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Die Lieder kommen von Herzen, zuweilen sind sie recht emotional.

Darmstadt/Frankfurt

Ringen um die Krone

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Die Song-Slam-Hessenmeisterschaften gehen in die Finalrunde. Konzerte gibt es im Frankfurter Bett und der Darmstädter Krone.

Bei einer Fußball-WM ist das einfach: Wer alle Spiele der Vorrunde gesehen hat, kann locker bestimmen, welches Team am Ende Weltmeister wird. Beim Song-Slam Hessen ist das weitaus schwieriger. Einmal natürlich, weil das blöde Fernsehen keines der 16 Vorrundenkonzerte aus den schönsten Städten Hessens übertragen hat (wofür zahle ich eigentlich GEZ?) Aber auch, weil Musik keine Gewinner und Verlierer kennt.

Sechs Minuten bekommen die Künstler an so einem Song-Slam, um sich und ein Lied zu präsentieren. Wenn sie es gut machen, dürfen sie ein zweites spielen. Das Publikum entscheidet, welcher Auftritt der beste war. Doch was sagt das über die Künstler aus? Ist ein Dichter oder eine Dichterin besser als andere Lyriker? Singt eine Nachtigall wirklich schöner als ein Brummbär?

Und überhaupt. Die Künstler, die nun ins große Hessenfinale eingezogen sind – sind die nicht alles fabelhafte Gesanges- und Dicht-Talente? Ja. Natürlich. „Das sind eigentlich schon Stars“, sagt Tilman Döring, der sich den Hessen-Slam zusammen mit Dennis Bahl vom Konzertbüro Bahl aus Gießen ausgedacht hat. Stehende Ovationen habe das Publikum den einzelnen Gewinnern dargebracht, sagt Döring. Entsprechend ist er sehr zufrieden damit, wie die Vorrunde verlaufen ist. Ein bisschen am Feintuning müsse man noch arbeiten. Optimieren lässt sich immer irgendetwas.

Das verwundert nicht. Döring und Bahl wollen das Thema Song-Slam auf eine höhere Stufe heben. Bislang hat es in einigen Städten regelmäßige Slams gegeben. Darum herum hat sich eine lockere Szene an Künstlern gebildet. Das ist Döring und Bahl aber nicht genug. Sie wollen den Song-Slam so strahlend aufpolieren wie den Poetry-Slam. Auch dort gibt es inzwischen Landes- und gar Bundesmeisterschaften. Poetry-slammer schaffen es immer mehr ins seriöse Feuilleton und werden nur noch ein bisschen belächelt.

Der Song-Slam folgt ja nun dem gleichen Prinzip: Künstler stellen sich dem Publikum in freundschaftlichem Dicht- und Sangeswettstreit. Nun sollen die Sängerinnen und Sänger eben auch genau so viel Glamour abbekommen. In der Szene hat sich das herum gesprochen, findet Döring. Mehr noch: Aus den lockeren Bekanntschaften der Liedermacher (altdeutsch für Singer-Songwriter) hat sich eine Gemeinschaft entwickelt, findet Döring. Sie treffen sich, tauschen sich aus, unterstützen sich.“

Und das nun im Halbfinale der ersten Hessenmeisterschaften. Zwei Konzerte lassen Bahl und Döring dafür parallel laufen, am Freitag, 26. Oktober, in Darmstadt und Frankfurt, in der Krone und im Bett, in respektabel großen Arenen. Es sollen echte Hessenfinales sein, sagt Döring. Das heißt: Nicht nur die Gewinner aus seinen Song-Slam-Hessen-Konzerten treten auf. Einen Startplatz erhalten auch der Frankfurt-Slam aus dem Orange Peel und der Hanau-Slam aus dem Brückenkopf. „Wir wollen niemanden raushalten, sagt Döring.

Das Finale ist am 15. November auf der großen Schlachthof-Bühne in Wiesbaden. „Das ist die größte Bühne, die wir bespielen“, sagt Döring. Und Wiesbaden ist die Landeshauptstadt. „Das passt ins Konzept.“

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