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Rettung aus dem Becken

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Diese „Rettung“ war ein Kraftakt: Jonas Zillat (rechts) zog den im Wasser treibenden Sascha Ullrich aus dem Pool. kröner
Diese „Rettung“ war ein Kraftakt: Jonas Zillat (rechts) zog den im Wasser treibenden Sascha Ullrich aus dem Pool. kröner © Kröner

24-Stunden-Übung der Jugendfeuerwehr /„Bauchkribbeln“ und Müdigkeit zum Schluss

FLÖRSHEIM - Wenn er nach Hause kommt, wolle er gleich schlafen, erklärte Jonas (11). Die gleichaltrige Leonie konnte es ebenfalls kaum abwarten, daheim abzuschalten. „Auspacken, duschen und ausruhen“, beschrieb das Mädchen seine Pläne. Dass sich die Kinder ungewöhnlich müde fühlten, war nachvollziehbar. Die beiden Wickerer gehörten nämlich zu einer Jugendgruppe, die 24 anstrengende Stunden hinter sich gebracht hatte. Von Freitag auf Samstag lebten sie in ständiger Alarmbereitschaft in der Wickerer Feuerwache.

Die Feuerwehrmitglieder im Alter von 10 bis 16 Jahren erlebten zum ersten Mal das Gefühl, ständig auf Abruf zu sein - ein Zustand, der für die Erwachsenen in der Einsatzabteilung alltäglich ist. Während der 24-Stunden-Übung waren die Kinder und Jugendlichen auf Feldbetten im Gemeinschaftsraum der Feuerwache einquartiert. Ihr normaler Tagesablauf, der aus Sport, Spielen und Essen bestand, wurde immer wieder von überraschenden Übungen unterbrochen.

Die Jungen und Mädchen waren noch keine Stunde im Gerätehaus, als sie zum ersten Einsatz gerufen wurden. Noch vor dem Abendessen galt es am Freitag, eine Ölspur hinter der Goldbornhalle zu beseitigen. In den folgenden Stunden rückten die Jugendlichen unter anderem zu einem simulierten Wohnungsbrand, einer Personen-Suche und einem Verkehrsunfall aus. Selbst einen Fehlalarm hatten die Betreuerinnen sowie Betreuer im Tagesablauf eingeplant. Nicht zu wissen, was sie als nächstes erwartet, war ein ungewohntes Gefühl. „Man hat schon so ein Bauchkribbeln“, erzählte Leonie. Die Nacht habe sie nur im Halbschlaf verbracht.

Alle sechs Stunden wechselten die Aufgabenverteilung und die Rolle des Schichtführers oder Schichtführerin. Als letzter Einsatz stand eine Wasserrettung auf dem Programm. In einem privaten Garten fand die Feuerwehrjugend eine regungslose Person, die mit dem Gesicht nach unten in einem Pool trieb. Feuerwehrmann Sascha Ullrich spielte das Opfer. Als Schichtführer hatte Jonas die Aufgabe, angeseilt im Taucheranzug ins Wasser zu steigen und die Person zu retten.

Ullrich ließ sich von der jungen Einsatztruppe aus dem Wasser ziehen und auf eine Trage befördern. „Ich fand es cool, weil ich so einen Anzug noch nie anhatte“, erzählte Jonas im Anschluss. Obwohl er bis zum Oberkörper im Wasser stand, habe er nur feuchte Füße bekommen. Nach 24 Stunden Alarmbereitschaft war sich der 11-Jährige immer noch sicher, dass er künftig in die Einsatzabteilung wechseln möchte. „Es macht Spaß und man hilft anderen Leuten“, betonte Jonas. Dass Aktive der Feuerwehr die Unfallopfer und Vermissten spielten, hatte einen Sinn: „So bleibt der Überraschungsmoment erhalten“, erklärte die stellvertretende Jugendwartin Claudia Hochheimer. Wenn plötzlich drei Jugendbetreuerinnen oder Betreuer aus dem Gerätehaus verschwinden, könnten die Teilnehmer bereits ahnen, dass etwas passiert. „Dann ist es ja langweilig“, meinte die Wickerin. Schließlich wisse man normalerweise als Aktiver auch nicht, wann der Alarm ausgelöst wird. Von 95 Prozent der Einsätze werde man während der Freizeit überrascht.

Die 24-Stunden-Übung kehrte nach zwei Jahren Corona-Unterbrechung nun wieder erstmals zurück. Während der Pandemie seien einige Mitglieder der Jugendwehr abgesprungen, so Claudia Hochheimer. Vor allem diejenigen, die keine familiäre Verbindung zur Feuerwehr haben, seien nicht mehr wiedergekommen. Die Jugend werde aber ständig durch „Aufsteiger“ von den Minilöschern verstärkt.

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