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Rettungsdienst am Limit

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Viele Bagatelleinsätze und Personalmangel belasten das DRK

HOCHTAUNUS - Die Rettungsdienste arbeiten bundesweit am Limit. Steigende Einsatzzahlen, immer mehr Bagatellfälle, die keiner Klinikeinweisung bedürfen, aber wertvolle Kapazitäten blockieren, dazu fehlendes Personal - in vielen Bereichen der Republik droht der Zusammenbruch eines über Jahrzehnte funktionierenden Systems. Auch im Hochtaunus? „Beim DRK-Kreisverband hat man die Probleme im Fokus, sieht sich einem ganzen Bündel von Herausforderungen gegenüber, hat aber auch schon Lösungsansätze, wenngleich die ursächlichen Probleme primär auf Landes- und Bundesebene zu suchen sind“, heißt es von den DRK-Verantwortlichen.

J ürgen Banzer, Präsident des DRK-Kreisverbandes, beobachtet die Entwicklung im Rettungsdienst sehr besorgt, aber nicht panisch: „Wir wollen nicht schwarzmalen, aber da entwickelt sich gerade ein Problem für unseren hauptamtlichen Rettungsdienst.“ Das DRK, aber auch der Hochtaunuskreis als Träger des Rettungsdienstes, die Krankenkassen als Kostenträger, die Kassenärztliche Vereinigung, letztlich aber auch der Ärztliche Bereitschaftsdienst (ÄBD) müssten rechtzeitig geeignete, abgestimmte Maßnahmen in den Fokus nehmen und besonnen agieren, dass es nicht zum Kollaps komme, so Banzer.

Oben auf der Liste der Probleme stehe der seit ein paar Jahren anhaltende Anstieg der Einsatzzahlen, jährlich im mittleren dreistelligen Bereich, was sich in dieser Höhe weder mit dem Bevölkerungszuwachs noch mit Corona-Einsätzen erklären lasse. Genaue Zahlen kann das DRK nicht nennen, weil die gesetzlich zulässige Systematisierung der Indikationen dies nicht zulässt.

„ Unsere RTW-Besatzungen berichten aber immer häufiger, dass sie zu Patienten gerufen werden, deren Zustand oft keinerlei notfallmedizinische Versorgung erfordert - diese Bagatelleinsätze blockieren dann hochqualifizierte Helfer und Rettungsmittel, die an anderer Stelle vielleicht sehr viel dringender benötigt werden; das System stößt hier an seine Grenzen, zumal wir Patienten auch ohne notärztliche Einweisung in die Klinik fahren müssen, wenn sie das fordern“, erklärt Felix Seegert .

Besatzungen teils stundenlang unterwegs

M it einiger Sorge beobachtet DRK-Präsident Banzer auch, dass nicht nur die Einsatzzahlen extrem steigen, sondern dass die Einsätze auch immer länger dauern: Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen oder Erkrankungen müssten wegen knapper Bettenkapazität auf den Intensivstationen, aber auch wegen Fachpersonalmangel in den Kliniken nach Darmstadt, Marburg, Fulda oder sogar Kassel gebracht werden. „Für die Vorhaltung von Rettungsmitteln und Personal hier bei uns im Hochtaunus ist es in solchen Fällen natürlich ein Problem, wenn ein RTW mit Besatzung im Extremfall vier oder fünf Stunden unterwegs ist.“

E ntlastet werden könnte der notärztliche Rettungsdienst unter anderem durch das Pilotprojekt „Telenotarzt“, an dem der Rettungsdienst des DRK-Hochtaunus beteiligt ist: Dabei wird ein speziell ausgebildeter Notarzt via Live-Stream direkt mit der Besatzung im Rettungswagen verbunden. „Die Nachforderung eines arztbesetzten Rettungsmittels könnte sich dadurch wohl in vielen Fällen erübrigen. Wir beim DRK erhoffen uns dabei auch Entlastungen in der Versorgungsstruktur allgemein“, so Seegert. judo

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