In Offenbach will man mit einer Informationskampagne das weitere Ansteigen der Fallzahlen verhindern.
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In Offenbach will man mit einer Informationskampagne das weitere Ansteigen der Fallzahlen verhindern.

Höchste Infektionsrate

Corona-Hotspot Rhein-Main: Nirgends sonst gibt es so viele Ansteckungen – das hat seine Gründe

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer
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In ganz Deutschland infizieren sich die meisten Menschen im Rhein-Main-Gebiet mit Corona. Für die hohen Zahlen rund um Offenbach und Frankfurt gibt es verschiedene Gründe.

  • Die meisten Menschen in Deutschland infizieren sich im Rhein-Main-Gebiet mit dem Coronavirus
  • Die Zahlen rund um Offenbach und Frankfurt schießen in die Höhe
  • Dafür gibt es verschiedene Gründe

Frankfurt – Offenbach führt am Montag die Liste der bundesweit zehn Städte und Landkreise mit den höchsten Corona-Infektionsraten an. Auf Rang fünf steht Wiesbaden, gefolgt von Frankfurt. Auf Platz acht nennt das Robert Koch-Institut (RKI) den Kreis Groß-Gerau. Wäre Hanau nicht Teil des Main-Kinzig-Kreises, stünde die Stadt noch vor Offenbach.

Hessen ist damit vorn: Mit einem Wert von 17,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Stand Montag, 24.08.2020, 14 Uhr) in den vergangenen sieben Tagen hat es sich laut RKI an die Spitze der Bundesländer geschoben. 70 neue Fälle gab es am Montag innerhalb eines Tages. In großem Abstand folgen Bayern und Baden-Württemberg. Dort enden erst im September die Schulferien.

Corona in Rhein-Main: Corona-Grenzwert in Offenbach und Hanau überschritten

Wobei die Bezeichnung Hessen die Situation nicht trifft. Die ländlichen Regionen sind unauffällig. Der Ballungsraum Rhein-Main hingegen ist der neue Corona-Hotspot der Republik. Das zeigt der Blick auf das RKI-Ranking der Kommunen und Landkreise.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten beschlossen, dass die Länder bei mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche ein „konsequentes Beschränkungskonzept“ umsetzen. Das trifft seit vergangener Woche auf Offenbach zu, wo dieser Inzidenzwert am Montag bei 54,4 lag, und Hanau mit 63,3.

Offenbach wird zum Vorbild: Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau* orientieren sich bei Strategie an der Nachbarstadt. Auch Frankfurt und der Landkreis Offenbach haben die Zusammenarbeit mit der Stadt Offenbach verstärkt. Kooperationen, die naheliegen. Die Bevölkerung des Ballungsraums gilt als hochmobil. Sie orientiert sich beim Arbeiten und in der Freizeit nicht an Stadtgrenzen. Das wissen die Gesundheitsbehörden, die seit Wochen die Kontakte von Neuinfizierten nachverfolgen müssen.

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Rhein-Main: Bei zunehmenden Infektionszahlen mit Corona wird regional gehandelt

Die Verantwortung bleibt vor Ort. Das Land hält sich weiter im Hintergrund. Die Experten im Sozialministerium seien beratend eingebunden, versichert Pressesprecherin Isabelle Dollinger. Für eine landesweite Rücknahme von Lockerungen bestehe aktuell kein Grund, da die Zahl der kritischen Kommunen überschaubar sei. Hessen orientiere sich an dem Beschluss von Kanzlerin und Ministerpräsidenten, wonach auf regional unterschiedliche Infektionsgeschehen individuell reagiert werden kann. Genau dem trage das fünfstufige Eskalationskonzept Rechnung, das je nach Zahl der Neuinfektionen ein schärferes Vorgehen vorsieht.

„Unser Konzept“, sagt Dollinger, „fungiert erfolgreich als Frühwarnsystem und stellt den Gebietskörperschaften wichtige Instrumente zur Verfügung.“ Im Extremfall könnten auch Geschäfte und Gaststätten wieder dichtmachen, warnt die Sprecherin und appelliert an die Bevölkerung, die Corona-Regeln einzuhalten: „Die bestehenden Regularien sehen auch die Möglichkeit lokaler oder regionaler Lockdowns vor, das hängt also davon ab, wie gut es gelingt, die lokalen Geschehen unter Kontrolle zu halten.“

Corona: Mehrere Aspekte führen dazu, dass Rhein-Main Hotspot ist

Wie aber lässt sich erklären, dass das Rhein-Main-Gebiet plötzlich zum Hotspot der Republik wird? Grund sei das Zusammenkommen „verschiedener Aspekte“, meint die Sprecherin von Sozialminister Kai Klose (Grüne). Viele Bewohnerinnen und Bewohner seien wegen des Ferienendes vor einer Woche in den Ballungsraum zurückgekehrt. Auch würden vermehrt asymptomatische Personen getestet – wegen der Anordnung des Bundes, wonach Reiserückkehrer aus Risikogebieten zum Test verpflichtet sind. Zu diesen Gebieten gehören mit Spanien und den Balearen nun auch die beliebtesten Reiseziele. Hinzu kommen nach Angaben der Sprecherin „an einzelnen Orten größere Feiern, die zur Bildung von Infektionsclustern geführt haben“. Am bekanntesten dürfte die Hochzeit in Kelsterbach sein, bei der sich 33 Gäste mit Corona infizierten.

Ein Frühwarnsystem für lokale Corona-Ausbrüche haben Forschende der Frankfurter Goethe-Uni ersonnen. Den Virologinnen und Ökotoxikologen ist es erstmals gelungen, aus Abwasserproben klare Erkenntnisse zur Verbreitung des Virus in der Umgebung zu ziehen. Genspuren von Sars-Cov2 gelangen über Fäkalien in die Kanalisation. „Wir können quantifizieren, ob die Zahl 50 pro 100.000 Einwohner erreicht ist“, versprechen die Wissenschaftler. Die Gruppe fand heraus, dass selbst im Abwasser, das die Kläranlage verlässt, noch Sars-Cov2-Viren enthalten sind – aber vermutlich nicht mehr infektiös.

Die Corona-Gefahr in Deutschland schien monatelang gebannt. Doch seit einigen Wochen steigen die Infektionszahlen wieder. Angela Merkel trifft sich nun mit den Ministerpräsidenten der Länder.

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