Stadtentwicklung

Rewe darf in Wölfersheim bauen

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Die Mehrheit der Gemeindevertreter in Wölfersheim stimmt für den Bebauungsplan zum umstrittenen Lager. Echzell wird Klage einreichen, der BUND kündigt weiter Widerstand an.

Die Mehrheit der Gemeindevertreter hat am Donnerstagabend dem Bebauungsplan zum umstrittenen Rewe-Lager zugestimmt. Die Fraktion der Grünen und ein Vertreter der Freien Wähler votierten gegen das Vorhaben, heißt es aus dem Rathaus. Vor der Sitzung protestierten knapp hundert Personen gegen das riesige Logistikzentrum auf 30 Hektar landwirtschaftlicher Fläche – nicht zuletzt, weil damit hervorragender Ackerboden verschwindet. Erleichterung war denn am Freitag bei Bürgermeister Eike See (SPD) auch nicht herauszuhören. Der Widerstand geht weiter.

Wegen der Entscheidung wird nun die unmittelbar betroffene Nachbargemeinde Echzell Klage beim Verwaltungsgericht einreichen. „Vor Wochen wurde hierzu bereits ein einstimmiger Beschluss in der Gemeindevertretung gefasst“, sagt Bürgermeister Wilfried Mogk (parteilos).

Er betont, dass man in Echzell nicht grundsätzlich gegen das Lager sei, doch der Ort sei der falsche. Neben der starken Einengung der eigenen Gemeindeentwicklung und dem Imageschaden sieht man sich einer ungeklärten Verkehrsbelastung ausgesetzt. In dem Verkehrsgutachten sei Echzell ausgespart worden, so Mogk. Mit Rewe würden auf der jetzigen B455 wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens drei Ampelanlagen installiert. In den Spitzenzeiten würden Pendler den Weg durch Echzell nehmen, um den Stau an den Ampeln zu umfahren, sagt Mogk. Auch habe Rewe nicht zusichern können, dass Fremdlieferanten einen Bogen um Echzell fahren werden.

Mehr als 500 Rewe-Filialen sollen einmal von Wölfersheim aus mit Waren bestückt werden, so Rewe Mitte.

Das Gebäude auf dem 300.000 Quadratmeter großen Grundstück soll im Endausbau rund 110 000 Quadratmeter Lagerfläche haben. Zu den Abmessungen gibt Rewe bislang nur eine Höhe von bis zu 36 Metern an. Das Lager wird voraussichtlich mehr als 600 Meter lang und rund 180 Meter breit werden.

Das Verkehrsaufkommen wird auf 2000 Auto- und 1500 Lkw-Bewegungen am Tag geschätzt.  

Offene Fragen gebe es auch bei der Fließgewässerbelastung durch den entstehenden Feinstaub vom Parkplatz für mehr als 200 Lastwagen. Und nicht zuletzt: „Es wird der nächsten Generation bester Ackerboden genommen, um einen kurzfristigen Vorteil zu haben.“ Der Boden habe die überragende Fähigkeit, Wasser zu speichern, was angesichts des Klimawandels von wachsender Bedeutung sei. Alle diese Einwände sollen in der Klageschrift Eingang finden, so Mogk.

Der BUND Wetterau gab bekannt, mit einem gerichtlichen Eilantrag die Umsetzung des Bebauungsplans bis zur Entscheidung im Berufungsverfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel zu stoppen. Die Umweltorganisation klagt wegen der Zielabweichung im Regionalplan Südhessen zugunsten des Rewe-Logistikzentrums. Das knapp 40 Fußballfelder große Gelände für das Lager sei im Regionalplan als Vorrangfläche für die landwirtschaftliche Nutzung eingetragen. Werner Neumann, Mitglied im BUND-Landesvorstand und Vorsitzender des Kreisverbands Wetterau, sagte, durch den Eilantrag wolle man verhindern, dass vor dem Entscheid im Berufungsverfahren Tatsachen geschaffen würden. Bis die Berufung durch sei, könne nämlich mehr als ein Jahr vergehen, sagt er.

Auch nach dem Wölfersheimer Gemeindebeschluss werden die Bagger ohnehin noch warten müssen. Das Regierungspräsidium Darmstadt muss dem Satzungsbeschluss noch sein Placet geben, dazu hat das RP bis zu drei Monate Zeit, heißt es aus Darmstadt. Die Kammer des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main hat im April der Änderung im Regionalen Flächennutzungsplan zugestimmt, mit Votum von SPD, CDU und der Unabhängigen Gruppe, gegen die Grünen.

Sobald der RP grünes Licht gibt, soll laut Bürgermeister See der wertvolle Ackerboden verlagert werden. Dazu werde eine 50 Zentimeter starke Schicht abgetragen. Der Boden komme auf Felder, die einst im Zuge des Kohlebergbaus aufgefüllt wurden, in den Ortsteilen Berstadt und Wohnbach. Erst dann werde die Infrastruktur gelegt, so See. Der Umbau der B455 zur Autobahn laufe in Abstimmung mit Hessen Mobil. Die Kosten übernehme Rewe, sagt See. Laut Anja Krauskopf, Pressesprecherin von Rewe Mitte, steht der Baubeginn für 2020 fest.

Das bisherige Lager in Rosbach werde die zum Konzern gehörende Kette Penny übernehmen, die dort bereits ein Depot betreibe. In Hungen sollen Verwaltung und Werbung bleiben. Das Lager werde auch von Toom-Baumarkt genutzt, ebenfalls eine Rewe-Tochter.

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