+
Gedenk- statt Grabsteine.

Friedhöfe in Hessen

Die Reihen lichten sich

  • schließen

Die Gräber werden kleiner, die Kosten aber steigen. Und die Kommunen müssen sich etwas einfallen lassen. Was sie auch tun. Fragen und Antworten rund ums Thema Friedhöfe in Hessen.

Warum wird es auf dem Friedhof immer leerer?
Fast überall lichten sich auf den Friedhöfen die Reihen. Wo früher Grabstein an Grabstein stand, wächst jetzt zumeist Gras. Grund dafür ist vor allem der Trend hin zu kleineren, oft pflegefreien und günstigeren Gräbern. Dazu zählen klassische Urnengräber, Urnenwände, Rasengräber, Gemeinschaftsgräber oder Baumgräber. Ein weiterer Grund ist der Bevölkerungsrückgang. In Kassel rechnet man bis 2030 damit, nur noch rund 60 Prozent der Flächen zu benötigen. Doch selbst in Frankfurt, das stark wächst, nimmt die Zahl der Bestattungen ab, von knapp 6000 im Jahr 2000 auf nur noch 4700 in 2016. Vor allem deshalb, weil viele Menschen nicht ihr ganzes Leben in Frankfurt bleiben.

Wie hoch ist der Anteil der Feuerbestattungen?
In den 1990er Jahren lag der Anteil der Erdbestattungen noch bei etwa zwei Dritteln, ein Drittel waren damals Feuerbestattungen. Inzwischen hat sich das Verhältnis mehr als umgekehrt. In Hessen machen die Feuerbestattungen bereits mehr als 70 Prozent aus – wobei der Anteil von Feuerbestattungen in Großstädten noch höher ist als auf dem Land.

Was heißt das für die Friedhofsbetreiber?
Ein Grab für eine Sargbestattung kostet in der Regel deutlich mehr als ein Urnengrab. Nimmt nun der Anteil der Urnengräber oder anderer kleinerer Grabstätten zu, bedeutet das für die Kommunen einen Rückgang der Einnahmen. Die Fixkosten für den Unterhalt der Friedhöfe aber sinken nicht. Dazu gehören die Pflege der Wege, die Wasserversorgung, das Instandhalten von Umzäunungen und anderes mehr.

Was bedeutet das für die Friedhofsgebühren?
Sie steigen. Fast überall sind deutliche Erhöhungen gerade bei Urnengräbern zu beobachten.

Wie teuer ist eine Bestattung?
Die Spanne dabei ist sehr groß. Der in Königswinter bei Bonn ansässige Verein Aeternitas, der bundesweit das Friedhofswesen beobachtet, nennt Kosten von 2400 bis 26 000 Euro als üblichen Rahmen.

Was können die Kommunen noch tun, außer Gebühren zu erhöhen?
Sie können ihr Angebot ausweiten. So legt beispielsweise Hanau auf seinen Friedhöfen kleine Wälder an, unter deren Bäumen Urnen beigesetzt werden können. Ausgebaut werden vielerorts auch Urnenwände oder Rasenflächen für anonyme Beisetzungen, gärtnerisch gestaltete Gemeinschaftsgräber oder auch Kolumbarien in Mausoleen und alten Kapellen.

Was haben die Friedhöfe davon, die Angebote auszuweiten?
Zum einen führt dies zu höheren Einnahmen beziehungsweise geringeren Ausgaben. Zum anderen versuchen die Friedhöfe, sich so gegen die wachsende Konkurrenz zu behaupten. Aeternitas beobachtet eine Zunahme von Seebestattungen, Bestattungswäldern und Alternativen im Ausland, die die Friedhöfe weiter unter Druck setzen.

Was können die Kommunen mit den freien Flächen anfangen?
Infrage kommt vor allem die Nutzung als Park. Frankfurt hat beispielsweise in den Randzonen des Hauptfriedhofs Flächen stillgelegt und nutzt diese als ökologische Naturbereiche mit Kräuterbeeten oder Bienenstöcken. Denkbar wäre auch die Einrichtung von Spielplätzen oder Cafés. Auf jeden Fall sollen sie als Grünflächen erhalten werden, eine Bebauung kommt nicht in Betracht. Mancherorts könnten Friedhöfe sogar geschlossen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare