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Rhein-Main: Deutsch lernen in den Sommerferien

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Von: Levin Horst

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Im Stuhlkreis arbeiten die Trainerin und die Teilnehmenden an einem Theaterstück.
Im Stuhlkreis arbeiten die Trainerin und die Teilnehmenden an einem Theaterstück. Rolf Oeser © Rolf Oeser

750 Kinder verbessern beim Projekt Deutschsommer ihre Sprache. Förderung durch das Land ermöglicht Ausweitung des Projekts

Vorhang auf, Bühne frei!“, ruft und klatscht es in einem Klassenzimmer der Textorschule in Sachsenhausen. Sechs Kinder in den Kostümen von Rosie und Moussa aus der gleichnamigen Kinderlektüre von Michael de Cock betreten die Bühne. Verjagt werden sie von dem meckernden Herrn Tak, der ebenfalls von einem Kind gespielt wird. Diese Intensivklasse lernt abwechselnd Deutsch und Theater anhand einer Lektüre, aus der sie ein Stück entwickeln. Spielerisch sollen sie so ihre Deutschkenntnisse ausbauen.

Der Deutschsommer ist ein Sprachförderprojekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt, das seit 16 Jahren mittlerweile in 20 Städten in ganz Hessen stattfindet. In diesem Jahr nehmen rund 750 Kinder an dem dreiwöchigen Freizeitprogramm teil, um sich mit der deutschen Sprache zu befassen. Das Projekt richte sich an Drittklässler:innen, die auf die „wegweisende vierte Klasse“ vorbereitet werden sollen, so die Stiftung. Ein zusätzliches Angebot seien die Intensivklassen, die von Kindern besucht werden, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben. Als weiteres Ziel soll durch Tablets die Medienkompetenz der Kinder gestärkt werden.

„Mit dem Deutschsommer nutzen wir die Hälfte der langen Sommerferien, um mit viel Spaß sprachliche Defizite im Deutschen auszugleichen“, sagt Roland Kaehlbrandt, Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Das Motto der Stiftung sei „Tun, was fehlt und nützt“. Durch die zunehmende Zuwanderung gebe es einen großen Bedarf an sprachlicher Förderung, so Kaehlbrandt. Seit 2018 bekommt der Deutschsommer Rückenwind vom Hessischen Kultusministerium, wodurch sich das Projekt jährlich an neuen Standorten in Hessen ausbreiten kann. Rund 30 angeworbene Pädagog:innen arbeiten mit den Schüler:innen daran, ihren Wortschatz und Satzbau zu verbessern. „Das Theater fördert auch Disziplin, Kreativität und Teamfähigkeit“, sagt Oliver Beddies, Bereichsleiter Bildung der Stiftung.

Kenzo, der im vergangenen September mit seiner Familie aus Kamerun nach Deutschland gekommen ist, freut sich auf das Lernen: „Ich kann Deutsch schon, aber noch nicht alles“, sagt er. Auch Niva, die aus Indien kommt und seit eineinhalb Jahren hier lebt, zeigt sich ehrgeizig: „Deutsch ist nicht so schwierig.“ Ihre Deutschlehrerin Eva Gruhn ist stolz. Die Kinder weisen sie sogar schon auf Fehler an der Tafel hin.

Der Sprachkurs kostet die Eltern inklusive Verpflegung 50 Euro. Den Rest übernimmt das Dezernat für Bildung.

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