Vor dem Langener Rathaus wurden jetzt Drängelgitter aufgestellt. Ein privater Sicherheitsdienst prüft dort auch, ob Besucher einen Termin haben.
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Vor dem Langener Rathaus wurden jetzt Drängelgitter aufgestellt. Ein privater Sicherheitsdienst prüft dort auch, ob Besucher einen Termin haben.

Langen

Ein riesiger Antragsstau in Langen

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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In der Zulassungsstelle im Langener Rathaus sind in den vergangenen Wochen fast 3000 Anfragen aufgelaufen. Jetzt ist die Online-Buchung von Terminen möglich. Das schafft Abhilfe.

Wer ein Auto zulassen wollte oder einen neuen Pass brauchte, hatte in den vergangenen Wochen in Langen schlechte Karten: Auf die Zulassung wartete er fast sechs Wochen, auf den Ausweis nicht viel kürzer. Coronabedingt waren nämlich fast 3000 Anfragen bei der Zulassungsstelle aufgelaufen; im Bürgerbüro waren es zwar weniger, aber immer noch zu viele. Der neue Bürgermeister Jan Werner (CDU) hat reagiert: Er hat die Mitarbeiter gebeten, zusätzlich samstags und sonntags zu arbeiten. Außerdem gibt es nun ein neues Onlinebuchungssystem, das die freien Zeiten 14 Tage im Voraus anzeigt. Die Bürger können sich ihre Termine nun selbst buchen.

Laut Bürgermeister Werner gibt es mehrere Gründe für den Antragsstau. Zum einen war das Rathaus in der Pandemie zwei Wochen lang komplett geschlossen, zum anderen saßen die Mitarbeiter in einem Großraumbüro mit zehn Arbeitsplätzen. „Anfangs konnten dort nur drei Plätze besetzt werden, nach Lockerung der Abstandsregeln dann fünf Plätze“, sagt er. Ein Schichtbetrieb wurde eingeführt; vormittags war das eine Team vor Ort, nachmittags das andere. Den Rest ihrer Zeit arbeiteten die Mitarbeiter von zu Hause aus. Das Problem dabei: Die Software für die Terminvergaben durfte wegen des Datenschutzes nicht auf die heimischen Rechner aufgespielt werden. „Das sind Landesverordnungen, an die wir uns halten müssen.“

Abhilfe zu schaffen durch Homeoffice für Erzieherinnen, die gerade in Kurzarbeit waren, sei nicht möglich gewesen. Der Datenschutz hätte dagegen gesprochen, aber auch die notwendige Schulung für die Software. Aufgrund der Antragsflut wurden auch Mail-Nachfragen der Bürger zum Stand der Dinge nicht oder erst sehr spät beantwortet, weil das die Abarbeitung der Vorgänge nur verzögert hätte. 

2000 Altfälle geerbt

In den sozialen Medien wurde über den Antragsstau geschimpft. Einige meinten, mit der Maskenpflicht hätte das alles im Rathaus doch auch anders organisiert werden können. Werner verneint das: „Wir müssen handlungsfähig bleiben, wollen alles vermeiden, was eine zweite Welle auslöst.“

Er erklärt, bei seinem Amtsantritt am 1. Juli habe er 2000 Altfälle geerbt, und täglich kamen rund 50 hinzu. Deshalb führte er die Samstags- und Sonntagsarbeit ein und ließ die Anträge abgleichen. Da ein Kfz überall zugelassen werden kann, hatten sich Antragsteller bei Zulassungsstellen in mehreren Städten einen Termin geben lassen. Andere beauftragten einen privaten Zulassungsdienst oder ein Autohaus, die feste Termine bei den Zulassungsstellen im Kreis Offenbach haben. „Unsere Mitarbeiter haben bei den Antragstellern angerufen und nachgefragt.“ Außerdem sah die Stadt alle Reservierungsanfragen, die vor dem 1. Juni eingegangen waren, als erledigt an. Ergebnis: Die Altfälle haben sich auf 750 reduziert. Für die restlichen vergeben die Mitarbeiter nach und nach neue Termine und melden sich anschließend telefonisch.

Wer bisher im Langener Rathaus eine Dienstleistung in Anspruch nehmen wollte, musste eine Anfrage in einem Formular auf der Website der Stadt stellen, um einen Termin für die Ausgabe der Unterlagen zu erhalten. Um Pass, Führungszeugnis oder Zulassungspapiere abzuholen und die Gebühr zu bezahlen, musste er dann erneut einen Termin buchen.

Jetzt kann die Sprechstunde im Bürgerbüro und in der Kfz-Zulassung direkt im Internet reserviert werden. Die Verwaltung bestätigt den Termin per E-Mail. Und, was bisher nicht möglich war: Während der Sprechstunde kann das Anliegen nun auch abschließend bearbeitet werden.

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