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Wenn das Arktis-Eis schmilzt, hat das für die ganze Welt schwerwiegende Folgen.
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Wenn das Arktis-Eis schmilzt, hat das für die ganze Welt schwerwiegende Folgen.

Klimakrise

Rhein-Main: „Für unsere Enkelkinder wird’s eng“

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Aber der Kampf ums Klima kann unsere Welt auch besser machen, ist sich ein fachkundiges Podium aus Forschung und Politik einig – und macht konkrete Vorschläge.

Auch die Klügsten haben manchmal Zweifel, ob wir das noch schaffen mit dem Klima. Ja, es gebe Momente, die ihr Angst machten, sagt Claudia Kammann, Professorin für Klimafolgenforschung an der Hochschule Geisenheim. Wenn sie etwa Forschungsergebnisse lese, wonach das Arktiseis schon mehr CO2 freisetzt als es einbindet, oder wenn sie die enormen Waldbrände in Australien betrachte.

Er sei immer noch Optimist, aber es könne einem schon mulmig werden, sagt auch Volker Mosbrugger, früherer Generaldirektor der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. „Der Mensch reagiert erst, wenn es wehtut“, sagt er. „Hätten wir zehn oder zwanzig Jahre früher angefangen, wäre es jetzt deutlich einfacher.“

Auf Einladung der hessischen Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) sprechen die Fachleute am Dienstagabend über das Thema „Klima – Hysterie oder Krise?“, das Publikum schaut online auf Youtube zu. Auch sie habe manchmal große Sorge, es seien „viele Pseudofakten unterwegs“, sagt Dorn, aber sie wisse, dass wir es schaffen können: „Die Wissenschaft hat immer die komplexeren Antworten. Wir müssen uns Zeit nehmen, sie zu verstehen – sie liefern den Weg zur Lösung.“

„Hysterie hat keinen Platz hier“, sagt Mosbrugger. Als Vater habe er aber durchaus Sorge: „Für unsere Kinder und Enkelkinder wird’s schon eng.“ Von häufigeren und heftigeren Stürmen kündet Claudia Kammann, von versalzenem Grundwasser durch die steigenden Meeresspiegel, wenn wir die Klimaerwärmung nicht eindämmen.

Wie schnell das alles kommen wird, wie schnell Permafrostböden auftauen und das Grönland-eis schwindet, das wüssten wir heute noch nicht sicher, sagt Mosbrugger: „Kein Mensch kann das vorhersagen. Aber die Sorge gebietet, so vorsichtig wie möglich zu sein.“ Wenn wir nichts tun, erklärt er, könnte der Meeresspiegel um einen Meter ansteigen – „dann müssten wir 190 Millionen Menschen umsiedeln, das ist halb Europa. Dagegen sind die bisherigen Flüchtlingsbewegungen Peanuts.“ Und das sei die moderate Berechnung. Im schlimmsten Fall sei sogar mit 600 Millionen Klimaflüchtlingen zu rechnen.

In den Wäldern, im Taunus, seien die Folgen des Klimawandels schon allzu präsent, sind sich die drei Fachleute einig. Aber sie stimmen auch darin überein, dass es nicht zu spät sei. „Es gibt mehr Potenzial, als wir denken“, sagt Claudia Kammann. „Manchmal müssen wir uns einfach mehr trauen.“ Beim Weinbau etwa, den abrutschende Hänge wegen der starken Regenfälle erschüttern, gebe es längst Lösungsansätze mit Querterrassen. Solche neuen Ansätze würden aber politisch noch längst nicht genug gefördert. „Nicht jeder Weg führt gleich zum Ziel“, sagt Kammann, „aber wichtig ist: Wir müssen uns auf den Weg machen.“

„Es geht um ein besseres Leben“, sagt Mosbrugger. Nicht der Urlaub im Paradies – „das Paradies hier bei uns zu Hause zu bauen, das muss das Ziel sein“. Das bessere Leben sei auch, „wenn ich aufbreche, einfach wieder Mensch zu sein“. Dazu könne durchaus gehören, sehr gutes Fleisch von sorgsam gehüteten Rindern zu essen. Das werde dann doppelt so teuer sein, aber wer nur noch die Hälfte seines heutigen Fleischverbrauchs esse, komme finanziell aufs Gleiche raus – „und alle haben etwas davon. Es geht auch um Gerechtigkeit“. Mut haben, anpacken, rät er: „Es wird dadurch nicht schlechter, es wird besser.“

„Wir werden die Transformation nur schaffen, wenn wir ganz viele Menschen überzeugen“, sagt Angela Dorn, „und wenn wir verstehen, warum sich Menschen von den Veränderungen bedroht fühlen. Klimaschutz ist die einzige Chance, unsere Freiheit zu bewahren.“ Er schenke sogar mehr Freiheit: etwa mit einem Ein-Euro-Ticket für Bus und Bahn.

Claudia Kammann hat am Ende einen schönen Vergleich: Es sei ihre Verantwortung als Wissenschaftlerin, jemanden zu warnen, der aus einem fliegenden Flugzeug aussteigen will, weil er herunterfallen wird. „Am Ende ist es seine freie Entscheidung.“ Vor der Klimakatastrophe könne die Wissenschaft ebenfalls nur warnen – „aber entscheiden muss die Politik“.

Den Weg, auch da sind sich alle drei einig, können wir nur gemeinsam gehen: Forschung, Politik – und Bevölkerung. „Wir sind selbst schuld“, sagt Mosbrugger, „wir, die Wähler.“

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