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Der Turm wurde von dem Frankfurter Bankier Alfred von Neufville 1894 im mittelalterlichen Stil gebaut.

Baudenkmal

Rettung für den Neufvilleturm in Eppstein

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Die Stadt und der Verschönerungsverein gründen eine Stiftung, um Spenden für die Sanierung des 125 Jahre alten Denkmals zu sammeln.

Als „Lost Place“ – Verlorener Ort – könnte der Neufvilleturm in Eppstein Furore machen: Zu Fuß läuft man etwa einen Kilometer eine schmale Serpentinenstraße hinter dem Bahnhof hoch. Der Turm, den der Frankfurter Bankier Alfred von Neufville 1894 im Stil einer mittelalterlichen Ritterburg mit Bergfried und Zinnen hatte erbauen lassen, ist umwuchert von Bäumen und Buschwerk. Seit drei Jahren wohnt hier niemand mehr. Und an den Wochenenden wird auch nicht mehr Kaffee und Kuchen kredenzt. Das war zuvor die Bedingung, um das denkmalgeschützte Gemäuer, das seit den 1930er Jahren der Stadt gehört, mieten zu können. Nur ein paar weiße Gartentische, auf denen sich trockenes Laub angesammelt hat, stehen noch auf der bemoosten Terrasse. Von dem hölzernen Ausschank blättert die Farbe ab.

Jetzt soll eine Stiftung, die die Stadt Eppstein und der Verschönerungsverein gründen wollen, den Neufvilleturm vor dem endgültigen Verfall retten. Der Magistrat hat bereits zugestimmt, dass die Stadt 7500 Euro als Stiftungskapital zur Verfügung stellt. Mitte April entscheidet das Parlament.

Mindestens 300 000 Euro seien für die Sanierung des Turmes, der neben der mittelalterlichen Burg und dem klassizistischen Kaisertempel zu den historischen Highlights von Eppstein zählt, nötig, sagte die Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Claudia Piontke, gestern vor Journalisten. Vordringlich müsse das Walmdach hergerichtet werden. Auch die Küche im Neufvilleturm sei renovierungsbedürftig, ebenso der kleine Saalbau mit hölzerner Kassettendecke, in dem einst die Jagd- und Kunstsammlung der Frankfurter Bankiersfamilie untergebracht war. Elektrik und Heizung müssten überprüft, die Natursteinfassade ausgebessert werden. Einzig die Aussichtsplattform hat die Stadt im vergangenen Jahr für 15 000 Euro sanieren lassen. Wer die steile Wendeltreppe emporsteigt, dem liegt die Eppsteiner Altstadt zu Füßen und der Blick kann bis nach Königstein schweifen.

Der Eppsteiner Verschönerungsverein wurde 1879 gegründet. Er hat den Kaisertempel vor 125 Jahren errichten lassen und pflegt das Denkmal. Seit einigen Jahren kümmern sich die Vereinsmitglieder auch um den von Alfred von Neufville angelegten Bergpark Villa Anna, in dem der Neufvilleturm steht. Die Sanierung des 125 Jahre alten Turmes sei „ein spannendes Projekt“ für den Verein, sagte Claudia Piontke. „Wir knüpfen damit an frühere Zeiten an, als wohlhabende Bürger ihr Portemonnaie öffneten, um der Stadt etwas zurückzugeben. Das hat in Eppstein Tradition.“ Die Sanierung des Neufvilleturmes diene zudem als Marketinginstrument zur Mitgliederwerbung. „Wir suchen neue, junge Mitstreiter, die uns bei unseren vielfältigen Aufgaben unterstützen.“

Laut Bürgermeister Alexanders Simon (CDU) ist noch nicht entschieden, wie der Neufvilleturm künftig genutzt werden soll. Das Gebäude werde aber auf jeden Fall wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ideen für die Nutzung würden in einem Bürgerdialog gesammelt, kündigte Simon an.

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