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Das Team von Implantieren 2020 pflanzt schon Kunst.

Urbaner Raum

Kunst einpflanzen beim Kunstfestival „Implantieren 2.0“

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
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Das Performance-Festival „Implantieren 2020“ erobert mit seinen Arbeiten den urbanen Raum in Frankfurt, Offenbach und Darmstadt. Am Donnerstag geht es los.

Einen Blauwal mitten in der Stadt suchen, an einer veganen Schnitzeljagd teilnehmen, ein botanisches Powwow erleben oder die korrekte Aussprache der Namen der zehn Mordopfer des NSU üben: All das kann das Publikum beim Performance-Festival „Implantieren 2020“, das vom 20. August bis zum 6. September an drei Wochenenden Kunst im öffentlichen Raum in Frankfurt sowie in Darmstadt und Offenbach präsentiert. Die freie Kunstszene in Frankfurt und der Region habe bei Tanz, Theater und Performance „ein einzigartiges Niveau vorzuweisen“, sagt Eleonora Herder vom Festival-Team während der Vorstellung des Programms im Frankfurt LAB in der Kommunikationsfabrik. „Trotzdem wird die Szene nur wenig wahrgenommen.“ Um das zu ändern, hatte ID_Frankfurt, die gemeinnützige Assoziation freier Kunstschaffender aus Choreographie und Performance, 2013 erstmals ein Festival mit dem Titel „Implantieren“ in der Frankfurter Naxoshalle organisiert.

Dabei geht es um das Einpflanzen, Einsetzen, um das Sichtbarmachen künstlerischer Arbeiten im urbanen Raum. Seit 2016 ist das Festival biennal, stetig gewachsen und vernetzt mit ähnlichen Institutionen der freien Darstellenden Künste in ganz Deutschland. In seiner dritten Ausgabe 2018 hat „Implantieren“ mit elf Produktionen 29 Orte in Frankfurt, Hanau und Offenbach bespielt. Ein halbes Jahr vor der vierten Ausgabe kam Corona.

Das Festival

„Implantieren 2020“ präsentiert von Donnerstag, 20. August, bis Sonntag, 6. September, an drei Wochenenden in Frankfurt, Darmstadt und Offenbach künstlerische Arbeiten der freien Szene im öffentlichen Raum. Viele Angebote sind kostenlos und können zu den angegebenen Zeiten besucht werden. Bei kostenpflichtigen Veranstaltungen können die Gäste entscheiden, ob sie 5, 8 oder 12 Euro zahlen möchten. An 13 Spielorten werden die Performances und Arbeiten gezeigt, in jeder Stadt gibt es ein Festivalzentrum. In Frankfurt ist dies das Werkbund-Forum am Weckmarkt 5, in Darmstadt sitzt es im Olbrichweg 19 und in Offenbach am Hauptbahnhof. Tickets sollten nach Möglichkeit reserviert werden, da an den Spieleorten eine Abendkasse nur eingeschränkt angeboten werden kann. Programm und weitere Informationen: www.implantieren-festival.de.

Und so, wie etliche Künstlerinnen und Künstler in der Krise zu den ersten gehörten, die neue Wege beschritten, um ihre Werke den Menschen zugänglich zu machen, wurde auch das diesjährige „Implantieren“ der aktuellen Situation gemäß gestaltet. „Die Arbeit war aufgrund der Pandemie herausfordernd“, bekundet das Team, das bereits Anfang 2019 mit den Vorbereitungen begann. Statt Hanau ist jetzt Darmstadt mit dabei. In jeder der drei Städte ist ein Festivalzentrum eingerichtet, von dem aus vor allem regionale Künstlerinnen und Künstler mit ihren Positionen weitere Räume erobern. „Das Aufspüren und Besetzen geeigneter neuer Orte für Tanz, Performance und Installation machen die Besonderheit von ‚Implantieren‘ aus.“ Und weil es dieses Jahr nunmal besonders besonders ist, müssten neue Räume des Zusammenkommens und des Austausches ermöglicht und angesichts der aktuellen Lage gefragt werden: „Welche Räume lassen sich wie gemeinschaftlich nutzen, welche Formen kann ein Miteinander räumlich annehmen?“

Das Festival, das am Donnerstag um 19.30 Uhr am Festivalzentrum in Frankfurt mit einem „partizipativen Audio-Parcours“ eröffnet wird, gliedert sich in drei Bereiche, wie Sophie Osburg, Paola Wechs und Ines Wuttke vom Koordinations-Team erläutern. Neben den Produktionen und den verschiedenen Diskursformaten, die ergänzend dazu entwickelt wurden, gibt es erstmals ein Vermittlungsprogramm für das jüngere Publikum. „Wir haben keine spezielle Performance für Kinder und Jugendliche“, sagt Ines Wuttke. Vielmehr sei es Ziel, ihnen den Zugang und die Rezeption der Performances und Installationen im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Zum Beispiel mit einer digitalen Schnitzeljagd: Ein interaktiver Parcours lädt dazu ein, sich spielerisch mit dem Festivalprogramm auseinanderzusetzen und und die drei Festivalzentren zu erkunden.

Im Mittelpunkt aber stehen die neun künstlerischen Arbeiten, extra für das Festival geschaffen. In „Space Machine No.1“ etwa machen Philip Albus und Ana Berkenhoff akustische Räume der drei Festivalstädte erlebbar. Auf dem Stadtspaziergang „Recovering Beauty“ leitet die Yoga Church of Evil an, im vermeintlich Hässlichen das Schöne zu entdecken. In „Speculative Ruins“ sinniert die Gruppe Para über die Zukunft des Frankfurter Bankenviertels und des globalen Finanzsystems. Haike Rausch und Torsten Grosch laden ein zu einem „Botanical Powwow“, bei dem versucht werden soll, das „Zusammenleben von Pflanzen und Menschen im gemeinsam geteilten urbanen Raum zu imaginieren“. Ülkü Süngün fordert in ihrer Performance „Takdir. Die Anerkennung“ auf, die Namen der türkischen NSU-Mordopfer richtig auszusprechen. Und vielleicht finden die Teilnehmer der Führung „Trip of a Lifetime“ wirklich einen Blauwal in Frankfurt.

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