Bündnis ruft deshalb zum Protest gegen die „sinnlose Atommüll-Verschiebung“ auf. Mahnwachen sind in Nordenham, wo das Schiff mit der rund 100 Tonnen schweren, heiklen Fracht aus England kommend anlegt, sowie in Bremen, Oldenburg, Hannover, Göttingen und in Biblis selbst geplant.

„Wir haben aber immer noch die Hoffnung, dass abgesagt wird“, sagt Bündnis-Sprecherin Silke Westphal. Ein Castor-Transport sei immer eine Massenveranstaltung, sowohl hinsichtlich der Sicherheitskräfte als auch der Protestierenden. Westphal setzt ihre Hoffnung deshalb darauf, dass aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr durch die Corona-Pandemie die Politik den Transport zumindest verschiebt. Innenminister Pistorius mahnt in seinem Brief an Minister Horst Seehofer, dass der Einsatz von Tausenden Polizisten trotz eines Hygienekonzepts „erhöhte Infektionsrisiken für die Einsatzkräfte“ mit sich bringen würde. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DpolG) fordern ebenfalls, den geplanten Transport erneut abzusagen.

Eine Anfrage des Bündnisses an die Landesregierungen von Niedersachsen, Bremen und Hessen dazu blieb bislang unbeantwortet. Auch die Fragen, die die Frankfurter Rundschau an das hessische Innenministerium gerichtet hat, blieben bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe ohne Antwort.

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