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Politik

Rheingau-Taunus: Kreistag sagt Nein zur Biosphärenregion

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Landwirte und Jäger hatte sich gegen das Modellprojekt der Unesco ausgesprochen. Das Kreisparlament in Bad Schwalbach erteilte der Biosphärenregion zwischen Taunus und Rheingau deshalb jetzt eine Absage.

Eigentlich hat das Hessische Umweltministerium die Entscheidung, ob die Region zwischen Taunus und Rheingau zur Biosphäre nach Unesco-Kriterien wird, für die Zeit der Corona-Pandemie ausgesetzt. Erst wenn wieder öffentliche Informationsveranstaltungen abgehalten werden können, sollten die Parlamente in mehr als 30 Kommunen, darunter die Stadtverordnetenversammmlung von Wiesbaden und die Kreistage im Main-Taunus und Rheingau-Taunus, entscheiden, ob das Land Hessen einen entsprechenden Antrag stellt. 

Nun ist das Kreisparlament des Rheingau-Taunus-Kreises doch mit einer Entscheidung vorgeprescht. Die Abgeordneten von CDU, FDP und Freien Wählern sprachen sich am Dienstag gegen eine Biosphärenregion Main-Taunus, Wiesbaden, Rheingau-Taunus aus. Es fehle die Gemeinsamkeit in der angestrebten Modellregion, die kommunale Selbstverwaltung sei durch das Projekt in Gefahr, die finanzielle Belastung hoch, hieß es zur Begründung. Die Städte und Gemeinden des Landkreises sollten den Antrag auf Aufnahme in das Unesco-Programm ebenfalls ablehnen, empfahl die Kreistagsmehrheit und folgte damit einem CDU-Antrag. SPD, Grüne und Linke stimmten dagegen. Sie befürworten die Biosphärenregion, für die mittlerweile ein Machbarkeitsstudie vorliegt. Die Unesco-Kriterien sehen für die Modellregionen die nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht vor.

Landwirte, Winzer und Jäger gegen das Projekt

Im Rheingau-Taunus-Kreis hatten sich vor allem Landwirte, Winzer und Jäger gegen das Projekt Biosphärenregion gestellt, weil sie massive Einschränkungen für ihre Arbeit befürchteten. Solche Vorbehalte gebe es auch im Main-Taunus-Kreis, sagte Umweltdezernentin Madlen Overdick (Grüne) der FR. „Wir als Landkreis sehen es aber als unsere Aufgabe an, neutral über das Biosphärenprojekt zu informieren.“ Eine politische Entscheidung werde im Kreistag erst fallen, wenn die zwölf Kommunalparlamente Beschlüsse gefasst hätten. Dieser Prozess lebe maßgeblich von der Bürgerbeteiligung, betont Overdick. „Und da stehen wir noch ganz am Anfang.“

Die Stadt Wiesbaden sei nach wie vor daran interessiert, das Biosphären-Projekt gemeinsam mit den Landkreisen zu verfolgen, sagte Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) der FR. Eine voreilige Ablehnung ohne Beteiligung der Gemeinden abzulehnen, sei eine vertane Chance für die ganze Region. „Nach der Bewältigung der Corona-Pandemie sind wir jederzeit bereit, die Gespräche dazu wiederaufzunehmen.“

Weltweit hat die Unesco bislang 669 Biosphärenregionen in 120 Staaten anerkannt. In Deutschland sind 16 Gebiete ausgezeichnet. Eines davon ist die Rhön als länderübergreifende Kulturlanschaft zwischen Hessen, Thüringen und Bayern.

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