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Rhein-Main: Film von Kasseler Regisseurin feiert Premiere

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Von: Andreas Hartmann

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Antonia Kilian hat mit ihrem ersten Langfilm zahlreiche Preise gewonnen.
Antonia Kilian hat mit ihrem ersten Langfilm zahlreiche Preise gewonnen. © Catherine Lieser

Die Filmemacherin Antonia Kilian stellt ihren Streifen in mehreren Kinos persönlich vor.

Kunst lebt oft von Zufällen. Als die Kasseler Filmemacherin Antonia Kilian im Sommer 2016 die damals 19-jährige Kurdin Hala traf, lag hinter beiden schon ein weiter Weg – geografisch für die eine, mental für die andere. Kilian war gerade erst von Deutschland aus über verschlungene Routen in die nordsyrische kurdische Autonomieregion Rojava gelangt, Hala einer von der Familie verordneten Zwangsehe in ihrem von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) besetzten Heimatort Minbij (Manbidsch) entflohen. Beide verstanden sich auf Anhieb.

„Hala wollte unbedingt ihre Geschichte erzählen“, erinnert sich die Regisseurin, Produzentin und Kamerafrau, die schon vor ihrer Reise Teil einer Solidaritätsbewegung für Rojava war. Es ist die Geschichte einer starken, selbstbewussten Frau, einer Kriegerin, die sich nicht unterordnen will, die Widerstand leistet gegen Assads Truppen und gegen den IS, aber auch gegen starre Rollen in der Familie, die Frauen keine Luft zum Atmen, wenige Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben lassen. „Sie ist ein widerspenstiger Charakter, stark und voller positiver Energie. Das ist ganz toll“, sagt Kilian.

ZUR PERSON

„The other side of the river – no women no revolution“, der erste abendfüllende Dokumentarfilm der Kasseler Regisseurin Antonia Kilian über selbstbewusste kurdische Kriegerinnen im Nordirak, kommt bundesweit am 27. Januar in die Kinos.

Im Rhein-Main-Gebiet stellt die 35-Jährige ihren Film, der im vergangenen Jahr den Hessischen Filmpreis gewann, auch persönlich vor. In Frankfurt ist sie am Freitag, 28. Januar, im „Mal Seh’n Kino“ zu Gast, danach im Traumstern in Lich, im Filmkunsttheater Marburg und im Filmklub Offenbach. In Bad Soden zeigt sie ihren Film am Montag, 31. Januar, im „Casablanca“ und diskutiert mit den Zuschauer:innen.

Wer das verpasst: Das Filmforum Frankfurt-Höchst zeigt den Film ebenfalls und hat Kilian für Samstag, 12. Februar, 18 Uhr, eingeladen – hier wird sie aber nur online zugeschaltet. aph

Die Region, in der Kilians Film „The other side of the river – No women no revolution“ (Die andere Seite des Flusses. Keine Frauen, keine Revolution) entstand, hat in den vergangenen Jahren viele schreckliche Schlagzeilen gemacht, es ging praktisch ausschließlich um Gewalt und unfassbar brutale Kriegsverbrechen, religiösen Fanatismus, Folter und Mord. Millionen Menschen sind geflohen. Und dennoch scheint zwischen den Fronten ein emanzipiertes, selbstbestimmtes Leben möglich zu sein, wie die junge Kurdin den Zuschauer:innen des Dokumentarfilms zeigen kann. Die Regisseurin durfte mit der Kamera dabei sein, von der militärischen Ausbildung bis zur Eroberung Minbijs. „Sie war unfassbar glücklich, dass ich sie dorthin begleitet habe“, sagt Kilian. Hala hat sich bis heute nicht unterkriegen lassen, Kilian und sie schreiben sich regelmäßig.

Fühlt man sich da nicht ständig unwohl, wenn man aus dem friedlichen Deutschland nach Nordostsyrien reist, mitten in ein Kampfgebiet, um dort zu arbeiten? „Klar, die Angst war da, aber meine Neugier größer“, sagt die Regisseurin. „Natürlich ist es unfassbar schwierig, in einem Kriegsgebiet zu leben. Ich hatte so viele Fragen und so viele Zweifel. Aber die waren ein wichtiger Teil des Prozesses. Ich wollte mehr verstehen, und ich wollte realere Bilder.“ Schließlich blieb Kilian ein Jahr lang in der Region, drehte auf den Spuren ihrer Protagonistin Hala, schloss viele Freundschaften und lernte Kurdisch.

Die Dreharbeiten waren nicht nur gefährlich, sondern oft auch umständlich, wie Kilian erlebt hat. „Dinge, die hier in Deutschland ganz banal sind, funktionieren dort nicht, der Strom fällt immer wieder aus, so kann man das Laptop nicht laden. Um einen Generator oder einen Internetzugang zu finden, muss man lange Reisen machen.“

Mit ihrem ersten großen Dokumentarfilm hat die Regisseurin 2021 gleich den Hessischen Filmpreis gewonnen – er ist nur eine von zahlreichen internationalen Auszeichnungen. Der Film lief bereits unter anderem bei Festivals in den USA, Russland, Finnland, Italien, der Ukraine, Dänemark und Brasilien.

Die Kurdin Hala kämpft gegen den IS in Syrien. Filmemacherin Antonia Kilian begleitete sie mit der Kamera.
Die Kurdin Hala kämpft gegen den IS in Syrien. Filmemacherin Antonia Kilian begleitete sie mit der Kamera. © jip film & verleih

Am 27. Januar kommt er in die Kinos, und im Rhein-Main-Gebiet stellt ihn Kilian auch selbst vor und freut sich, wie sie sagt, schon sehr auf die Gespräche mit dem Publikum. „Das ist ein Film für die große Leinwand. Das wirkt ganz anders als im Fernsehen“, sagt sie. „Wir wollen doch die Leute ins Kino holen und die Kinokultur bewahren.“

Und da kommen nun wieder die Zufälle ins Spiel: Kinokultur wird auch in Rojava hochgehalten (und übrigens auch von einem Frankfurter Verein unterstützt), und die Organisator:innen der im Sommer beginnenden Documenta 15 haben die „Filmkommune von Rojava“ eingeladen, wie Kilian begeistert berichtet.

„Das ist wirklich unglaublich! Mein Film ist in Kooperation mit dem Filmkollektiv entstanden und wird auch auf der Documenta gezeigt werden.“

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