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Der Baderaum in seinem heutigen Zustand.

Sanierung

Renovierung des Fürstenbads in Bad Nauheim

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Die Voruntersuchungen im Bauhaus 7 bringen alte Wandgestaltung zutage.

Mit den Ergebnissen der baulichen und kunsthistorischen Untersuchung des Fürstenbads im Badehaus 7 soll nun mit der Sanierung begonnen werden. „Nach historischem Vorbild“, sagt Frank Thielmann, Vorstand der Stiftung Sprudelhof. Eine Baugenehmigung liege bereits vor. Wie bei allen Sanierungsvorhaben in der Kuranlage Sprudelhof, die als eine der größten geschlossenen Jugendstilensembles gilt, wird der Jugendstilverein die Rekonstruktion finanziell unterstützen. Man geht von Kosten in Höhe eines mittleren fünfstelligen Betrages aus, heißt es.

In freigelegten Fenstern auf der oberen Farbschicht offenbart sich die ursprüngliche Wandgestaltung des Empfangsraums, allerdings verblasst und stark gealtert. Laut Thielmann wird der Fund die Vorlage für die Wiederherstellung bilden. „Wir gehen davon aus, dass das Original einfach mit Farbe überstrichen worden ist“, sagt er. Nach dem Krieg wurde das Fürstenbad als Wohnung und danach als Lager genutzt. Ein Restaurator habe nach der wiederentdeckten historischen Gestaltung auf einem Wandabschnitt über einer Tür ein Muster angelegt, aus flächig aufgebrachtem Königsblau durchzogen von Ornamenten.

Die Rekonstruktion wird durch „gute Fotografien“ unterstützt. Dass diese entsprechend ihrer Zeit in Schwarzweiß den Badebereich aus Eingangs- und Wartehalle sowie der großzügig geschnittenen Badezelle mit einer gemauerten Wanne zeigen, sei dabei nicht so sehr hinderlich. Mittlerweile gebe es fotografische Verfahren, auch aus den Grauwerten eines Bildes den korrespondieren Farbton zu ermitteln, so Thielmann. Überdies soll die Holzvertäfelung in der Eingangshalle aufbereitet werden.

Das Augenmerk bei der Sanierung des Fürstenbads ist auch auf den Untergrund gerichtet. Der gesamte Sprudelhof ruht auf einem Kellergeschoss, in dem die technische Infrastruktur untergebracht ist, ohne die Kurgästen zu stören. In der Hochzeit gab es an die 3000 Wannenanwendungen pro Tag.

Der Fußboden des Badehaus 7 besteht aus einer rund sieben Zentimeter starken Betondecke, heißt es. Die Eisenbewehrung darin sei von der einst ständig warme, feuchte und salzhaltige Kellerluft angegriffen worden. Denn dort floss die noch an die 30 Grad Celsius warme Sole aus den Wannen in einen offenen Kanal, um sie nach draußen zu befördern. Hinzu kam 1981 das verheerende Usa-Hochwasser, bei dem der Sprudelhof bis zu Fensterunterkante im Erdgeschoss überflutet worden ist.

Laut Thielmann verlangen die Spätfolgen jedoch keine kostspielige Bodenerneuerung. Entsprechend der Empfehlung eines Statikers soll der Boden des Fürstenbads von unten her verstärkt werden.

Welche Nutzung das Badehaus 7 samt dem Fürstenbad später erhalten wird, ist noch offen. Während etwa das gegenüberliegende Badehaus 2 mit den Neubau der Therme die Bereiche Sauna und Wellness, das Badehaus 3 Theater und Bibliothek aufnehmen werden, könnte das Haus 7 zu einem Museum werden.

Es gab einst vier Fürstenbäder auf den Sprudelhof. Erhalten ist es noch in den Badehäusern 2 und 7, nicht jedoch in 3 und 4, dort wurden sie ob der hohen Kurgastzahlen später zu normalen Badezellen umgebaut. Die Liste der einstigen Kurgäste vor dem Zweiten Weltkrieg liest sich wie das Who-is-who der Zeitgeschichte. Schauspieler, Großindustrielle und Monarchen suchten in den kohlensäurehaltigen Bädern Linderung von ihren Leiden. Laut Thielmann gibt es jedoch kein Verzeichnis, in dem festgehalten worden ist, wer wo in die Wanne stieg. Vermutlich aus Diskretion. Zarin Alexandra Fjodorowna etwa sei in der Kutsche bis an den Torbogen des Eingangs gefahren worden, wo zugezogene Vorhänge, den Blick auf die Monarchin verhinderten.

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