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Serie: Wappen der Stadtteile - Bergen-Enkheim

Reminiszenz an blutiges Handwerk

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Bergen-Enkheimer Schelme gedenken ihrer Vorfahren. Und dem Copyright des Mittelalters. Von Danijel Majic

Regenbögen, Radfelgen, vielleicht die allegorische Darstellung der beiden Ortsteile oder einfach der wenig kreative Versuch eines mittelalterlichen Adelsgeschlechts, sich ein standesgemäßes Erkennungszeichen zuzulegen? Das Bergen-Enkheimer Wappen bietet reichlich Interpretationsmöglichkeiten. Dabei gehört es unter den Frankfurter Stadtteilwappen mit zu den schlichtesten.

Weißer Grund, darauf zwei rote Kurven, die sich in der Mitte annähern, ohne einander zu berühren. Wie so oft in der Bergen-Enkheimer Geschichte, hat auch hier das ausgestorbene Geschlecht der "Schelme von Bergen" seine Hand im Spiel. Der "Schelm" war indes im Mittelalter alles andere als ein lustiger Geselle, wie es die heutige Verwendung des Begriffs nahelegt. Er war ein "Todbringer", im wörtlichen Sinne, genauer ein Henker.

Von einem solchen Scharfrichter, der der Sage nach von Kaiser Barbarossa geadelt worden sein soll, leiteten die Schelme von Bergen ihre Herkunft ab und waren durchaus stolz darauf, wie ihr Wappen zeigt. Denn nichts anderes als zwei menschliche Rippen sollen die beiden Kurven im Berger Wappen darstellen, eine Reminiszenz an das blutige Handwerk der Vorfahren.

Ein Fehltritt gebar den Schelm

Allerdings ist diese Deutung des Wappens nicht ganz unumstritten und wäre wohl im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, hätte sich nicht Ende des 14. Jahrhunderts ein gewisser Ritter Johann Schelm von Bergen im nahen Bonames einen spektakulären Fehltritt mit einer Bürgerlichen erlaubt.

Der illegitime Spross dieser Beziehung war von Natur aus mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet. Und er sah es gar nicht ein, seine Herkunft zu verschleiern. So trug der Spross nicht nur den Vornamen des Vaters "Johann", sondern legte sich auch den bürgerlichen Nachnamen "Schelm" zu.

Später brachte es Johann Schelm als Tuchhändler zu beträchtlichem Reichtum und wurde gar in den Rat der Stadt Frankfurt gewählt. Als Ratsmitglied brauchte er ein Wappen, und da er sich seiner Herkunft nicht schämte, lag der Rückgriff auf das väterliche Emblem nahe.

Doch schon das Mittelalter kannte eine Art "Copyright" und so schied das einfache Kopieren des Wappens aus. Also entwarf Johann Schelm, dem die Bedeutung der Symbole bekannt war, ein eigenes Wappen, dass statt der allegorischen Kurven tatsächlich menschliche Knochen zeigte. Seine Nachkommen spendeten später dem Frankfurter Dom den "Maria-Schlaf-Altar", den bis heute dieses Wappen ziert.

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