1. Startseite
  2. Rhein-Main

„Reichsbürger“: Gefahr auch in Hessen

Erstellt:

Von: Hanning Voigts

Kommentare

Das Landesamt für Verfassungsschutz warnt auch für Hessen vor einer steigenden Gewaltbereitschaft unter „Reichsbürgern“.

Die Aufregung in Frankfurt und Hessen war groß: Als die Sicherheitsbehörden Anfang Dezember ein bundesweites Netzwerk sogenannter Reichsbürger:innen zerschlugen, nahmen sie den mutmaßlichen Kopf der Gruppe im Frankfurter Westend fest. Der Immobilienunternehmer Heinrich XIII. Prinz Reuß soll das Netzwerk angeführt haben, das bereits konkrete Pläne für einen Staatsstreich gehabt haben soll. Die Gruppe soll sich sogar schon eine Art Putschregierung zurechtgelegt haben, an deren Kopf wohl Prinz Reuß stehen sollte.

Die großangelegte Terrorrazzia, bei der es zwei weitere Festnahmen in Hessen gab, hat ein grelles Schlaglicht auf die Tatsache geworfen, dass sogenannte Reichsbürger:innen und Selbstverwalter:innen auch in Hessen aktiv sind. Lange als rechte Spinner:innen verlacht, wird diese diffuse Szene immer mehr als reale, rechtsextreme Bedrohung wahrgenommen – spätestens, seitdem 2016 ein Reichsbürger im bayrischen Georgensgmünd einen Polizisten erschossen hatte und Versatzstücke der Reichsbürger-Ideologie auch bei den „Querdenken“-Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen allgegenwärtig waren.

Im Kern glauben Reichsbürger:innen, dass die BRD kein Staat, sondern ein illegitimes Konstrukt der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg sei. Sie halten Deutschland für besetzt, berufen sich auf angeblich noch gültige Verfassungen etwa des Deutschen Kaiserreiches und verbreiten rassistische, antisemitische und verschwörungsgläubige Ideen. Ihre radikale Staatsfeindlichkeit schlägt auch manchmal in Gewalt um, weil Reichsbürger:innen teils von ihrem Widerstandsrecht überzeugt sind.

In Hessen soll es laut dem Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) rund 1000 Anhänger:innen dieser eher lose organisierten Szene geben, die drei größeren Netzwerke „Königreich Deutschland“, „Vaterländischer Hilfsdienst“ und „Verfassunggebende Versammlung“ sind allesamt in Hessen aktiv. Das LfV warnt auch für Hessen vor einer steigenden Gewaltbereitschaft, auch wenn nicht die ganze Szene gewaltbereit ist. In Hessen sind zudem auch Anhänger:innen der Anastasia-Bewegung aktiv, einer Art Aussteiger-Szene, die auf rechtsradikale Landkommunen setzt.

Auch interessant

Kommentare