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Rhein-Main: Tonnenweise Cannabis verkauft

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Von: Oliver Teutsch

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Tonnenweise Drogen wie hier auf einem Archivbild, soll die Bande geschmuggelt haben. Diana Djeddi
Tonnenweise Drogen wie hier auf einem Archivbild, soll die Bande geschmuggelt haben. Diana Djeddi © Diana Djeddi/Tagessatz

Ermittlerteam gelingt Schlag gegen Bande, die im ganz großen Stil gedealt haben soll. Weiterer Erfolg wegen untergejubelter Verschlüsselungs-Software Anom.

Die Rauschgiftmengen, mit denen sie handelten, lassen viele kleine Dealer vor Neid erblassen. Eine Bande von elf Männern aus dem Rhein-Main-Gebiet soll allein zwischen Dezember 2020 und Juni 2021 mehr als drei Tonnen Cannabis, 315 Kilo Kokain, 113 Kilo Amphetamin und 677 Liter Amphetaminöl vertickt haben. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) hat nun Anklage gegen die Bandenmitglieder im Alter von 24 bis 47 Jahren erhoben; als Drahtzieher gilt demnach ein 33-Jähriger aus Frankfurt. Er soll sämtliche organisatorischen Absprachen, insbesondere hinsichtlich anstehender Lieferungen und Verkäufe, getroffen haben.

Die Bande flog auf, weil sie wie viele andere Kriminelle auch auf den Verschlüsselungsdienst Anom vertraute und ihre Kommunikation bezüglich Treffpunkten, Übergabeorten und Legitimierung über Krypto-Handys abwickelte, die nur mit Anom funktionieren.

Was die Täter nicht wussten: die Verschlüsselungssoftware war 2018 vom amerikanischen FBI und dem australischen Pendant AFP an den Start gebracht worden, um Kriminelle zu erwischen. Ähnlich wie beim Verschlüsselungsdienst Encro-Chat ließ sich die Polizei die Dienste teuer bezahlen, um nicht aufzufallen. Im Juni 2021 gab es dann eine weltweite Razzia, bei der viele Banden aufflogen.

Der am Freitag von der ZIT vermeldete Fahndungserfolg geht ebenfalls auf den Coup mit der untergejubelten Verschlüsselungssoftware zurück. Die amerikanischen Behörden boten dem Bundeskriminalamt ein umfangreiches Datenpaket mit abgehörten Chatprotokollen an, die von der ZIT nach der Genehmigung eines Rechtshilfeersuchens akribisch ausgewertet wurden. „Die Schwierigkeit war, von den teilweise absurden Nicknames auf die wahren Identitäten zu kommen“, so ZIT-Sprecher Sebastian Zwiebel. Geholfen hat dabei, dass mancher sich sehr sicher fühlte. So soll jemand sogar seinen Personalausweis in den Chat einkopiert haben, um sich zu legitimieren.

Im Nachgang der weltweiten Razzia im vergangenen Juni konnten das Ermittlerteam der ZIT und die Polizei auch drei Kurierfahrzeuge der Gruppe lokalisieren und beschlagnahmen. Diese waren mit 16 teils hochprofessionellen Verstecken versehen, in denen sich jeweils Bargeldsummen von 250 000, 246 000 und 65 000 Euro befanden. Der Transport ins Rhein-Main-Gebiet erfolgte von Spanien oder den Niederlanden aus. An der holländischen Grenze hatte das Ermittlerteam auch eines der Fahrzeuge mit einer sechsstelligen Summe Bargeld aufgegriffen. In den Kurierfahrzeugen konnten auch etwa 100 Kilogramm Haschisch, 78 Kilogramm Marihuana, 67 Kilogramm Amphetaminöl, drei Kilo Methamphetamin und 830 Gramm Kokain sowie sechs halbautomatische Selbstladepistolen samt 631 Patronen sichergestellt werden. Acht der elf Angeschuldigten in dem Ermittlungsverfahren befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

Es ist nicht die erste Bande im Rhein-Main-Gebiet, die im Nachgang der weltweiten Razzia aufflog. Seit vergangenem Monat müssen sich vor dem Landgericht Hanau drei Männer verantworten, die im Main-Kinzig-Kreis ebenfalls über Anom ihre umfangreichen Drogengeschäfte abgewickelt haben sollen.

Es werde auch nicht die letzte Bande sein, kündigte ZIT-Sprecher Zwiebel am Freitag an: „Schon in der kommenden Woche wird es eine weitere Anklage in dem Komplex geben.“ Auch die Ermittlungen gegen weitere Mitglieder der Bande um den 33-Jährigen laufen noch. Ein Termin vor dem Landgericht Frankfurt steht noch nicht fest.

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