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Riedbahn fünf Monate lang gesperrt

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Von: Michael Bayer

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Gewohntes Bild auf der Riedbahn, hier bei Mörfelden-Walldorf: Mindestens dreimal je Stunde und Richtung rollen dort ICE.
Gewohntes Bild auf der Riedbahn, hier bei Mörfelden-Walldorf: Mindestens dreimal je Stunde und Richtung rollen dort ICE. © Walter Keber

Die Generalsanierung zwischen Frankfurt und Mannheim soll nach der Fußball-Europameisterschaft 2024 beginnen.

Die Riedbahn soll von Juli 2024 an generalsaniert werden? Wer dort zwischen Frankfurt und Mannheim regelmäßig unterwegs ist, wundert sich vielleicht über die Ankündigung beim gestrigen Schienengipfel in Berlin. Denn auf der Strecke bremsen schon seit Monaten Bauarbeiten die Reisenden aus – und zwar ganz massiv.

Nun zeigt sich: Das ist nur das Vorspiel für noch größere Einschränkungen. Die Strecke über Groß-Gerau und Biblis, auf der die S7 und der RE70 verkehren, wird nach der Fußball-Europameisterschaft bis Weihnachten fünf Monate lang komplett gesperrt. Dafür soll es danach acht bis zehn Jahre lang kaum mehr Störungen geben.

Denn das präsentiert Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) als seine Idee für die Hauptrouten im Netz: Statt Gleise immer wieder dann nacheinander zu sperren, wenn gerade etwas kaputt geht, will er lieber gleichzeitig alles erneuern, was verschleißt – unabhängig vom aktuellen Zustand: Oberleitungen etwa, der Unterbau der Gleise, Weichen, Schienen, Lärmschutzwände. Die Kosten der Generalsanierung der Riedbahn beziffert die Deutsche Bahn auf rund 500 Millionen Euro.

Berthold Huber, Vorstand für Infrastruktur des Konzerns, kündigte zudem an, während der Baupause würden auch 20 Bahnhöfe saniert. Sie erhielten frische Bahnsteigdächer, Wetterschutzhäuschen, Wegeleitsysteme und Rampen für den barrierefreien Zugang. Das gelte auch für Immobilien, die nicht mehr in den Händen der Bahn lägen. „Hier werden wir mit jenen verhandeln, denen die Gebäude jetzt gehören.“

Die Zeit bis zum Start der Generalsanierung will die Bahn nutzen, um die Umleitungsstrecken vorzubereiten. Das sind die Routen über Darmstadt entlang der Bergstraße sowie von Mainz nach Mannheim. Im Nahverkehr sollen Busse täglich bis zu 200 Zugverbindungen ersetzen.

Auf der Riedbahn wird aber nicht nur repariert und verschönert. Es geht auch darum, mit einer verbesserten Infrastruktur dafür zu sorgen, dass die Züge pünktlicher rollen – und häufiger. Das ist deshalb dringend nötig, weil die zentrale Nord-Süd-Verbindung ganz offiziell als überlasteter Schienenweg gilt.

Hier rollen schnelle Fernzüge nach Hamburg, Berlin, Köln, Dortmund, München, Stuttgart, Zürich und Paris. Hier verkehren die internationalen Güterzüge zwischen Nordsee und Mittelmeer, zwischen Rotterdam, Basel und Genua. Und irgendwo dazwischen suchen S-Bahn und Regionalexpress nach freien Wegen. Insgesamt sind dort täglich rund 300 Züge unterwegs.

Zentrale Rolle im Netz

Als kürzlich nur ein Gleis zur Verfügung stand, waren massive Verspätungen im nahezu gesamten Fernverkehr die Folge. Die miserablen Pünktlichkeitswerte der vergangenen Monate gingen zum erheblichen Teil auf die jüngsten Arbeiten an der Riedbahn zurück. Güterzüge kamen teils tagelang nicht weiter.

So richtig helfen wird nur die geplante Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Der Abschnitt zwischen Frankfurt und Darmstadt soll zuerst in Betrieb gehen – „in den 2030er Jahren“, wie die Bahn vorsichtig formuliert. Bis dahin gilt es, die bestehende Verbindung so gut es geht auszubauen.

DIE EINZELPROJEKTE

Generalsanierung: Die Bahn tauscht auf der Riedbahn 1200 Elemente der Leit- und Steuerungstechnik wie Signale und Sensoren aus. Sie erneuert 152 Weichen, 117 Kilometer Gleise, 140 Kilometer Oberleitung, mehr als zehn Kilometer Lärmschutzwände – und vier Bahnübergänge.

Zusätzliche Überholstellen: Weichen bei Groß Gerau-Dornberg, Riedstadt-Goddelau und Bürstadt sollen möglich machen, häufiger die Gleise zu wechseln. Das ist wichtig, damit Züge bei Störungen oder Bauarbeiten schnell ausweichen können. Zudem dürfen sie so abschnittsweise auf beiden Gleisen in die gleiche Richtung fahren.

Schnellere Kurve: In Biblis müssen Züge abbremsen auf 90 Kilometer pro Stunde. Ein anderer Unterbau und eine neue Weiche sollen dort künftig 100 Kilometer erlauben.

Schnellere Weichen: In Mörfelden und Walldorf bekommen die Weichen zu den Überholgleisen einen anderen Radius. Auch das bringt mehr Tempo.

Weitere Arbeiten: In Frankfurt wird auf der Höhe Louisa ein Bahnübergang technisch besser gesichert. Und vor der Main-Neckar-Brücke erlaubt ein zusätzliches Signal, dass Züge von der Main-Neckar-Bahn parallel zu jenen der Riedbahn rollen können.

Eines der wichtigsten Projekte ist dabei die Umstellung auf elektronische Stellwerke. Sie entstehen in Gernsheim und Mannheim-Waldhof. Zudem steuert die Bahn ihre Züge künftig mit einer verbesserten und europäisch einheitlichen Technik namens „European Train Control System“, kurz ETCS. Ihr Vorteil: In einer späteren Variante können Züge mit geringerem Abstand fahren; die Kapazität der Strecke steigt.

Unter anderem dafür laufen die aktuellen Arbeiten. Entlang der etwa 75 Kilometer langen Strecke verlegen Bauteams Kabelschächte. Denn alle Leitungen von Signalen, Weichen und Sensoren müssen künftig zu einem der beiden geplanten zentralen Stellwerke führen.

Kommentar: Harte Zeit für Reisende

Es ist konsequent, die Gleise komplett zu sperren und die Strecke herzurichten. Für die Reisenden muss es aber mehr Entschädigung geben als kostenlose Leihfahrräder. Der Kommentar.

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