Hessen

Rhein-Main braucht Wohnungen

  • Pitt v. Bebenburg
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Hessens Wirtschaftsminister Al-Wazir schätzt Bedarf bis 2040 auf mehr als 300 000 Wohneinheiten rund um Frankfurt. Doch der Neubau-Bedarf ist nicht ganz so hoch wie noch vor vier Jahren angenommen

Im Rhein-Main-Gebiet werden immer mehr Wohnungen benötigt, insbesondere weil Menschen aus anderen Teilen Deutschlands und dem Ausland zuwandern. Außerdem wohnen immer mehr Menschen allein, wodurch der Bedarf an Wohnungen ebenfalls wächst.

Beide Trends fallen aber nicht so stark aus wie früher erwartet. Der Bedarf an neuen Wohnungen bleibt zwar riesig. Aber er ist nicht ganz so groß wie noch vor vier Jahren vermutet.

Das geht aus der Prognose für den Wohnungsbedarf hervor, die Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Montag in Wiesbaden vorstellte. „Besonders in den Städten wird die Bevölkerung in den kommenden zwei Jahrzehnten weiter zunehmen“, sagte er. Darum fehlten vor allem in Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Offenbach, aber auch in Kassel Wohnungen.

In Hessen müssten in den nächsten 20 Jahren im Schnitt 16 000 Wohnungen gebaut werden, um dem Bedarf gerecht zu werden, heißt es in der Prognose des Instituts für Wohnen und Umwelt – die allermeisten davon in Südhessen. In seiner Vorhersage von 2016 hatte das selbe Institut noch einen Bedarf von fast 20 000 Wohnungen pro Jahr errechnet.

Grosser Frankfurter Bogen

Besondere Landesförderung für den Wohnungsbau und die Gestaltung des Wohnumfeldes steht Kommunen im „Großen Frankfurter Bogen“ zur Verfügung. Er umfasst die Städte und Gemeinden, die maximal 30 Bahnminuten von Frankfurt entfernt liegen. 30 Kommunen beteiligen sich bisher mit Bauprojekten an diesem Programm. 55 Städte und Gemeinden wären wegen der Entfernung zu Frankfurt dazu berechtigt. Frankfurt, Wiesbaden, Bad Homburg und andere Kommunen sind bisher nicht mit von der Partie, anders als Darmstadt und Offenbach. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geht davon aus, dass einige folgen werden. „Unsere Tür steht offen“, versicherte er am Montag. pit

Von 367 000 Wohneinheiten, die nach Auffassung des Instituts bis 2040 gebraucht werden, müssten allein 307 000 in und um Frankfurt entstehen, nämlich im Regierungsbezirk Darmstadt. In Mittelhessen würden 33 000 weitere Wohnungen benötigt, vor allem in und um Marburg. In Nordhessen sind es 27 000, vor allem in Kassel.

Rechnerisch entstehen in Hessen bereits die benötigten gut 16 000 Wohnungen pro Jahr. Doch es liegen nicht genug davon in der Rhein-Main-Region.

Wirtschaftsminister Al-Wazir steuert dagegen, indem er den Wohnungsbau rund um Frankfurt unterstützt. Bei dem von ihm ausgerufenen „Großen Frankfurter Bogen“ werden Kommunen einbezogen, von denen der Frankfurter Hauptbahnhof in höchstens 30 Minuten per Bahn zu erreichen ist.

Die FDP stört sich daran, dass das Projekt ausschließlich die Bahnverbindung zur Grundlage nimmt. „Wo die Bevölkerung wächst, müssen auch Straßen gebaut werden“, forderte der FDP-Wirtschaftspolitiker Jürgen Lenders. Alles andere sei „realitätsfern“. Der Linken-Fraktionsvize Jan Schalauske forderte, das Land müsse ein Sofortprogramm für 10 000 neue Sozialwohnungen pro Jahr anstoßen.

In Al-Wazirs Pressekonferenz in Wiesbaden stellten Vertreterinnen und Vertreter aus Darmstadt, Hanau, Karben und Erzhausen ihre Bauprojekte vor. Oft werden dabei ehemalige Kasernengelände und andere Areale als Wohngebiete entwickelt, ohne dass Landschaft versiegelt werden muss. Zudem entwickeln die Kommunalpolitiker Konzepte für klimafreundliches Bauen, innovative Mobilität und gemeinschaftliche Wohnformen.

Darmstadt geht nach Angaben seines Oberbürgermeisters Jochen Partsch (Grüne) davon aus, bis 2040 noch einmal um rund 20 000 Einwohnerinnen und Einwohner auf 180 000 Menschen zu wachsen. So groß sei der Zuwachs bereits in den vorigen zehn Jahren gewesen.

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