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Reisebüros erleben Boom

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Im Sonnenklar-Reisebüro beraten (v. l.) Alina Turano und Silvia Lindner Stammkundin Anja Simon und Jessica Stein. loni schuchardt (2) © Schuchardt

Wetterau - Die Reisebranche war von den Folgen der Corona-Krise besonders hart getroffen. Viele Reisebüros kämpften ums Überleben. Das hat sich inzwischen komplett geändert. Die Menschen wollen wieder Urlaub machen, und so erleben Reiseveranstalter und -büros derzeit einen wahren Buchungs-Boom.

Der Trend in Richtung Urlaub begann schon im Vorjahr. „2022 ist es von Monat zu Monat besser geworden“, sagt Manuela Jakobi-Stamm, Leiterin des Sonnenklar-Reisebüros in Bad Nauheim. Allerdings habe die Buchungswelle im Sommer letzten Jahres durch die Energiekrise einen kleinen Knick erlebt, sagt die Reisefachfrau.

Seitdem die Menschen ihre Kosten jedoch abschätzen können, haben die Buchungen deutlich angezogen. „Die Menschen sind urlaubsreif. Wer es kann, leistet sich jetzt wieder einen Urlaub“, sagt Reisebüroleiterin Jakobi-Stamm, die auf umfassende Beratung setzt und derzeit zusammen mit ihrem Team Termine vergibt, um dem Andrang, aber auch dem eigenen Anspruch gerecht zu werden.

Den bundesweiten Trend nach hochwertigen Reisen im höheren Preissegment bestätigen alle befragten Reisebüroleiter, so auch Jakobi-Stamm, die vor allem im Bereich der Fernreisen und Kreuzfahrten ein Plus verzeichnet. Auch Safaris sind derzeit hoch im Kurs. „Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen aktuell versuchen, die Reise ihres Lebens zu machen“, sagt Jakobi-Stamm, die noch etwas festgestellt hat: „Unsere Stammkunden sind so dankbar, dass wir noch da sind. Viele haben im Verlauf der Pandemie immer wieder gefragt, ob wir es schaffen werden, und wir haben es geschafft.“

Eine dieser Stammkunden ist die Niddaerin Anja Simon, die sich beim im Sonnenklar-Reisebüro zusammen mit Stieftochter Jessica Stein von Reisebüromitarbeiterin Alina Turano beraten lässt. „Wir planen einen Familienurlaub über Ostern in die Türkei“, erzählt Simon, die schon seit Jahren nach Bad Nauheim fährt, um ihren Urlaub im Sonnenklar-Reisebüro zu buchen.

Auch in den beiden Reisebüros von Frank Messerschmidt in Friedberg und Bad Nauheim geht die Tendenz nach oben. „Und dies trotz angestiegener Preise der Reiseveranstalter“, sagt Messerschmidt in seinem Friedberger Reisebüro, dass sein Vater bereits 1947 eröffnet hat.

Messerschmidt: „Ich bin für 2023 sehr positiv gestimmt, wenn nicht irgendwelche Widrigkeiten dazwischenkommen. Wir sind nun mal eine sehr sensible Branche.“ So erinnert Messerschmidt an die Pleite von Reiseveranstalter Thomas Cook sowie einiger Fluglinien, aber auch an die Folgen des Vulkanausbruchs in Island im Jahre 2010 und natürlich an die Folgen der Pandemie.

„Das hat uns und unsere Kunden immer wieder überraschend getroffen, aber wir haben alles gemeistert“, sagt der Reisespezialist, der sich freut, dass mehr Beratung vor Ort gefragt ist, auch bei jüngeren Menschen. Messerschmidt: „Es spricht sich so langsam herum, dass Internet nicht ,billig’ bedeutet, auch wenn dieser Irrglaube sich in vielen Köpfen festgesetzt hat.“

Ein Problem, das derzeit nicht nur in der Reisebranche grassiert, hat auch Messerschmidt: „Es fehlt qualifiziertes Personal, das ist kaum zu bekommen. Auch beim Nachwuchs sieht es nicht gut aus.“ Von den Stammkunden jedenfalls erhält Messerschmidt immer wieder viel Lob für die „Rundumbetreuung“, denn „mit vielen Kunden haben wir über die Jahre ein Vertrauensverhältnis aufgebaut“, sagt Messerschmidt.

Das ist auch im TUI-Reisebüro in Bad Nauheim nicht anders. „Im letzten Jahr ist die Nachfrage stark angestiegen, und das setzt sich in diesem Jahr fort“, sagt Büroleiter Thomas Keil, während alle anwesenden Mitarbeiter gerade Beratungsgespräche führen.

Keil ist aufgefallen, dass immer kurzfristiger gebucht wird und dazu mehr Anfragen per E-Mail oder am Telefon kommen. Keil: „Wir richten uns da ganz nach dem Kommunikationsweg, den der Kunde möchte.“ Der Trend nach Reisen im höheren Preissegment ist auch bei TUI spürbar, jedoch werden Angebote wie Kinderfestpreise und vor allem „all inclusive“ gerne genutzt. „Der Kunde will vorher wissen, was sein kompletter Urlaub kostet. Das ist besonders bei Familien der Fall“, sagt Keil, der auch eine Zunahme bei Städtereisen und Ferienwohnungen sowie dem Urlaub mit dem eigenen Pkw registriert hat. Das Fazit von Keil fällt daher kurz und bündig aus: „Urlaub ist nach wie vor gefragt, und das trotz widriger Umstände.“

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Reisekaufmann Frank Messerschmidt aus Friedberg blickt positiv in das Jahr 2023. © Harald Schuchardt

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