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„Es gibt unheimliche Ecken hier“, sagt Heidi Gebhardt.
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„Es gibt unheimliche Ecken hier“, sagt Heidi Gebhardt.

Rhein-Main

Rhein-Main: Heidi Gebhardt legt vierten Krimi vor

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
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In Heidi Gebhardts viertem Krimi verschlägt es Ermittlerin Frieda aus Hanau in den Taunus. Ortskundigen dürften Schauplätze aus dem Roman bekannt vorkommen.

Gedeckten Apfelkuchen hätte sie gern kredenzt, selbstgebacken, nach einem Rezept von Tante Frieda. Doch dafür war keine Zeit, Heidi Gebhardt hatte vor dem kurzfristig vereinbarten Gespräch noch einen Termin in Frankfurt. Der mitgebrachte Kuchen vom Bäcker schmeckt auch, besonders mit Blick auf den Herbstwald am Hang des Großen Feldbergs in Schmitten, wo die Autorin lebt. Und wo ihr jüngster Kriminalroman in der Hauptsache spielt. „Hier im Taunus gibt es einige unheimliche und mystische Ecken“, sagt Heidi Gebhardt. 2017 hat es sie und ihren Mann aufs Land hinter die Hügel gezogen, ´raus aus Hanau, der Heimat von Tante Frieda.

Grusel-Herberge im Herbst

„Die Herberge im Wald“ ist der vierte Band der Krimi-Reihe um die resolute Mittachtzigerin, die in Miss-Marple-Manier verzwickte Kriminalfälle löst, in die sie meist eher zufällig verwickelt wird – gemeinsam mit ihrer Nichte Lena. Die Verbrechen der ersten drei Bände ereignen sich im schmucken Hanauer Stadtbezirk Hohe Tanne, in dem Frieda mit ihrer Dackelhündin ein altes Häuschen bewohnt. Im letzten Teil der Reihe wird erstmals im düsteren Taunusforst gemordet.

Dort übernimmt Lena, freischaffende Grafik-Designerin in Frankfurt und notorisch knapp bei Kasse, als Urlaubsvertretung im Herbst die Leitung einer Herberge – und muss alsbald nicht nur Horden von Schulkindern und deren Lehrkörper verköstigen, sondern sich auch mit mysteriösen Vorkommnissen herumplagen. Ihre Recherchen in Schmitten scheinen zunächst wenig ergiebig, dafür erkennen ortskundige Leser:innen mit Vergnügen das Lebensmittellädchen, das Schreibwarengeschäft und das reizende, leider mittlerweile geschlossene Café in der Dorfmitte wieder. Die buchtitelgebende Herberge indes wird man im Wald um Schmitten vergeblich suchen. Ihr Vorbild steht woanders.

Wo, das möchte Heidi Gebhardt nicht verraten. Geboren 1962 in Bayreuth, aufgewachsen in Frankfurt hat sie nach einer Ausbildung zur Hauswirtschaftsleiterin und vor einer weiteren zur Werbekauffrau anderthalb Jahre lang ein Landschulheim geführt, „da habe ich alles allein gewuppt“ - anders als Romanfigur Lena, die mit dem Job in der Herberge veritabel überfordert ist, sodass ihre patente Tante aus Hanau zu Hilfe eilen muss.

„Irgendwann während eines Spaziergangs war Tante Frieda plötzlich in meinem Kopf“, erzählt Heidi Gebhardt. Lange hatte sie in der Werbung gearbeitet, Sohn und Tochter waren erwachsen. Den Gedanken, einen Krimi zu schreiben, hegte sie schon eine ganze Weile. Ihr Debüt „Tante Frieda. Erster Hohe-Tanne-Krimi“ erschien 2013. Sie verlegte ihn zunächst selbst, bis der Ullstein-Verlag anfragte und das Buch in seiner Krimi-Sparte neu herausbrachte. „Kein Mord ohne Tante Frieda“ folgte 2014, „Frieda unter Verdacht“ 2016. Tochter Alice Gebhardt hat sämtliche Einbände gestaltet.

„Die Herberge im Wald“ hat Heidi Gebhardt 2019 wieder im Eigenverlag veröffentlicht. Und dann kam Corona. Sämtliche Lesungen fielen aus, eine merkwürdige Stimmung habe um sich gegriffen. „Wir wussten ja alle nicht, wie es weitergeht.“ Zwar kenne sie einige Kolleginnen und Kollegen, die im Lockdown äußerst produktiv gewesen seien. „Aber bei mir hat es irgendwie nicht gefunzt.“ Zum Schreiben brauche sie Inspiration von außen. Umso dankbarer sei sie, diese Zeit im idyllischen Hintertaunus verbracht zu haben. „Wir sind so froh, dass wir jetzt hier leben.“ Inzwischen habe sie sogar wieder eine Idee für einen neuen Roman.

„Die Herberge im Wald“ ist mehr als nur ein weiterer Krimi mit Lokalkolorit. Er schlägt nicht nur einen illustren Bogen vom Main-Kinzig-Kreis über Frankfurt bis in den hohen Taunus, er erfüllt auch das, was ein guter Krimi erfüllen sollte. Wer was wann und warum getan haben könnte, bleibt bis zum Schluss spannend – und am Ende kommt doch alles anders als vermutet. Und während es selten Sinn macht, einen Krimi zwei Mal zu lesen, haben die Bücher von Heidi Gebhardt, die leidenschaftlich gern kocht und backt, noch einen Mehrwert. Auf den letzten Seiten jedes Bandes stehen „Rezepte von Tante Frieda“. Für Mangold-Gemüse zum Beispiel. Oder für gedeckten Apfelkuchen.

An den Birsteiner Lesetagen liest Heidi Gebhardt am heutigen Freitag, 5. November, 19.30 Uhr, aus „Die Herberge im Wald“. Der Eintritt zur Lesung im Bürgerzentrum Birstein, Carl-Lomb-Straße 1, ist frei, auch Kurzentschlossene sind willkommen. Es gilt die 3G-Regel. Reservierung unter tourismus@birstein.de oder Tel. 06 054/80 826.

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