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Thomas Scheffler ist Sprecher des Bündnisses für Bürgerinitiativen.

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Rhein-Main: „Es gibt auch Orte, an denen es lauter ist“

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Thomas Scheffler vom Bündnis für Bürgerinitiativen (BBI) spricht im Interview über die andere Verteilung des Fluglärms und Internetprotest.

Die Nordwestlandebahn ist stillgelegt, die Zahl der Flugbewegungen auf dem Frankfurter Flughafen ist wegen der Corona-Pandemie massiv zurückgegangen. Hat das Bündnis der Bürgerinitiativen jetzt seine Ziele erreicht, Herr Scheffler?

Nein, wir sind noch lange nicht am Ziel. Die Nordwestlandebahn zu schließen ist nur eine von vielen Forderungen, die wir formuliert haben. Wir freuen uns natürlich, dass der Fluglärm deutlich weniger geworden ist in der Region, aber wir wissen auch, dass das kein Dauerzustand sein wird. Außerdem sind zurzeit nicht alle Anrainerkommunen gleichermaßen vom Fluglärm entlastet. Es gibt auch Städte und Gemeinden, in denen ist es in bestimmten Bereichen lauter geworden.

Wo ist das zum Beispiel der Fall?

Die Stadtgebiete von Raunheim, Rüsselsheim, Offenbach oder Neu-Isenburg werden jetzt zentral überflogen. Das hat mit der Konzentrierung auf die Startbahn West und die Centerbahn zu tun, der Flugverkehr verteilt sich dadurch anders. Die Kommunen südlich des Mains sind jetzt mehr belastet, auch wenn deutlich weniger Flugzeuge am Himmel sind.

Wofür wollen Sie als Bündnis der Bürgerinitiativen künftig streiten?

Unsere Forderungen bleiben die gleichen wie vor Corona: Beschränkung der Flugbewegungen in Frankfurt auf 380 000 pro Jahr, Einführung eines Nachtflugverbotes von 22 bis 6 Uhr und Stilllegung der Nordwestlandebahn. Aus unserer Sicht darf der Flugverkehr nach der Krise nicht mehr auf das Niveau der vergangenen Jahre ansteigen. Und es sollte auch keine staatlichen Zuschüsse und Subventionen geben, die das möglich machen.

zur person

Thomas Schefflerist einer der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen (BBI), dem mehr als 80 Initiativen im Rhein-Main-Gebiet angehören.

Der Zusammenschlusswurde im März 1998 gegründet, um gemeinsame Aktionen gegen den Flughafenausbau zu koordinieren.

Zu Montagsdemosim Terminal I des Airports ruft das Bündnis seit Eröffnung der Nordwestlandebahn im Herbst 2011 regelmäßig auf. Mehr als 300 Veranstaltungen fanden bisher statt. 

Die Bauarbeiten am Terminal III gehen trotz Corona-Krise weiter. Verwundert sie das?

Dass die Mehrheitseigentümer, sprich das Land Hessen und die Stadt Frankfurt, Fraport da nach Belieben gewähren lassen, löst bei mir einfach nur Kopfschütteln aus. Da wird sehenden Auges eine der größten Bauruinen Europas errichtet – das ist ein Bauskandal wie die fast unendliche Geschichte des Berliner Flughafens. Die zu erwartenden Verluste werden später sozialisiert, sprich: Der Steuerzahler trägt die Kosten. Unsere Forderung „Kein Terminal 3“ ist berechtigt wie eh und je. Kein vernünftig denkender Mensch rechnet nach Eindämmung der Pandemie mit einer Rückkehr zu den Verhältnissen wie zuvor.

Die Montagsdemos am Frankfurter Flughafen sind bis auf weiteres ausgesetzt. Wie läuft der Protest der Initiativen aktuell?

Wir bieten jeden Montag zwischen 18 und 19 Uhr Mahnwachen im Internet an. Das sind Videokonferenzen, zu denen man sich zuschalten kann, natürlich mit einem deutlich kleineren Teilnehmerkreis. Und wir haben dazu aufgerufen, die Petition „Save people, not planes“ zu unterstützen, die die Plattform Stay grounded initiiert hat. Die Demos im Terminal können wir erst wieder organisieren, wenn Großveranstaltungen erlaubt sind.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft des Frankfurter Flughafens?

Aus unsere Sicht sollte Fraport sich von der Vision eines großen internationalen Drehkreuzes verabschieden und sich auf den geschäftlichen und touristischen Reisebedarf der Region konzentrieren. Die sogenannte Hub-Funktion hat sich überlebt. Das sieht man schon daran, dass das Großraumflugzeug A380 mittlerweile ein Auslaufmodell ist. Ich hoffe, dass es uns vor dem Hintergrund der Pandemie gelingt, Politiker und Vorstandsmitglieder von dieser Idee zu überzeugen.

Interview: Andrea Rost

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