Verkehr

Rhein-Main: Einfacher mit Bus und Bahn unterwegs

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Der RMV modernisiert seine App. Das ist nicht das einzige Digitalprojekt, für das er die 30 Millionen Euro vom Bund verwendet.

Der Fahrkartenautomat verliert zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen greifen stattdessen zum Smartphone. 22,2 Millionen Euro hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) im vergangenen Jahre mit E-Tickets eingenommen – fast die Hälfte seines Umsatzes. Der Verbund reagiert darauf mit weiteren digitalen Angeboten und einer völlig neuen App mit modernem Design und einfacher Führung. Mit mehr als 30 Millionen Euro fördert der Bund Digitalprojekte des RMV. Wir stellen vor, wofür der Verbund dieses Geld unter anderem einsetzt:

Sammelkarte/ZehnerkarteImmer wieder gefragt, jetzt soll sie kommen – allerdings nicht in Papierform. „RMV-PrepaidRabatt“ heißt das neue Produkt für Gelegenheitsfahrer, die immerhin ein Viertel der Gesamtkundschaft des RMV ausmachen. Die zahlen einmalig 40 Euro und bekommen auf jede Einzelfahrt 20 Prozent Rabatt – das Ziel kann jeweils ein anderes sein. Erhältlich ist sie einzig über die RMV-App. Das erspart das Aufstellen von Entwertern. Beginn: erstes Halbjahr.

Mobilität aus einer HandInformieren, buchen, bezahlen. Das ermöglicht die RMV-App auch für andere Mobilitätsleister wie Anbieter von Carsharing, E-Scooter oder Leihrädern. Beginn: mit der neuen App im vierten Quartal.

InformationNichts ist so ärgerlich, wie nicht zu wissen, wann es weitergeht. Bei Störungen widersprechen sich oft die Angaben der Deutschen Bahn (DB) an den Stationsanzeigen, im Internet und im Zug. Ein neues Informationssystem soll Besserung bringen, das betrifft auch die S-Bahn Rhein-Main. Beginn: zweites Halbjahr.

Zehn-Minuten-GarantieBei Verspätungen von mehr als zehn Minuten gibt es Geld zurück. Pro Monat gehen zwischen 90 000 und 110 000 Anträgen beim RMV ein. 90 Prozent betreffen den Schienenverkehr, vor allem die chronisch unpünktlichen S-Bahn-Linien 1, 2, 8 und 9 sowie die Kinzigtalbahn. Nachdem der RMV die Modalitäten verändert hatte, ist der Missbrauch der Garantie zurückgegangen. Es gibt ihn aber noch immer. 90 Prozent der Anträge kommen von Zeitkartenkunden, und ihnen soll das Reklamieren künftig erleichtert werden. Gedacht ist an eine automatisierte Form, bei der man nicht jedes Mal komplett alles ausfüllen muss. Eventuell auch eine Alternative zum derzeitigen Auszahlen, das nur an Mobilitätsstationen möglich ist. Beginn: noch offen.

WLANKostenfreies Internet gibt es im Regionalverkehr in den Netzen Südhessen-Untermain, Main-Neckar-Ried, Süwex und Dreieichbahn. Seit dem ersten Quartal 2019 gibt es an allen 630 Fahrkartenautomaten WLAN, seit dem dritten in sämtlichen S-Bahnen. Von den Schnellbuslinien ist lediglich die X17 ausgestattet. Bis Ende 2021 sollen alle anderen Linien folgen. Auch der Regionalverkehr wird sukzessive ausgerüstet. Nächster Schritt ist die Taunusstrecke (RB20 – Frankfurt-Limburg). Beginn: erstes Quartal.

On DemandHinter dem Fremdwort verbirgt sich die Weiterentwicklung des Anrufsammeltaxis. Nur dass dieses Verkehrsmittel, das kleiner als der herkömmliche Bus ist, direkt vor die Haustür fährt und online buchbar ist. Womöglich kommen auch autonome Fahrzeuge zum Einsatz, wie sie derzeit am gesperrten Frankfurter Mainufer im Test sind. On demand, heißt es, ergänze den ÖPNV, diene als Zubringer und schaffe speziell für den ländlichen Raum ein passgenaues Angebot. Zehn Partner hat der RMV dafür gewonnen: der Landkreis Offenbach ist der Pilot, dort fiel bereits der Startschuss. Mit dabei sind außerdem die Städte Frankfurt, Wiesbaden, Hofheim, Kelsterbach, Hanau, Limburg, Taunusstein sowie der Landkreis Darmstadt-Dieburg. Die Partner organisieren den Verkehr, der RMV stellt die Plattform zum Informieren, Buchen und Bezahlen zur Verfügung. Der Bund fördert das Projekt mit 20 Millionen Euro. Schrittweiser Beginn: Ende 2020.

Mit der heimischen App bundesweit unterwegs„Mobility inside“ heißt die in Frankfurt neu gegründete Plattform mit aktuell zehn Mitgliedern – Verkehrsverbünde und die Deutsche Bahn. Schon jetzt ist es möglich, mit der RMV-App die Fahrt vom Frankfurter Zoo bis zum Münchner Oktoberfest zu buchen – per Bus, ICE oder S-Bahn. Auch Sharingangebote, Taxis und On-Demand-Verkehr sind buchbar und bezahlbar. Die Pilot-App wird seit Herbst von 1900 Probanden in Deutschland getestet, die Gesellschaft wurde Mitte Dezember gegründet. Der Bund fördert das Projekt mit mehr als 10 Millionen Euro. Breite Markteinführung: im Jahr 2021.

Und was bringt die weitere Zukunft?Womöglich ist schon im Jahr 2025 die Marke von einer Milliarde Fahrgäste geknackt. Der RMV will weiter wachsen, sein Angebot erweitern, auch bessere Qualität bieten. Ziel ist es, neue Infrastrukturprojekte schneller voranzutreiben, einfache und passgenaue Tarife für alle zu schaffen, die Möglichkeiten neuer Mobilitätsangebote zu nutzen. Mehr Elektrifizierungen und Einsatz klimaneutraler Antriebstechnologien stehen ganz oben auf der Agenda. „Wir befinden uns bereits mitten in der Verkehrswende“, sagt Geschäftsführer Knut Ringat. So stieg die Zahl der Fahrten im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2018 um 17 Millionen auf 805 Millionen. Mehr als elf Millionen Autofahrten wurden dadurch eingespart und damit rund 16 000 Tonnen CO2.

Masterplan 2030Aktuell ist der Plan im Anhörungsverfahren, mit der Veröffentlichung ist Ende 2020 zu rechnen. Er sieht den Ausbau der Schieneninfrastruktur im gesamten RMV-Gebiet vor: 200 Kilometer mehr Gleise, 30 Prozent mehr Fahrten und die barrierefreie Modernisierung von 100 Stationen. Damit würde die Zahl auf 300 steigen, 100 wären weiterhin nicht barrierefrei.

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