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Reine Männersache

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Zur Zeit Shakespeares wurden auf dem Theater auch die Frauenrollen von Männern gespielt. Frauen auf der Bühne, das galt als unanständig, gar lästerlich.

Von WILHELM ROTH

Zur Zeit Shakespeares wurden auf dem Theater auch die Frauenrollen von Männern gespielt. Frauen auf der Bühne, das galt als unanständig, gar lästerlich. Dieses gesellschaftliche Diktum hatte ganz offensichtliche Nachteile zur Folge. Es entwickelte sich aber auch die mimische Unterkategorie des "boy actor", wodurch Frauenrollen besetzt werden konnten. Das hat sich längst geändert, der "boy actor" ist Historie.

Aber für die neue "Othello"-Produktion des Frankfurter Schauspiels hat sich Regisseurin Simone Blattner nun für ein reines Männerensemble entschieden. Und das Wichtigste gleich vorweg: Bert Tischendorf spielt Othellos Gattin Desdemona, Rainer Frank übernimmt neben Rodrigo auch die Rolle der Emilie, Desdemonas Kammerfrau.

Tischendorf hat am Schauspiel Frankfurt schon Erfahrungen mit einer Frauenrolle sammeln können. In den höchst komödiantischen "Männerbeschaffungsmaßnahmen" singt und spielt er die Kursteilnehmerin Chantal, aber es sei klar, sagt er, dass das ein Mann sei.

Desdemona ist eine ganz andere Herausforderung, vor allem wegen der seinerzeit üblichen Aufführungspraxis. Als das Stück vor gut 400 Jahren entstand, war sich Autor Shakespeare sehr wohl bewusst, dass er die Frauenrollen für Männer schrieb.

Bei den Proben, so Tischendorf, sei es wichtig, "einfach zu vergessen, dass man als Mann eine Frau spielt, und sich ganz auf die Geschichte zu konzentrieren, auf die Liebe Desdemonas zu Othello. Sie hat die besten Jünglinge Venedigs ausgeschlagen und stattdessen den Fremden gewählt, der andere Geschichten zu erzählen hat als all die anderen."

Es gibt sehr wohl Überlegungen und Hilfsmittel, um Desdemona richtig zu spielen. Man müsse vor allem dagegen anarbeiten, parodistisch zu werden, glaubt Tischendorf. Eine gute Hilfe sei die Kleidung. "Zeichen der Weiblichkeit erleichtern das Spiel, besonders die Schuhe, durch die man einen anderen Gang bekommt."

Tischendorf, geboren 1979, an der Ernst-Busch-Schule in Berlin ausgebildet, ist seit vier Jahren in Frankfurt. Er hat viele kleine und zunehmend größere Rollen gespielt, am eindrucksvollsten wohl ist sein Edmund in O'Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht". Wenn im Sommer die Intendanz Schweeger endet, geht er zurück nach Berlin, um dort frei zu arbeiten.

Othello, 20.3., 20 Uhr (Premiere),

weitere Termine 21. und 27.3., 4., 5., 17. und 18.4., Schauspiel Frankfurt,

Willy-Brandt-Platz,

Kartentelefon 0 69 / 1 34 04 00

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