Auf dem Boden vor der Baustelle enstehen spannende Bilder wie diese.
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Auf dem Boden vor der Baustelle enstehen spannende Bilder wie diese.

„Urban Sketchers Rhein-Main“

Rhein-Main: Wie aus Orten des Alltags Kunstwerke werden

  • Sophie Vorgrimler
    vonSophie Vorgrimler
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Die Krifteler Künstlerin Clara Schuster hat sich der Gruppe angeschlossen. Die Mitglieder malen Skizzen von Stadtansichten, sind weltweit vernetzt, stellen im Internet aus - und bieten Kurse an.

Persönlich male sie am liebsten „Unorte“, sagt Clara Schuster. Für den „Urban Sketching“-Kurs, den die Künstlerin und Architektin exklusiv für Leserinnen und Leser der FR gibt, hat sie einen klassischen Treffpunkt in Frankfurts Zentrum gewählt. Wohin es weitergeht, können sie selbst entscheiden.

So sieht Clara Schuster die Galluswarte: Trinkhalle und Turm im Fokus.

Frau Schuster, Sie gehören zu den „Urban Sketchers Rhein-Main“. Was kann man sich darunter vorstellen? 
„Urban Sketching“ bedeutet, dass man mit einem Skizzenbuch rausgeht und vor Ort das zeichnet, was man sieht. Das Ergebnis teilt man dann über das Internet. Dazu ist jeder eingeladen. Die „Urban Sketchers Rhein Main“ sind eine lose Gruppe von mittlerweile 400 Leuten, die das hier in der Region tun. Einmal im Monat verabreden wir uns zu einem Treffen in Darmstadt, Frankfurt, Wiesbaden oder Mainz, bei dem wir zusammen rausgehen und zeichnen – da kommen dann normalerweise so 20, 30 Leute zusammen.

Draußen gezeichnet wird ja schon seit Jahrhunderten – wann hat das mit den „Urban Sketchers“ angefangen? Die gibt es ja weltweit.
Gegründet hat sie vor 13 Jahren ein Mann aus Seattle in den USA, Gabriel Campanario, ein Journalist. Er hatte in einer Kolumne dazu aufgerufen, dann haben viele ihre Sketchings auf Plattformen wie Flickr gepostet. Seither hat sich diese weltweite Community gebildet. Einmal im Jahr gibt es ein internationales Treffen.

Typisch Frankfurter Realität: die Galluswarte.

Wie sind Sie dazu gekommen?
Zeichnen tue ich schon mein Leben lang. Dann habe ich Architektur studiert, da haben wir viel draußen gearbeitet. Auf der Suche nach einem Zeichenkurs bin ich damals auf das Urban Sketching in Neapel gestoßen.

Beim Blick auf Ihre Bilder fallen die Trinkhallen auf. Was hat es damit auf sich?
Die Trinkhallen-Serie ist in einer kleineren Gruppe entstanden. Da haben wir uns regelmäßig an einem anderen Wasserhäuschen getroffen.

Was macht das Zeichnen vor Ort so besonders? Warum suchen Sie sich nicht ein schönes Foto aus einem Buch oder dem Internet, setzen sich an einen Schreibtisch und malen das ab?
Zum einen beschränkt einen das Foto ja schon bei der Motivauswahl, weil ein Ausschnitt vorgegeben ist. Es ist interessant, an dem Ort, den man malt, zu verweilen; die Stimmung dort einzufangen, die Menschen zu beobachten.

Verlosung

Heute verlosen wir sechs Plätze in einem dreistündigen „Urban Sketchers“-Workshop bei Clara Schuster. Der Kurs findet am Samstag, 1. August um 10 Uhr im Frankfurter Zentrum statt.

Wenn Sie gewinnen möchten dann bewerben Sie sich einfach unter www.fr.de/gewinnspiel mit Angabe des Stichwortes, das Sie im E-Paper (für FR+-Leser kostenfrei) oder der Printausgabe vom 22.7. finden. Einsendeschluss ist der 23. Juli, 23.59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Nur Gewinner werden benachrichtigt. 

Worauf kommt es bei einer „Urban Sketching“-Zeichnung an, geht es nur um das Vereinfachen des Motivs?
Na ja. Prinzipiell sind mir die Details nicht so wichtig, sondern es ist das große Ganze. Da hat aber jeder einen anderen Ansatz. Ich war mal mit einer Gruppe am Roßmarkt, da kamen so unterschiedliche Bilder heraus: Jemand hat die Hochhäuser und den Himmel gemalt, ein anderer den Boden mit zerknülltem Müll. Jeder legt den Fokus auf das, was er am spannendsten findet.

Wie lange sind Sie an so einer Zeichnung beschäftigt?
Meistens nehme ich mir so eine halbe Stunde für ein Bild. Das kommt aber auch auf das Material an: Fine-Liner, Tusche, Aquarell. Ich male sehr gerne mit Tusche und einem gefundenen Stöckchen. Wenn man lange monochrom gemalt hat, dann hat man aber auch mal wieder Lust auf Farbe – ich beschränke mich meist auf zwei, drei Farben. Aber auch das macht jeder anders – das ist auch das Interessante an den Sketchers-Treffen: dass man mal sieht, wie andere so arbeiten.

Was sind Ihre Lieblingsmotive?
Ich male gerne an „Unorten“ – an einer großen Straße, an einer Baustelle, an verlassenen Orten, Fabriken. Orte, an denen man sich nicht mit Freunden verabreden würde. Deshalb male ich auch nicht von einem Foto: Man nimmt Geräusche, Gerüche und das Licht wahr, sie machen das Motiv aus. Auf diese Weise nimmt man Orte ganz bewusst wahr und kann seine eigene Stadt von einer anderen Seite kennenlernen.

Clara Schuster.

Werden Sie oft angesprochen, wenn Sie in der Öffentlichkeit sitzen und zeichnen?
Ich bin nicht der Typ, der sich zum Zeichnen in die Mitte des allerbelebtesten Platzes setzt. Wenn ich angesprochen werde, dann häufig von Touristen oder anderen Leuten, die gerade nicht viel zu tun haben. Oft ist das dann mit der eigenen Geschichte verbunden: „Meine Enkelin malt auch“ oder „Ich habe seit der Schule nicht mehr gemalt“.

Was erwartet die Teilnehmer?
Da die Gruppe relativ klein ist, bietet sich ein Sketch-Walk an, also an drei oder vier Stationen Halt zu machen. Dort kann jeder das zeichnen, was er spannend findet. Wer möchte, kann einen Aquarellkasten mitbringen. Aber wir fangen mit einfachen Fine-Liner-Skizzen an, deshalb ist der Kurs auch für Anfänger offen.

Interview: Sophie Vorgrimler

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